Waldkraiburger Wochenschau

Herbergssuchen

von Redaktion

Weihnachtslieder selber singen mit Bezirksvolksmusikpfleger Ernst Schusser. Gute Laune in der staden Zeit. Christkindlmärkte rundumadum. Weihnachtstombola für die VfL-Jugendarbeit. OVB-Spendenaktion für eine Hospizinsel in Waldkraiburg. Stimmungsvolle Konzerte in den Kirchen. Musik, Adventsspiele und Benefizbasare in den Schulen. Es weihnachtet schon…

Auch die Nachricht von einer „Herbergssuche“ passt in die Zeit, wenn sie auf Weihnachten zusteuert. Selbst wenn es im aktuellen Waldkraiburger Fall ganz profan um Vereine geht, die schon eine Weile auf der Suche sind und gerne langfristig ein Dach über dem Kopf hätten, aber im Stadtbau-Gebäude an der Aussiger Straße keine Zukunft haben, auch wenn es „freiraum“ heißt.

Der Hauseigentümer hat die Notbremse gezogen, musste das wohl auch. Denn das ehemalige Schulungsgebäude ist ein Fass ohne Boden. Fast eine halbe Million für eine „erstmalige Nutzbarmachung“ als Vereinshaus. Das darf die Stadtbau nicht tragen, die Stadt kann es nicht und die Vereine ebenso wenig. Aus der Aussiger Straße 36 wird langfristig also kein zweites Haus der Vereine. Wenn nicht noch von irgendwoher der Retter kommt, der allerdings schon ein ganzes Jahr sehnlichst erwartet wird. Bislang vergeblich.

Das dämpft die Weihnachtsstimmung. Doch Stadt und Stadtbau haben sich nicht einfach so davon gestohlen. Sie lassen die Vereine nicht im Winterregen stehen, sondern bieten eine Interimsnutzung an, die die Mieter finanziell zwar bis an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten fordert, aber auch Zeit gewinnen lässt. Drei Jahre, an deren Ende vielleicht doch noch eine bessere Lösung stehen kann.

Bei einer anderen Herbergssuche scheint die gute Lösung schon greifbar nahe. Beim alten Bahnhof, in den nach Sanierung und Erweiterung die Heilpädagogische Tagesstätte der Franziskanerinnen von Au einziehen könnte, hätte nicht nur ein Mieter eine geeignete Unterkunft gefunden, sondern eine Herberge auch einen Partner, der ihren Erhalt langfristig sichert.

Der Bahnhof soll erhalten werden. Das ist vielen Waldkraiburgern ein Anliegen. Hermann Karosser, scheidender Stadtbau-Geschäftsführer, der nach 30 Jahren in verschiedenen leitenden Funktionen bei der Stadt in Ruhestand geht, hat zum Abschied zurecht noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig der Erhalt der wenigen historischen Gebäude ist. Um ein Bewusstsein für die Stadtgeschichte zu entwickeln. Ein Passauer, der in Mühldorf lebt, und zum bekennenden Waldkraiburger wurde, weiß, wie selbstverständlich sich die Bürger in diesen historischen Orten mit ihrer Stadt identifizieren, und wie bitter Not das einer Stadt wie Waldkraiburg tut. Und wie weit der Weg noch ist!

Ein Thema, das Waldkraiburg noch eine Weile erhalten bleiben wird. Mindestens über die Weihnachtszeit hinaus, bis ins neue Jahr. So wie die Herbergssuche für den Kinderhort, der bald aus der Diesel-Grundschule raus muss. Und die Herbergssuche für die Bücherei, die ins Haus der Kultur umzieht, wenn der Hort ins Haus des Buches einzieht. Und die Diskussion darüber, wie es denn mit Waldkraiburg und seinem Profil und viel beschworenen Status als Kulturstadt weitergeht.

Man möchte ja nicht in der Haut der Stadträte stecken, die darüber in Zeiten leerer Stadtkassen entscheiden müssen! Und vielleicht auf die Idee kommen könnten, auf die Kommunalpolitiker auch andernorts kommen, wenn die Kassenlage kritisch und guter Rat teuer ist. Kultur und Sport, die vermeintlich nichts abwerfen, sondern nur was kosten, die haben es dann besonders schwer. Vor allem, wenn die Lobby fehlt.

Der Sport hat seine Fürsprecher im Stadtrat. Als Anwalt der Kultur drängt sich derzeit niemand in der Waldkraiburger Kommunalpolitik in den Vordergrund. Da fehlt es an kulturpolitischem Profil und Expertise. Gleichzeitig ist durch Veränderungen in Leitung und Struktur die Kulturverwaltung geschwächt. Das ist auch ein Grund, warum sich Bürger Sorgen um die Zukunft der Kultur und die Qualität des Angebots in Waldkraiburg machen. Hans Grundner

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