Porträt der Woche

Sie kann Kfz-Mechatronikerin

von Redaktion

Maria-Anna Knollhuber hat im Autohaus Gruber ihre Ausbildung zur KfZ-Mechatronikerin gemacht – als erste Frau.

Waldkraiburg – „Ich glaube, viele trauen sich nicht“, vermutet Maria-Anna Knollhuber, warum es noch nicht so viele Frauen gibt, die als Kfz-Mechatronikerinnen arbeiten. Direkt nach der Schule hätte die 24-Jährige diesen Ausbildungsberuf auch nicht gemacht, sagt sie. Damals entschied sie sich zunächst für einen Pflegeberuf, schloss die Ausbildung ab. Dann der „harte Schnitt“, wie sie es selbst nennt.

Die Welt der Technik zieht sie seit ihrer Kindheit an: „Mein Papa hat Landmaschinenmechaniker gelernt. Als Kind war ich begeistert: Er hat etwas repariert, danach ging es wieder.“ Maria-Annas Schwester hat übrigens auch einen handwerklichen Beruf erlernt: Schreinerin.

Es ist noch immer etwas Besonderes, wenn eine Frau Kfz-Mechatronikerin wird. Im Jahr 2014 waren laut der Deutschen Handwerkszeitung bundesweit nur 4,6 Prozent der Auszubildenden Frauen. Nicht, weil Frauen das kaum schaffen können, sondern weil so wenige überhaupt eine solche Ausbildung aufnehmen.

Von 300 freigesprochenen Gesellen der Kfz-Innung München und Oberbayern waren im Sommer gerade mal fünf Kfz-Mechatronikerinnen. Eine von ihnen ist Maria-Anna Knollhuber. Eine Seltenheit war sie nicht nur in der Innung. Auch in ihrem Ausbildungsbetrieb, dem Autohaus Gruber in Waldkraiburg, war sie die einzige Frau in der Werkstatt. Und die erste.

Sie will Prüferin

beim TÜV werden

Nachdem sie im Sommer ihre Prüfung bestanden hatte, entschied sie sich, nicht als Gesellin weiterzuarbeiten. Sie besucht die Berufs-Oberschule.

Ihr Ziel danach: Prüferin für den TÜV werden. Dass sie nun nicht mehr für das Autohaus Gruber arbeitet, bedauert Anton Gruber junior aus der Geschäftsleitung.

Und auch Maria-Anna Knollhuber sagt über ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin im Autohaus Gruber: „Es war eine gute Zeit.“

Für die Heimatzeitung ist sie extra in ihre ehemalige Werkstatt gekommen, um mit ihrem früheren Chef zu erzählen, wie das so ist als Frau in dieser Männer-Domäne.

Um es vorweg zu nehmen: Sowohl Gruber junior als auch Maria-Anna Knollhuber ziehen ein sehr positives Fazit.

Ihre Bewerbung war die erste einer Frau für den Beruf der Mechatronikerin überhaupt, die bei Gruber auf dem Schreibtisch landete. Im Bewerbungsgespräch überzeugte sie ihn sofort. „Es muss einem bewusst sein, dass es ein Beruf ist, in dem man dreckig wird, und in dem man hinlangen muss“, beschreibt er. Interesse zeigen und „fragen, fragen, fragen“ seien das A und O, wie in jeder Ausbildung.

Wer Interesse hat, schafft die Ausbildung, sagen er und auch die junge Frau. Dass da auch „ein Mädel“ im Team war, sei in der Werkstatt des Waldkraiburger Autohauses kein Thema gewesen.

Ob sie sich von Männern außerhalb der Arbeit mal Sprüche anhören musste wie „Ihr Mädels seid doch nur in der Theorie gut“? Ihre Antwort charakterisiert Maria-Anna sehr gut. Es ist ein ruhiger, sachlicher Satz: „Ich habe mich in der Praxis immer bewiesen.“

An der Berufsschule in Mühldorf wurde sie für ihren guten Abschluss sogar ausgezeichnet.

„Ich habe mich sehr gefreut“, sagt ihr ehemaliger Chef Gruber junior dazu. „Über Wissen und Können bei Frauen und Männern brauchen wir nicht zu diskutieren“, ist er überzeugt. Mittlerweile arbeitet in einer anderen Filiale des Autohauses eine weitere angehende Kfz-Mechatronikerin.

Welche Arbeit Maria-Anna in der Ausbildung am meisten interessiert habe? Motoren reparieren, sagt sie. Zusammen mit einem Kollegen in der Werkstatt, der sich darauf spezialisiert hat, habe sie besonders gerne gearbeitet.

„Eher das Komplizierte“, nickt Gruber junior mit einem Lächeln. Auseinanderbauen. Fehler suchen. Fehler finden. Es klingt selbstverständlich, wenn sie das einem Laien beschreibt. „Danach ist es ein 3D-Puzzle.“ Humor hat Maria-Anna Knollhuber auch. Der schadet nie – egal, in welchem Beruf.

Artikel 1 von 11