In der Hirschau hat es gefunkt bei Edith und Karl

von Redaktion

In der Hirschau im Münchner „Englischen Garten“ haben sie sich kennengelernt – nun sind sie seit 60 Jahren verheiratet: Edith und Josef Karl Schiffner feierten ihre diamantene Hochzeit und beweisen damit, dass Ostpreußen und Sudetendeutsche gut zusammenpassen.

Waldkraiburg – „Toleranz ist wichtig – jeder muss mal nachgeben“, weiß die Jubilarin, wenn man sie fragt, wie ihre Ehe so lange gehalten hat. „Ganz fehlerfrei sind wir alle nicht“, ergänzt ihr Gatte. Sein früherer Arbeitskollege Richard Fischer gratulierte dem Jubelpaar nun als Zweiter Bürgermeister zu ihrem Festtag, wo auch einige Erinnerungen aus der Arbeitszeit ausgetauscht wurden. Zudem sind auch die Glückwünsche des Ministerpräsidenten eingetroffen.

Im Englischen Garten beim Tanzen kennengelernt

Im ostpreußischen Insterburg nahe der litauischen Grenze kam Edith am 24. November 1932 auf die Welt und wuchs dort mit vier Geschwistern auf, bis die Familie 1944 vertrieben wurde. Über Sachsen und den Bayerischen Wald kamen sie dann nach Mürsbach bei Bamberg. „Gerne hätte ich Köchin oder Krankenschwester gelernt, aber für Flüchtlinge war das nicht leicht möglich“, bedauerte sie. Nach Anstellungen etwa im Haushalt zog es sie dann nach München, wo sie einige Jahre in einem Schülerheim gekocht hat.

Josef Schiffners Lebensweg begann am 11. Juni 1932 in Böhmisch Kamnitz, Kreis Tetschen im Bezirk Leipa. Seine Kindheit erlebte er im Lebensmittelgeschäft der Eltern, seine zwei Brüder sind dann im Krieg vermisst. Die Aussiedlung erfolgte 1946 „mit der Zille nach Dessau“. In der Nähe von Magdeburg ansässig lernte Josef dann Maschinenschlosser. Nach verschiedenen Stellen wie Hamburg, Kassel oder Waldkraiburg arbeitete er dann in München und besuchte in seiner Freizeit – wie auch Edith – eine Tanzveranstaltung im „Englischen Garten“. „Wir saßen eigentlich weit auseinander, aber durch einen Fingerzeig hab ich sie zum Tanzen aufgefordert“, lächelt Josef – „und ich hab ihn nicht mehr losgekriegt“, lacht seine Edith nach nun sechs Jahrzehnten.

Vor den Traualtar traten sie am 30. November 1957 dann in Waldkraiburg, den kirchlichen Segen bekamen sie von Pfarrer Heckel. „Wir waren nur elf Personen – nun wollen wir die ‚Diamantene‘ im größeren Familienkreis feiern“, sagt Edith.

Sie schufen sich hier in der Eichendorff-Straße ein Eigenheim, das sie 1959 bezogen. Ein Sohn und eine Tochter vervollständigten die Familie, inzwischen erfreuen sie drei Enkelkinder. Edith war von 1959 bis 1990 bei der Firma SGF beschäftigt. Erst auch ihr Gatte, der dann ab 1962 dreißig Jahre lang bei der Firma Netzsch arbeitete, bis er 1992 gesundheitlich bedingt in den Vorruhestand ging. Seit Jahrzehnten war er beim Fischerei-Verein, Kegeln oder Eisstockschießen zählten zu seinen Hobbys.

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