Was mich freut – was mich ärgert

„Bleiben wir Kultur-Erlebnis-Stadt?“

von Redaktion

Das vielfältige Kulturleben Waldkraiburgs ist Monika Egger sehr wichtig. Doch genau darum fürchtet die kulturinteressierte Bürgerin, seit bekannt wurde, dass die Stadt über gravierende Veränderungen in diesem Bereich nachdenkt. In einem offenen Brief an Kulturreferentin Karin Bressel bringt sie diese Sorge zum Ausdruck. Bressel äußert Verständnis, verweist aber zugleich auf die Finanzlage der Stadt und sieht in einem Umbau auch Chancen.

Waldkraiburg – Seit Monika Egger 1990 von München nach Waldkraiburg zuzog, nimmt sie regen Anteil am städtischen Kulturleben, ist regelmäßig im Studiokino, oft in Theatervorstellungen und versäumt keine Vernissage in der Städtischen Galerie.

Sie war geschockt, als bekannt wurde, dass die Stadt darüber nachdenkt, die Stadtbücherei ins Haus der Kultur zu integrieren. Glasmuseum und Städtische Galerie müssten dafür weichen (wir berichteten). Sie befürchtet darüber hinaus: Auch städtische Veranstaltungsreihen könnten aufgegeben werden.

Die Pläne, das Haus des Buches in einen Kinderhort umzubauen, sieht Egger sehr kritisch. Das Haus sei eines der wenigen repräsentativen Gebäude der Stadt, das mit seiner transparenten Architektur eigens für eine Bücherei konzipiert wurde. Mit einer Zweckentfremdung und dem dafür notwendigen Umbau ginge Waldkraiburg ein Aushängeschild verloren, schreibt sie in einem Brief an die Kulturreferentin, der auch der Zeitung vorliegt.

„Immer wieder wird versucht, Waldkrai- burg als Einkaufs-Er- lebnis-Stadt zu posi- tionieren, was ich als schwierig bis unmög- lich erachte. Als Kul- tur-Erlebnis-Stadt ist Waldkraiburg bereits aufgestellt.“

Monika Egger

Die Stadt habe ein Imageproblem, biete aber in zwei Bereichen „ein hohes Maß an Lebensqualität“: ein großes Angebot an Sportstätten und ein reichhaltiges und vielfältiges Kulturleben“. Der Bau des Hauses der Kultur mit Museum, Musikschule und Galerie „bedeutete für mich, dass diese Stadt die kulturellen Bedürfnisse der Bürger wertschätzt und ernst nimmt. „Viele Städte dieser Größenordnung leisten sich Stadtsäle, aber in keiner Stadt der Umgebung gibt es ein derartiges kulturelles Zentrum.“

Die Ausstellungen der Städtischen Galerie zur Gegenwartskunst seien „einzigartig in der Region“, sonst nur in großen Städten zu sehen. „Würde die Galerie geschlossen, ginge dieses Alleinstellungsmerkmal verloren.“

An die Kulturreferentin habe sie sich gewandt „in der Hoffnung, dass sie Anwältin der Kultur ist und für die Kultur spricht“, sagt die Waldkraiburgerin, die in ihrem Schreiben die Befürchtung äußert, „dass derzeit Einsatz und Fürsprache für das kulturelle Leben der Stadt äußerst gering sind“. Seit April 2016 ist der Stadtkämmerer gleichzeitig Kulturamtsleiter, aus Sicht von Monika Egger ein „Interessenskonflikt“. „Als Leiter des Kulturamtes soll er für ein möglichst breites kulturelles Angebot plädieren, als Kämmerer alleine finanzielle Aspekte im Fokus haben.“

„Immer wieder wird versucht, Waldkraiburg als Einkaufs-Erlebnis-Stadt zu positionieren, was ich als schwierig bis unmöglich erachte. Als Kultur-Erlebnis-Stadt ist Waldkraiburg bereits aufgestellt und ich hoffe, dass jede Beschneidung mit Sorgfalt und Weitsicht erwogen wird, um diese Reputation nicht leichtfertig aufzugeben“, so Egger, die möglichst bald eine öffentliche Diskussion fordert. Bislang wird das Thema nicht öffentlich in den Gremien behandelt.

