Pfarrverband Kraiburg

Neue Kursbestimmung fürs Kirchenschiff

von Redaktion

Es geht um eine Standortbestimmung, darum, Schwerpunkte für die seelsorgerliche Zukunft zu entwickeln. Dieses Ziel verfolgt der Pfarrverband Kraiburg mit einer groß angelegten Fragebogenaktion, die sich an engagierte Christen wie an Kirchenferne gleichermaßen wendet.

Kraiburg/Taufkirchen/Guttenburg/Grünthal – Rund 4600 Katholiken in den fünf Pfarreien Kraiburg, Taufkirchen, Ensdorf, Frauendorf und Grünthal – das ist der Pfarverband Kraiburg. Gut 200 Ehrenamtliche, fast 300 mit den Kirchenchören, bringen sich in den Pfarreien ein und unterstützen die Hauptamtlichen: Pfarrer Michael Seifert, Pastoralreferentin Christina Fraunhofer, die eine Halbtagsstelle hat, Pfarrvikar Emmeran Hilger, der seit Herbst zum Team gehört, und Pfarrer im Ruhestand Werner Giglberger.

Kerngemeinde und Kirchenferne

sind angesprochen

„An sich sind wir zur Zeit gut aufgestellt“, meint der Pfarrer zur personellen Situation, die in anderen Pfarrverbänden schlechter sei. Doch allen ist klar: Die Zahl der hauptamtlichen Seelsorger wird in den nächsten Jahren auch in der Erzdiözese weiter sinken. Nicht alles, was heute noch selbstverständlich ist, wird Kirche, wird Gemeinde dann noch anbieten können. Ein Grund, danach zu fragen, was den Menschen besonders wichtig ist.

Es ist nicht der einzige Ausgangspunkt für die Fragebogenaktion: Denn es hat sich viel geändert in der Lebenswelt der Menschen, oft gibt es nur noch wenige Berührungspunkte mit dem Glauben und der Kirche. Es gebe so viele Menschen, die auf der Suche sind, die aber immer weniger im Glauben und in der Kirche die Kraft finden, ihr Leben zu gestalten, so Christina Fraunhofer. Auch darauf wollen die Verantwortlichen im Pfarrverband reagieren.

Ausdrücklich wendet sich die Aktion an jene, die nicht der Kerngemeinde angehören, die sich mehr Kontakt zur Kirche wünschen oder auf Distanz zu ihr gegangen sind, aus welchen Gründen auch immer. Auch im Pfarrverband Kraiburg spiegelt sich wider, wie heterogen die Gesellschaft geworden ist. Da gibt es die kleine Dorfpfarrei Grünthal, wo sich viele noch ganz selbstverständlich mit der Kirche identifizieren, die zum Beispiel in der ganzen Diözese die zweithöchste Wahlbeteiligung bei den vergangenen Pfarrgemeinderatswahlen erreichte. Und es gibt den Markt mit viel Zuzug von Leuten, die mit der Kirchengemeinde so wenig zu tun haben wie mit den Vereinen und dem Leben am Ort insgesamt. Auch über deren Meinungen, Erwartungen an Kirche und die Gemeinde vor Ort wollen die Verantwortlichen im Pfarrverband mehr wissen. Was sie sich wünschen, etwa an sozialen Kontakten oder Angeboten für die verschiedenen Altersgruppen.

Von Altem Abschied nehmen, um Neues

zu ermöglichen

Es gehe nicht darum, Kirche zum Sozialdienst zu machen, sind sich Seifert und Fraunhofer einig, es gehe darum, den Auftrag des Evangeliums und die Erwartungen der Leute zusammenzubringen. Natürlich solle nicht alles in Frage gestellt werden – die Liturgie, der Sonntagsgottesdienst, stehen in ihrer Bedeutung nicht zur Disposition – aber so manche Selbstverständlichkeit sollte auf diese Art auch kritisch reflektiert werden. Manchmal ist es notwendig, von Altem Abschied zu nehmen, um Neues zu ermöglichen.

Und es gehe nicht darum, immer wieder nur über die Mängel, etwa die Personalnot, zu reflektieren, sondern vielmehr offensiv zu fragen, wo und wie kann Kirche in die Gesellschaft hineinwirken, so die Pastoralreferentin. „Du sollst ein Segen sein“ – unter dieses biblische Motto haben die Initiatoren die Fragebogenaktion deshalb gestellt.

Damit auf der Basis der Fragenbögen eine Weichenstellung für die seelsorgerliche Zukunft möglich wird, wünschen sich die Initiatoren eine möglichst hohe Beteiligung an der Aktion, die in diesen Tagen startet und bis Ostern läuft (siehe auch blauer Infokasten).

Fragen und Fakten

Der Startschuss für die Fragebogenaktion fällt in diesen Tagen: Beim Christkindlmarkt werden die Fragebögen am Stand der Ministranten verteilt. Auch in den Kindertagesstätten, bei der Sakramentenvorbereitung und bei Veranstaltungen der Vereine sollen die Bögen verteilt werden, in Grünthal gehen sie in jeden Haushalt.

Die Beantwortung erfolgt anonym. Die Fragen betreffen persönliche Einstellungen zu Glauben und Kirche, gute und schlechte Erfahrungen mit der Kirche. Gefragt wird auch, was die Leute von einer lebendigen Pfarrgemeinde erwarten (Sakramentenvorbereitung, Kranken- und Geburtstagsbesuche, Trauerbegleitung, Bibelarbeit, Feste, Ökumene, gesellschaftspolitische Themen etc.), welche konkrete Hilfe sie sich wünschen und wie wichtig ihnen welche liturgischen Feiern und Angebote sind (spezielle Gottesdienste, musikalische Gestaltung, Rosenkranz etc.)

Zur Teilnahme aufgerufen sind alle, die im Gebiet des Pfarrverbands leben, vom Firmalter aufwärts. Die Fragebögen sollten nicht für eine ganze Familie, sondern von jedem einzeln ausgefüllt werden und können danach in den eigens bereit gestellten Urnen in den Pfarrkirchen oder in den Briefkasten des Pfarrbüros Kraiburg, Martkplatz 33, eingeworfen werden.

Die Aktion läuft bis Ostern. Letzter Abgabetermin ist 2. April.hg

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