Waldkraiburg – Seit Anfang August treffen sich Theaterbegeisterte an zwei Tagen in der Woche zum Training. Eduard Speckmaiers Projekt zeigt, wie Integration erfolgreich funktionieren kann. Er ist der Meinung, dass Integration nicht nur heißt, dass man Deutsch lernen muss.
Es gibt auch andere Wege. Damit meint er Theater und Musik, die die Menschen miteinander verbinden. Das Theatertraining ist in zwei Gruppen eingeteilt. Donnerstags ist die Kindergruppe, die sich aus Flüchtlingskindern zwischen acht und zwölf Jahren zusammensetzt. Samstags sind Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr aktiv.
Der agile Theaterpädagoge schafft es mit seiner positiven Art, die Menschen für sein Projekt zu begeistern. In erster Linie geht es ihm nicht darum, dass man gemeinsam ein Theaterstück einstudiert und dieses innerhalb kürzester Zeit einem großen Publikum präsentiert.
Es geht nur gemeinsam
In Speckmaiers Theatertraining sollen sich die Menschen erst einmal richtig kennenlernen und ihre Ängste, Anspannungen, Unsicherheiten und negative Denkmuster ablegen. Sie sollen lernen einander zu vertrauen, den anderen zu akzeptieren, und ihr eigenes Selbstbewusstsein stärken. Die Teambildung ist das Allerwichtigste, denn nur gemeinsam könne man Großes schaffen. Bislang gestaltet sich das Training so, dass die Teilnehmer erst einmal lernen, aufeinander zuzugehen. „Wir stecken noch in den Anfängen. Eine Theatervorführung wird es dieses Jahr vermutlich noch nicht geben“, erklärt Speckmaier. Übungen zur Lockerung, zum Sprechen und zur Mimik sind Standard in jeder Trainingsstunde. Die deutliche Aussprache und vor allem die Kraft in der Stimme werden ebenso trainiert, wie die Gesichtsmimik und die Lachmuskeln.
Doch was besonders wichtig ist, ist das Vertrauen. Hierzu macht der engagierte Theatertrainer gerne auch Übungen, bei denen die Teilnehmer sich fallen lassen sollen. „Viele Flüchtlinge sind durch ihr Schicksal schwer traumatisiert. Bei uns sollen die Menschen lernen, das Leben gut zu leben,“ erklärt er.
Sein Theatertraining ist für die Teilnehmer mit Sicherheit auch eine gute Therapie.
Die Menschen wissen, wie wichtig dem engagierten Pädagogen das Thema Integration ist, sodass er zwischenzeitlich auch die Theatergruppe „Oluwa Comedy“ unterstützt. „Oluwa Comedy“ wurde von Flüchtlingen der Asylbewerberunterkunft in Waldkraiburg ins Leben gerufen. Eduard Speckmaier ist begeistert von dem Humor der Comedy Gruppe, die sich in ihren Sketchen gerne selbst auf die Schippe nimmt.
Lachen ist auch in seiner eigenen Arbeit sehr wichtig, denn das lässt Barrieren überwinden.
Training stärkt das Selbstbewusstsein
An den positiven Feedbacks der Teilnehmer sieht man, dass das Theatertraining nicht nur Spaß macht, sondern Menschen auch verbindet. Helene (37) und Vanessa Eichmann (11) aus Waldkraiburg. Helene: „Ich bin die Mutter von Vanessa. Ich stamme ursprünglich aus Russland. Als ich nach etwas Interessantem für meine Tochter suchte, stieß ich auf das Theatertraining von Herrn Speckmaier. Eigentlich sollte nur Vanessa zu dem Training gehen, aber irgendwie bin ich auch in die Gruppe reingerutscht (lacht). Für Vanessa war es auch besser, dass noch jemand dabei ist, den sie kennt. Herr Speckmaier macht das super. Man sieht, wie das Training das Selbstbewusstsein der jungen Leute stärkt“.
Vanessa: „Man muss erst einmal die Leute kennenlernen. Ich bin die Jüngste in der Gruppe. Wir machen viele Übungen. Ich hoffe, dass wir irgendwann ein Theaterstück spielen“.
Yaarbadshah (16) aus Afghanistan, lebt heute in Kolbing bei Kraiburg: „Ich kam 2015 nach Deutschland. Herr Speckmaier war mein Lehrer. Ich komme gerne hier her, weil das Theatertraining großen Spaß macht. Herr Speckmaier ist super. Ich bin noch im Fußballverein. Meist samstags. Wenn ich kein Fußballtraining habe, gehe ich zum Theatertraining“. Eduard Speckmaier hat noch einiges geplant. In seinem Beruf als Lehrer war es ihm immer wichtig, dass die ganze Klasse bei seinen Projekten mitmachte. Bei seiner jetzigen Aufgabe als Theatertrainer verfolgt er das gleiche Ziel.