Waldkraiburg – Seit 28 Jahren bemühen sich Konrad Schleißheimer und Uwe Ulbrich, Menschen, denen die Schulden über den Kopf zu wachsen drohen, aus der Schuldenfalle zu holen. Die Waldkraiburger Nachrichten sprachen mit Schuldnerberater Konrad Schleißheimer.
Herr Schleißheimer, was macht denn ein Schuldnerberater?
Wir bieten Menschen mit Schuldenproblemen Beratung und Unterstützung, bis hin zur Vorbereitung und Einleitung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens.
Wie sieht diese Beratung aus?
Die Menschen, die zu uns kommen, müssen erst einmal – quasi als Hausaufgabe – eine Liste ihrer Einnahmen und Ausgaben aufstellen. So kann ich sehen, ob dieses Verhältnis stimmt. Erst wenn das passt, können wir uns tatsächlich den Schulden zuwenden. Wenn die Einnahmen höher sind als die Ausgaben und sich trotzdem Schulden anhäufen, muss ich der Frage nachgehen, ob beispielsweise eine Sucht (Spielsucht, Drogensucht) dahintersteckt.
Wie schaut das konkret aus?
Wenn die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, gehen wir alle Kosten durch und schauen, wo und was der Schuldner möglicherweise einsparen kann.
Ist das immer einfach?
Nein, meistens sehen die Schuldner nicht, wo sie noch sparen können. Vielfach werden sie für die eigene Situation regelrecht blind.
Wer kommt denn in erster Linie zu ihnen?
Grundsätzlich kommen Frauen eher als Männer. Sie sind häufig die Ersten, die mit dem Geldmangel im Haushalt konfrontiert sind. Frauen kommen zu mir, weil sie nicht weiterwissen. Für Männer ist wie ein Eingeständnis des Versagens.
Welche Altersgruppe ist denn die stärkste?
Über die Hälfte unserer Klienten sind aus dem Bereich der 30- bis 50-Jährigen.
Haben Sie eine Erklärung, warum gerade diese Altersgruppe?
Junge Familien wollen heute oft eine traumhafte Hochzeitsfeier, anschließend eine großartige Hochzeitsreise und dann in ihre perfekt eingerichtete Wohnung zurückkehren. Dafür nehmen sie einen Kredit auf, ohne ihn wirklich bedienen zu können. Die drei Hauptursachen sind aber nach wie vor Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung sowie Niedrigeinkommen.
Wie schaut es denn mit den 18-Jährigen aus?
Da haben wir natürlich auch welche, die sich beispielsweise ein hochwertiges Handy einbilden und die laufenden Kosten das Handyvertrages aber nicht bedienen können. Aber 18-Jährige bekommen nicht so leicht einen Kredit, sodass sich diese Zahl in Grenzen hält.
Welche Menschen kommen zur Schuldnerberatung?
Das geht mittlerweile durch alle gesellschaftlichen Schichten. Ich hatte auch schon einen Bankdirektor hier sitzen.
Vor 30 Jahren waren es eher einkommenschwächere Schichten oder beispielsweise Aussiedler, die mit der Marktwirtschaft überfordert waren und regelrecht über den Tisch gezogen wurden.
Das war auch kurz nach der Wende feststellbar, als Menschen aus der ehemaligen DDR mit Verträgen für Autos, Versicherungen und Handys bombardiert wurden.
Derzeit ist ein starker Zuwachs bei der Gruppe der Nicht-EU-Bürger festzustellen. Er liegt bei rund 32 Prozent, dazu gehören auch Asylbewerber, denen von gewieften Verkäufern Dinge aufgeschwatzt werden, deren Folgekosten sie nicht abschätzen können.
Wie sieht es denn mit der Zahl der Schuldner aus? Ist die einigermaßen konstant?
Die Tendenz ist leider steigend. Trotz Vollbeschäftigung haben wir in Bayern einen Verschuldungszuwachs von rund 7,4 Prozent, im Landkreis liegt er bei etwa 6,4 Prozent. Um es zu verdeutlichen: Das ist die Zahl derer, die überschuldet sind.
Wo sehen sie denn die Ursachen?
Das ist natürlich vielschichtig. So bekommt man heute einfacher einen Ratenkredit oder einen Kleinkredit. Und manchen Menschen verlieren da dann den Überblick über ihre Einkommensverhältnisse. Zudem sind die Verlockungen einfach größer. Darüber hinaus hat sich die Einstellung zu Schulden deutlich gewandelt.
Wie gehen sie denn selbst mit Schulden um?
Ich komme aus einer Kaufmannsfamilie, bei uns war Geld immer ein Thema. Allerdings bin ich ein sparsamer Mensch und schaue genau auf meine Ausgaben. Das habe ich auch versucht, an meine Kinder weiterzugeben. Ich bin überzeugt, dass die Erziehung auch beim Umgang mit Geld eine ganz wichtige Rolle spielt.
Vielen Dank für das Gespräch.