Waldkraiburg – Auch der Penny-Markt macht zum Jahresende zu. Und das Fotogeschäft Sahlstorfer hat schon vor einigen Monaten das Weite gesucht: Der Laden ist nun in der Berliner Straße, nicht weit von der Bayernbrücke. Die Prager Straße wird langsam leer. Das Elektrogeschäft Köhler hat schon vor fünf Jahren geschlossen. Internet und große Elektronikmärkte waren eine übermächtige Konkurrenz. Die Geschäftsräume wurden zu Wohnunegn umgebaut.
Es gibt viele Gründe
Maria Sommer hat die Linden-Apotheke 20 Jahre lang geführt, eine ihrer Mitarbeiterinnen arbeitete dort schon seit 30 Jahren, beim Vorgänger. Dass Maria Sommer ihr Geschäft nicht einfach so schließt, kann man sich vorstellen. Es gab mehrere Gründe für ihren Entschluss. Apotheken unterlägen immer mehr Vorschriften, die Gesundheitsreform. Die Konkurrenz von Online-Apotheken sei auch ein Problem. Aber den Ausschlag gab etwas anderes: „Der Vermieter macht nichts am Haus.“ Von außen sehe es „nicht einladend“ aus.
Man muss das Haus in der Prager Straße nicht lange betrachten, um das zu belegen. Die Steinplatten, mit der die Fassade der Linden-Apotheke und der Penny-Filiale verkleidet sind, haben dunkle Flecken, die aussehen, als würde Wasser an ihnen runterlaufen. Manche sind gebrochen, in einer fehlt sogar ein Stück.
Vor den Eingangstüren der Apotheke und des Discounters besteht der Boden nicht aus Pflaster, sondern aus Gittern. Teils sogar ganz schön ausgebeulten Gittern. Für ältere Herrschaften sei das nicht ganz ungefährlich zum Gehen, sagt Maria Sommer. Aber es ist nicht nur das Äußere des Hauses. „Ich habe 15-mal Wasser im Geschäft gehabt“, berichtet Sommer.
In der Penny-Filiale nebenan sind die Bodenfliesen ziemlich ramponiert. Einige haben Risse, Kratzer oder Macken. An der Decke verlaufen Rohre. Alles nicht mehr so ganz zeitgemäß. Auch die Filiale ist bald Geschichte.
Penny sucht keinen Ersatz-Standort
Aus der Presseabteilung des Unternehmens, das zur Rewe-Gruppe gehört, heißt es zu den Gründen: „Mit dem Ablauf der Mietlaufzeit werden wir unsere Filiale in der Prager Straße am 30. Dezember 2017 schließen.“ Da es in der Stadt drei weitere Filialen gebe, werde nach der Schließung in der Prager Straße kein Ersatz gesucht. Auf die Frage, was mit den Arbeitsplätzen dort geschieht, lässt die Pressestelle wissen: „Mit allen in der Filiale beschäftigten Mitarbeitern konnte eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunden werden.“
Das Stimmungsbild der Menschen vor dem Discounter und der Apotheke ist eindeutig: Sie finden es „schlecht“, dass die beiden Geschäfte schließen. Die Mehrzahl kommt aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Johann Mühlbauer sagt: „Das gefällt mir nicht.“ Chantal Burian, die ebenfalls ganz in der Nähe wohnt, sagt es sei sehr praktisch „mal schnell“ in die Apotheke oder zum Einkaufen gehen zu können.
In der Apotheke beschreibt das Wort Wehmut die Stimmung vielleicht am besten. „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge“, sagt Sommer. Sie erzählt von der guten Stimmung im Team, von den „lieben Kunden, Stammkunden“, davon wie schön die Straße im Frühling ist, wenn die Kirschbäume gegenüber blühen.