Waldkraiburg – Auf Einladung von Zarin Katharina der Großen kamen im Jahr 1763 die ersten deutschen Bauern nach Russland. Sie ließen sich insbesondere an der Wolga nieder.
In der Zeit unter Stalin wurden sie als Minderheit verfolgt. Am 28. August 1941 ordnete dieser an, die Deutschstämmigen nach Sibirien und Kasachstan zu deportieren. Daran wird am heutigen Tag der Russlanddeutschen erinnert.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kehrten rund 2,1 Millionen Russlanddeutsche nach Deutschland zurück. In den frühen 1990er-Jahren über 200000 pro Jahr. Danach sank die Zahl. Seit über einem Jahrzehnt kommen zum Teil deutlich weniger als 10000 im Jahr. Viele Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion brachten auch nicht-deutsche Familienangehörige mit, die keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnisse hatten. In einigen größeren Städten sind in den 1990er-Jahren Milieus entstanden, in denen vorwiegend Russisch gesprochen wird. Gleichzeitig hat sich eine kaum beachtete, aber relativ große, wie selbstverständlich integrierte Mittelschicht von Deutschen aus Russland entwickelt.
600 oder 1500?
Es gibt keine amtliche Zahl, wie viele Russlanddeutsche in Waldkraiburg leben. 562 Waldkraiburger, die aus Russland, Kasachstan oder der Ukraine gekommen sind, haben einen Doppelpass, 93 nur die russische Staatsbürgerschaft. Diese Zahlen nennt auf Anfrage Siegfried Hanesch vom Einwohnermeldeamt. Dazu kommen noch einige wenige Zuwanderer aus anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.
Diese Zahlen geben aber keinen endgültigen Aufschluss über die Zahl der Russlanddeutschen in der Stadt. Denn viele von ihnen haben die russische Staatsbürgerschaft aufgegeben. Hanesch: „Diese Personen sind nicht erfasst.“
Viktor Nuss, der ehemalige Vorsitzende der russlanddeutschen Landsmannschaft in Waldkraiburg, geht jedenfalls von einer deutlich höheren Zahl aus, spricht von „mindestens 1500“ Bürgern in Waldkraiburg, die aus Nachfolgestaaten der Sowjetunion kamen, beziehungsweise aus russlanddeutschen Familien stammen. Nach seiner Einschätzung ist die deutliche Mehrheit von ihnen in der Stadt integriert. Diese Bürger wollen hier einfach nur als Deutsche in Deutschland und als Waldkraiburger in Waldkraiburg leben.hg