Porträt der Woche

Jung, kritisch, links

von Redaktion

Während andere in seinem Alter an der Spielkonsole sitzen, chillen oder auf Partys Spaß haben wollen, scheint sich für Dennis Uzon (16) alles nur um eins zu drehen: Politik.

Waldkraiburg – Beiträge zur Jugendpolitik hatte Dennis Uzon vor einigen Wochen in einer Mail an die Redaktion geschickt. Und es klang, als wollte er den „Laden“ ein bisschen aufmischen. Nicht nur den. Denn gleichzeitig kündigte der junge Waldkraiburger in dieser Nachricht an, bei der Kommunalwahl 2020 für den Stadtrat zu kandidieren. Es klang nicht nach einem der hinteren Listenplätze. Nicht nach einem Mitläufer, sondern einem, der die Sache selbst in die Hand nimmt. Muss er auch, denn seine Partei, die Linke, ist „in Bayern personell nicht besonders stark aufgestellt“, wie der 16-Jährige einräumt.

Bei der „linksjugend“ und Jugendfeuerwehr

Dennis Uzon, Vorstandsmitglied im Kreisverband Altötting-Mühldorf der „linksjugend“, will das künftig ändern. Auch im laufenden Wahlkampf hängt er sich für seine Überzeugungen rein. Auf die Frage, welche Themen ihm denn besonders wichtig sind, sprudelt es aus dem Jugendlichen, der auch in der Waldkraiburger Jugendfeuerwehr aktiv ist, regelrecht heraus: Bessere Bildung, bessere Infrastruktur, schnelleres Internet („Da ist Waldkraiburg hinten dran.“), mehr Wohnungsbau, eine wirksame Mietpreisbremse, soziale Gerechtigkeit. Dafür stehe „Die Linke“ wie keine andere Partei, findet er. Und sie unternehme was gegen den Rechtsruck. Das ist ihm besonders wichtig.

Schockiert hat den jungen Mann das Ergebnis der AfD bei den Bundestagswahlen. „Fast 20 Prozent in Waldkraiburg, sieben mehr als im Bundesdurchschnitt.“

Als linientreuer Parteisoldat sieht sich Dennis Uzon nicht. „Das ist kaum möglich, sich mit einer Partei hundertprozentig zu identifizieren“, meint er abgeklärt. Eins ärgert ihn jedenfalls gewaltig: Dass die Fraktionsvorsitzende (Wagenknecht) und die Parteivorsitzenden (Kipping) ihre Führungsstreitigkeiten so offen und öffentlich austragen.

Ärger mit der AfD

Der 16-Jährige ist bestens informiert, versorgt sich nicht nur aus dem Internet, sondern auch „aus konservativen und linken Zeitungen“. Neulich hat er das Polizeiaufgabengesetz für die „Jugendwelle-Hörarena“, eine Jugendradiosendung des Kreisjugendrings, kommentiert. „Kritisch natürlich, denn die Bürgerrechte werden dadurch indirekt eingeschränkt“, fand er, nachdem er Teile des Gesetzesentwurfs im Original gelesen hatte. Auch Beiträge über das Bienensterben und Interviews mit Vertretern von Jugendorganisationen der politischen Parteien hat er zu der Sendung schon beigesteuert.

Mit seinen Lieblingsfächern, Sozialkunde, Deutsch und Geschichte, setzt sich der junge Mann, der in Kürze in die Übergangsklasse am örtlichen Gymnasium wechselt, nicht nur theoretisch im Unterricht auseinander. Als dritter Schülersprecher an der Realschule hat Uzon im vergangenen Schuljahr federführend eine Podiumsdiskussion an der Schule auf die Beine gestellt. Zwei Monate hat er in die Vorbereitung gesteckt. „Weil ich selbst Mitglied einer Partei bin, wollte ich die Diskussion aus Gründen der Neutralität lieber nicht moderieren.“ Doch weil kein anderer dazu bereit war, hat er auch das gemacht und war hinterher heftigen Angriffen ausgesetzt. Der Grund: Sechs Parteien hatten zu-, die AfD abgesagt. Als am Abend der Veranstaltung der Vertreter der AfD unangemeldet doch vor der Tür stand, ließ Uzon ihn aus organisatorischen Gründen nicht mehr aufs Podium. „Das ganze Konzept wäre durcheinander gekommen.“ Den Ärger hat er schon vergessen. Die Schule und Rektor Hans Hautz standen hinter ihm. Das war wichtig für den Schüler, der noch viel vorhat, nicht zuletzt bei der der Kommunalwahl, wo er für den Stadtrat kandidieren möchte. Wie er das anstellen will mit einer Partei, deren Mitglieder sich in der Stadt an einer Hand abzählen lassen? „Ich werde auf einer eigenen Liste kandidieren oder in Zusammenarbeit mit einer anderen Partei oder Liste“, sagt er. „Wie, mit wem?“ Darauf Uzon schon fast im Stil eines Politikers: „Dazu will ich mich noch nicht äußern.“

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