Waldkraiburg – Es ist gar nicht leicht, Menschen als Geier zu kostümieren. Irgendwie lägen Federn nahe und zwar graue. Im Musical „Das Dschungelbuch“, das am Sonntagnachmittag im Haus der Kultur lief, war die Aufmachung der beiden Geier ganz anders.
Raffiniert, witzig, kreativ und dabei nicht unbedingt aufwendig: Fliegerjacken und -hauben aus Leder, darüber graue Kunstpelz-Schals, schwarze Haremshosen, als I-Tüpfelchen neongelbe Turnschuhe und Brillen zum Überstülpen – aber nur, wenn die Geier im Flug waren.
Dazu das abwechselnd gekreischte „ah“ und „äh“ der Schauspielerinnen Anne Berndt und Loraine Ziemke. Die beiden Geier machen sich zum Horst – das brauchen Kinder, um lachen zu können. Aber sie tun es nicht platt – und deshalb müssen auch viele Mamas und Papas mehr als schmunzeln.
Dem Theater Liberi aus Bochum ist wirklich eine Gratwanderung gelungen. Sie zeigen das als Disney-Klassiker von vielen Menschen heiß geliebte „Dschungelbuch“. Aber es ist nie kitschig, auch nicht schrill – und sehr schnell kommt man als erwachsener Zuschauer darüber hinweg, dass die Hits wie „Probier´s mal mit Gemütlichkeit“ von Balu, dem Bären, fehlen. Es sind eigene Kompositionen und Texte, die die bekannten Figuren Mogli, Balu, Baghira und Kaa singen. Als die ebenfalls herrlich übermütigen Affen „Banana“ singen, stimmt das Publikum innerhalb von Sekunden ein. Wie sich die Schauspieler in Affenmanier bewegen, ist ein echter Brüller.
Figuren wie Mogli (Arthur Polle), Balu (Okan Sen) und Baghira (Mareike Heyen) schließt man sofort ins Herz. Die Handlung vom verwaisten Menschenkind, das von Wölfen aufgezogen wird und Freunde unter den Tieren des Dschungels hat, bis es eines Tages begreift, dass es ein Mensch ist, ist zu Recht ein Klassiker.
Oft sind auch die Texte in der Produktion des Theater Liberi subtil-witzig. Tiger Shir Khan (Nathanael Anderfuhren) etwa singt zwar im Refrain, er sei „Der King“, aber er singt eben auch: „Ich reiße Bäume aus, wo keine sind.“ Es sind die Feinheiten, die „Das Dschungelbuch“ zu gelungener Unterhaltung gemacht haben – für große und kleine Zuschauer.