Jettenbach – Heimatpflege und Bewahrung des Jettenbacher Kulturgutes – diesem Leitgedanken hat der Heimat- und Kulturkreis Jettenbach auch im abgelaufenen Vereinsjahr voll Rechnung getragen. Das ging aus dem Rechenschaftsbericht der Vorsitzenden Elvira Schreiner in der Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Grasser hervor.
Neben der eigenen Veranstaltung „Boarisch g`sunga und g`spuit“ im Obermaierhof wurden verschiedene Lesungen und Wirtshaussingen und andere Veranstaltungen besucht. Auch an die Adventslesung in der Schlosskirche und das Konzert mit Eva Barbarino und Florian Sonnleitner, Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, erinnerte Schreiner.
Das Ferienprogramm konnte heuer wegen zu geringer Beteiligung nicht durchgeführt werden. Am Ferienprogramm 2016 „Mühlen, Feen und Haderlumpen“ nahmen dagegen viele Interessierte teil.
Mit dem Anbringen einer Gedenktafel am ehemaligen Bahnhofsgebäude wird die Erinnerung wachgehalten an den täglichen Durchzug der KZ-Häftlinge, die zu ihren Arbeitsplätzen in Aschau-Werk „geführt“ wurden.
Am Tag des offenen Denkmals besuchten etwa 150 Interessierte das renovierte Amtshaus des Grafen Toerring in Jettenbach.
Auch im abgelaufenen Vereinsjahr wurden wieder zahlreiche Zeitzeugen befragt, alte Fotos und Dokumente gesammelt und gesichtet. Die Dias von Gerhard Hönig hat das Fotogeschäft Sahlstorfer in Waldkraiburg digitalisiert.
Endlich hat der Verein ein Domizil für sein Archiv. Durch eine Vereinbarung mit der Kirchenverwaltung Jettenbach kann der Dachboden des Pfarrhauses genutzt werden. Der Umzug vom Schulhaus ins Pfarrhaus erfolgt baldmöglichst – die neuen Regale stehen bereits. Die Sitzungen können in Zukunft auch im Pfarrhof abgehalten werden. Für Archivar Gerhard Hönig ist noch kein Nachfolger gefunden.
Die Homepage ist über einen Link auf der Seite der Gemeinde Jettenbach zu finden.
Bereits am dritten Adventssonntag, 17. Dezember, findet wieder in der Schlosskirche die Veranstaltung „Alle Jahre wieder – Lesung mit Musik“ statt.
Die Geschichte der „Seeweiherwiesen“
Mit einem interessanten Ausflug in die Jettenbacher Geschichte wartete die Vorsitzende auf: „Wer kennt die Seeweihergenossenschaft in Jettenbach?“, fragte sie. Der Name „Seeweiher“, das sind die jetzigen Wiesen längs des westlichen Hangs zwischen Jettenbach und Grafengars. Der Moorboden erreicht hier eine Mächtigkeit bis über fünf Meter. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch verschiedene Maßnahmen der Wasserspiegel des Inns bis zu sechs Meter gehoben, was zur Folge hatte, dass die aus der Schnaitseer und Bromberger Gegend herkommenden kleinen Gewässer nicht mehr in den Inn fließen konnten. Sie verlegten ihren Lauf in die unter dem Wasserspiegel des Inn liegenden Seeweiherwiesen.
In dem sich bildenden Sumpf entwickelten sich Schilf- und viele Wasserpflanzen und zahlreiche Tierarten. Ein Jahrzehnt betrat kein Mensch dieses Sumpfgebiet. Erst um die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende Arbeitslosigkeit zu bannen, entschloss sich die Regierung zur Trockenlegung des Sumpfgebietes und zur Bodenverbesserung. So wurde die Entwässerungsgenossenschaft Jettenbach-Grafengars gegründet. Nach 7500 Tagschichten konnte im Jahr 1937 als erste Kulturpflanze Mais angebaut werden.
Auch eine Sage wird in diesem Zusammenhang erzählt: Bei den Planierungsarbeiten waren zahlreiche Hufeisen kleiner Pferde ans Ta-geslicht gekommen, die wohl aus der Zeit der Einfälle der Hunnen im 5. Jahrhundert herrühren. Die wilden Horden waren anscheinend versprengt worden und im Sumpf des Sees umgekom- men.ste