Taufkirchen – Cassandra May lebt mit ihrer Katze Emily versteckt und abgelegen bei Taufkirchen. „Fern ab von den großen Städten der Welt. Dort, wo ein Sperber in seinem Häuschen unter dem Dach wohnt. Wo wilde Hasen noch fröhlich durch den Garten hüpfen und Rehe gemächlich ums Haus herum hüpfen.“ So beschreibt die 46-Jährige, die unter ihrem Pseudonym auftritt, ihr schnuckeliges Zuhause.
Schnuckelig ist auch das Haus, in dem eine ihrer Hauptfiguren, der kleine „Elfenschopf“, wohnt. Aus ihrer Feder stammend. Genau wie die Figuren „Eulalia, die dicke Eule“, der kleine Zaubergeist „Knockshoggs“ auf seiner Schlange Tusnelda, der Erfinder „Neblin“ oder die dunklen Gestalten, die dem Teufel dienen. Die märchenhafte Geschichte für Erwachsene und Jugendliche ist niedergeschrieben in „Hallgard und das Vermächtnis von Origo“ – bisher erschienen als E-Book und Minibuch. Jetzt kommt der Fantasyroman überarbeitet und im Format DinA5 raus. Ein langer, steiniger und lehrreicher Weg für die Autorin, den sie die vergangenen zehn Jahre dafür auf sich genommen hat. Inzwischen weiß sie nur zu gut, wie hart das Verlagsgeschäft ist, hat Bekanntschaft mit einem Internet-Vertriebsriesen gemacht und sich entschieden, es auf eigene Faust zu versuchen. Ihre Vermarktung übernimmt die Reiter Distribution.
In ihrem bürgerlichen Leben hat Cassandra May in verschiedenen kreativen Berufen gearbeitet, zuletzt freiberuflich für die Filmbranche in der Transkription. „Irgendwie bin ich aber immer wieder beim Schreiben gelandet.“ Schon als kleines Mädchen wusste sie, dass sie Schriftstellerin werden möchte, noch bevor sie schreiben konnte.
In „Hallgard und das Vermächtnis von Origo“ geht es um den Kampf „Gut gegen Böse“. Rückschläge und Selbstzweifel, die sämtlichen Romanhelden der großen, weiten Literaturwelt nicht fremd sind, kennt Cassandra May auch. Und dennoch: „Man kann nicht immer nur reden und hadern, man muss es anpacken und sich trauen. Dann fließt es schon, da bin ich zuversichtlich“, sagt die kreative Frau gut gelaunt. Sie wirkt geduldig und realistisch – und glaubt mittelfristig an ihren Erfolg.
Hier in der „Prärie“ – wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen – kommt sie zur Ruhe, schöpft Kraft für neue Ideen und Geschichten. Einen Fernseher gibt es nicht, das „schnelle Internet“ lässt auch noch ein wenig auf sich warten. Die Einsamkeit und die Besinnung aufs Wesentliche geben ihr Raum, sich zu entfalten.
Die Küche mit dem schönen alten Fliesenboden ist ihre Kreativwerkstatt. Katze Emily beobachtet vom Fensterbrett aus die Vögelchen draußen. Das macht müde, die kleine Samtpfote sucht sich ein gemütliches Plätzchen auf der Couch – neben den „Balduin“-Prototypen. „Der Ostergockel Balduin“ ist ein Kinderbuch von May, das im Februar erscheinen soll – und passend dazu: lustiges Federvieh als Stofftiere. May sprudelt nur so vor Ideen.
„In meinem Balduin-Buch, das ich gerade illustriere, bringen die Hühner Friedla, Elsbeth, Börtha und Picklinda dem Gockel das Brüten bei, weil sie selbst plötzlich nicht mehr in der Lage dazu sind“, erklärt die Autorin.
Liebevolle Details und witzige Eigenheiten zeichnen die Illustrationen aus. May will bald die Stofftiere anbieten, die sie – noch – selbst fertigt. „Ich bin dabei, mir das CE-Zeichen zu verdienen“. Beim TÜV laufen derzeit die Tests für Entflammbarkeit und Reißfestigkeit. Bei der Füllung soll man aus Polyester oder Zirbenholzstückchen auswählen können – fürs Wohlgefühl. Bei Katze Emily wirkt es schon.