ZUr Situation Don Bosco Aschau am Inn

„Wir erfinden uns immer wieder neu“

von Redaktion

Die Jugendhilfeeinrichtung der Salesianer Don Bosco in Aschau stellt sich breiter auf und passt sich damit dem veränderten Bedarf an. „Seit 1950 mussten wir uns immer wieder neu erfinden. Wir schaffen zusätzliche Standbeine im Angebot für junge Menschen“, erklärt Peter Konietzko, kommissarischer Gesamtleiter. Pater Heinz Menz, Direktor der Salesianer, bekräftigt, der Provinzialrat stehe voll hinter der Einrichtung.

Aschau – Die Salesianer-Einrichtung tritt nicht mehr nur als Berufsbildungswerk auf, der offizielle Name lautet nun „Don Bosco Aschau am Inn“. Die Jugendhilfe werde breiter angeboten, zum Beispiel durch neue heilpädagogische Wohngruppen. Die Idee von Gertraud Reiser (siehe Bericht zur Bürgerversammlung), Senioren zu einer Jugendeinrichtung zu gesellen, nannte er „mutig“.

Die Einrichtung stehe generell wieder einmal vor der Herausforderung, sich zusätzliche Standbeine zu schaffen – in enger Zusammenarbeit mit dem Provinzialrat der Salesianer, der alle Entwicklungsprozesse unterstütze, so Pater Menz, Direktor der Salesianer in Waldwinkel und Mitglied dieses Gremiums. Im Vordergrund stehe die Pädagogik Don Boscos: jungen Menschen, die es schwer haben, eine Perspektive zu bieten.

Der Reha-Bereich sei bundesweit generell seit Jahren rückläufig, was auch mit der Konjunktur zusammenhänge, wie Konietzko ausführt. Inzwischen werden Lehrlinge „draußen in der Welt“ händeringend gesucht. „Da kommen auch jene leichter unter, die besser bei uns aufgehoben wären“, so der Gesamtleiter – der Inklusion grundsätzlich befürworte. Aus Erfahrung weiß er jedoch, wie manche benachteiligten Jugendliche im Regelsystem unter Mobbing und Ausgrenzung leiden. „Bei uns blühen die auf, weil sie angenommen werden, wie sie sind“, sagt er überzeugt.

Zu den Einbußen in den vergangenen Jahren erklärt er, Rendite und Gewinn seien nicht die erste Priorität der Salesianer-Einrichtung. Natürlich müsse man auch die Zahlen im Blick haben, die finanzielle Basis sei schließlich Mittel zum Zweck.

Nachfrage nach heilpädagogischem Wohnen steigt

Die Belegungszahlen ändern sich gerade im Reha-Bereich wöchentlich. Derzeit sind etwa 150 junge Leute hier zur Ausbildung, 30 zur Berufsvorbereitung in Waldwinkel und 30 in der Filiale in Mettenheim. Dazu kommen 25 umF (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge; die werden weniger) und 16 Jugendliche in heilpädagogischen Wohngruppen in Waldwinkel und Mettenheim. Die Nachfrage nach Plätzen in diesem Bereich steigt stetig. „Durch Wohngruppen leisten wir unseren Beitrag“, so Konietzko.

An der Berufsschule auf dem Gelände Waldwinkel werden drei Berufsintegrationsklassen für berufsschulpflichtige Flüchtlinge und EU-Migranten unterrichtet – im Landkreis gibt es 17 Klassen.

Die jungen Migranten schnuppern auch in Waldwinkel in verschiedene Jobs rein, können Praktika machen und man versucht, sie im Anschluss in eine Ausbildung zu bringen. „Durch diese Vorarbeit entlasten wir die Betriebe der Region“, erklärt Konietzko.

Zudem bietet „Don Bosco Aschau am Inn“ einwöchige Berufsorientierungscamps (BOC) für Mittel- und Förderschulen sowie in Kooperation mit der Handwerkskammer zweiwöchige Praktika für Schüler an.

In Planung sei nun eine vorbereitende Maßnahme (gefördert vom Jugendamt), die noch vor der regulären Berufsvorbereitung (gefördert von der Arbeitsagentur) stattfinden soll. Gedacht für junge Leute, die keinen Schulabschluss haben und solche, die verloren gehen und durchs System rutschen. Ein entsprechendes Anliegen habe Landrat Georg Huber an die Einrichtung herangetragen.

Der Wandel in Waldwinkel folge stets der Frage nach dem Bedarf, wo junge Menschen Not haben, sei es im Bereich der Flüchtlingshilfe oder etwa der psychischen Erkrankungen unter jungen Leuten. „Früher hatten wir regelmäßig 15 bis 20 Rollstuhlfahrer, jetzt nur noch vereinzelte, denn die können durch die Inklusion ,draußen‘ eine Ausbildung machen“, so Konietzko. Immer größer dagegen werde die Gruppe der psychisch Beeinträchtigten. Sie leiden an Psychosen, Depressionen, Essstörungen, ADHS oder sind Autisten.

Zum Klientel gehören junge Leute mit schwerer Diabetes. Oder mit Schädel-Hirn-Trauma, die etwa nach einem Unfall unter Migräne leiden und eingeschränkte kognitive Fähigkeiten haben, sich schwer konzentrieren können. Konietzko: „Wir stellen uns auf die veränderten Personengruppen ein. Manche brauchen intensive fachdienstliche Betreuung.“

Das Ausbildungsspektrum ist auch einem Wandel unterworfen; fast 30 Berufe werden angeboten. Angesagt seien Ausbildungen zum Schlosser, Sattler und Polsterer oder zur Fachkraft für Hausmeistertätigkeiten.

Die Ausbildung zum Mediengestalter, technischen Produktgestalter oder Floristen lässt man auslaufen. Die Ansprüche der Arbeitgeber in den freien Wirtschaft seien gestiegen, wer keine mittlere Reife mitbringe, habe kaum eine Chance auf einen Job. „Da bremsen die Kostenträger, weil die Aussichten schlecht sind“.

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