Kulturreferentin Karin Bressel betont, dass bislang keine Entscheidungen getroffen worden seien. Und sie äußert Verständnis für die Bürger, die sich für die Belange der Kultur einsetzen. Jeder denke allerdings nur an seinen Bereich. Als Referentin für Bildung und Kultur sehe sie aber auch die 40 oder 50 Kinder und deren Eltern, die in eineinhalb Jahren keinen Betreuungsplatz haben, wenn der Kinderhort aus der Diesel-Grundschule ausziehen muss. Da stehen Kinder auf der Straße, könnten Mütter nicht mehr arbeiten gehen.

Die Suche nach einem geeigneten Haus für den Hort war vor einigen Jahren schon schwer. „Sie ist sicher nicht leichter geworden.“ Vor allem deshalb, weil die Stadt finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen könne.

Bei einem Umzug der Bücherei in das Haus der Kultur sieht Bressel im Übrigen durchaus Chancen, das Haus der Kultur zu beleben. Man würde dadurch Leute in das Haus bringen, die es bisher nicht besucht haben, glaubt sie. Auch das Bistro könnte bei mehr Frequenz häufiger öffnen. Und alle Lesekreise und -aktionen der Bücherei könnten problemlos fortgeführt werden.

Was das Thema Ausstellungen angeht, sieht sie alternative Räume. Bressel nennt neben anderen Räumen im Haus der Kultur die neue Ausstellungsfläche im Adalbert-Stifter-Seniorenwohnen und das Rathaus. Sie räumt auf Nachfrage aber ein, dass in diesen Räumen das bisherige ambitionierte Ausstellungskonzept im Bereich der modernen Kunst mit nationalen und internationalen Künstlern nicht weiter verfolgt werden könnte.

Das Haus der Kultur sei „ein wunderschönes Haus, das in der Gegend einzigartig ist von seinem Konzept und Angebot her“, pflichtet sie der Bürgerin bei. „Aber auch die Kosten sind einmalig.“

Auch deshalb sei es notwendig und selbstverständlich, immer wieder zu evaluieren, Konzepte zu hinterfragen, Veranstaltungsreihen zu überdenken. Ein Gesichtspunkt dabei: das Haus noch attraktiver zu machen für ein breiteres Publikum, das bisher nicht erreicht wird.

Durch welche Veranstaltungen und Veranstaltungsreihen dies geschehen könnte, sagt Bressel nicht. Das sei letztlich Sache der Fachleute in der Kulturverwaltung. Zur Frage, welche Veranstaltungsreihen aufgegeben werden, beziehungsweise pausieren könnten, nennt sie als ein Beispiel das Puppentheater. Weil sich die Stücke immer wiederholen, gehen die Zuschauerzahlen zurück. Da müsse man über Alternativen nachdenken.

„Ich gehe davon aus, dass die Theaterabos erhalten bleiben. Sie werden in Waldkrai- burg sehr gut ange- nommen.“

Kulturreferentin Karin Bressel

Zur Frage der Zukunft der Theaterabos des städtischen Kulturamtes sagt die Stadträtin: „Ich gehe davon aus, dass diese Abos erhalten bleiben. Sie werden in Waldkraiburg sehr gut angenommen.“ Die Kritik am Kämmerer und kommissarischen Kulturamtschef Rainer Hohenadler weist Bressel zurück. Sie sehe den Interessenkonflikt nicht, weil die Zusammenarbeit mit dem Kulturamt funktioniert und Hohenadler sich mit den Fachleuten berate.

Zum Thema Transparenz sagt die Kulturreferentin: „Jeder Bürger kann auf uns zugehen.“ Sobald die Fakten und Daten auf dem Tisch liegen, werde die Bevölkerung auch informiert. Sie würde sich freuen, so Bressel, wenn möglichst viele Bürger sich dann, zum Beispiel bei einem Kulturstammtisch, informieren. „Aber bitte auch Lösungsvorschläge mitbringen“.

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