Yak-Zucht in Franking

Die Buddhas unter den Tieren

von Redaktion

Im Sommer wie im Winter stehen sie auf der Weide. Weit entfernt von ihrer Heimat Asien fühlen sich die Tiere pudelwohl. Schließlich müssen sie bei 30 Grad auch nicht auf 4000 Metern die Hänge abgrasen, sondern nur auf gut 470 Metern – auf dem Hof der Familie Kohl in Franking bei Taufkirchen.

Taufkirchen – „Rudl“, der Yak-Bulle lässt sich sogar streicheln, er ist eine richtige Kuschelbacke. „Moringa“ könnte schwanger sein und „Gina“, das Kälbchen, möchte, dass ihre Mama aufsteht, damit sie Milch trinken kann. Ihre Namen sind genauso einzigartig wie sie selbst. Auf den Weiden der Familie Kohl in Franking stehen keine Kühe, sondern Yaks. In Deutschland gelten sie nach wie vor als Exoten, dabei wurden sie bereits 1756 erstmals urkundlich in Europa erwähnt.

Yaks eignen sich nicht zur Massentierhaltung und genau das macht sie so attraktiv für Familie Kohl. Vor 20 Jahren fiel ihre Entscheidung: Raus aus dem Hamsterrad des klassischen Milchbauern. Sie haben ihren Weg gefunden. Mit zwei Yaks aus dem Raum Frankfurt hat er begonnen. Heute hat Familie Kohl zwei blutfremde Zuchtgruppen und eine Gruppe mit Jungbullen, damit keine Inzucht entsteht.

Kunden aus ganz Europa

Ihre Kunden kommen aus ganz Europa und reichen vom Industriellen bis zum Naturliebhaber. Yaks haben einen großen Vorteil. Sie fressen die bei anderen Tieren ungeliebten Hänge ideal ab. Diese Eigenschaft wollte sich auch Familie Kohl zu Eigen machen. Mittlerweile nutzen sie die Yaks ganzheitlich. „Es werd‘ nichts weggeschmissen“, sagt Alfons Kohl. Neben der Nachzucht verkauft die Familie von ihrem Hof aus Fleisch- und Wurstprodukte.

Als Yak-Botschafter

in Kirgistan

Das Fleisch der Yaks ist mineralstoff- und eiweißreich, dafür aber cholesterinarm. Durch seine Reichhaltigkeit an Omega 3 Fettsäuren ist es zusätzlich sehr gesund. Auch die Haut wird weiterverarbeitet. Daraus werden Felle gegerbt, Trommeln bespannt und Schuhe hergestellt. Das Leder kann sehr dünn gehalten werden, verliert dabei aber nicht an Qualität. Nur die Wolle ist schwer zu gewinnen. Deswegen aber keinesfalls weniger wertvoll. Durch die Haarstruktur ist die Wolle sehr wärmeregulierend und schützt gegen Regen. Sie wird zu Filzhüten weiterverarbeitet.

Die Kohls sind mittlerweile Profis, wenn es um Yaks geht. Davon kann sogar die kirgisische Regierung noch etwas lernen. Kirgistan ist eigentlich Heimatland der Yaks, die aus Zentralasien stammen. Trotzdem werden die Tiere dort hauptsächlich zum Abfressen der Weiden genutzt. Zusammen mit NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, durfte Familie Kohl nach Kirgistan reisen, um Weidebeauftragte der Regierung bezüglich einer nachhaltigen Yakhaltung zu beraten. Im Oktober folgt der Gegenbesuch in Franking zu einer Nachbesprechung.

Eine Reise war es auch, die Alfons Kohl mit dem „Yak-Virus“ infizierte. Beim Bergsteigen in Nepal sind ihm die Tiere erstmals über den Weg gelaufen. Man warnte ihn noch, vorsichtig zu sein, wenn Yaks entgegenkommen.

„Yaks machen mich ruhig“

Kohl merkte jedoch sofort, dass die asiatischen Rinder ruhige Zeitgenossen sind, gewissermaßen die Buddhas unter den Tieren. Vorausgesetzt, man ist selbst ruhig, denn sie spiegeln das eigene Körperbefinden wieder. Anneliese Kohl erklärt, man müsse nur zu den Tieren auf die Weide gehen, um zu wissen, wie man selbst drauf sei. Sie nehmen aber auch den Stress, strahlen Ruhe aus. Wie ihr Mann findet sie: „Yaks machen mich ruhig.“

Die Tiere haben einen eigenen offenen Charakter. Auf dem Hof der Kohls haben sie viel Bewegung. Sie sind ganzjährig draußen. Im Winter gehen sie nur zum Fressen in den Stall. Die robusten Tiere stört es nicht einmal, mit einer Schneeschicht bedeckt zu werden. Oft haben die Landwirte ihre Yaks bei ihren morgendlichen Rundgängen eingeschneit vorgefunden.

Zweimal am Tag schauen sie nach den Tieren. Der Kontakt zwischen Mensch und Tier ist wichtig. Alfons Kohl ist sich sicher: „Es bräuchte nicht mal einen Zaun.“ Yaks sind schlau. Familie Kohl ist überzeugt, dass die viele Bewegung ihren Geist nicht stumpf werden lässt.

Sie können sich Bio-Bauern nennen. Ihr Betrieb entspricht sogar den besonders strengen Demeter- und Tagwerk-Richtlinien. Die Kohls haben sich auch noch eigene Zuchtkriterien auferlegt, die sie in ihrem Ende 2017 gründeten Yak-Verein erarbeitet haben. Ihr Ziel ist es, sich zusammenzuschließen und Erfahrungen auszutauschen. Fünf Züchter sind bereits als aktive Mitglieder beigetreten.

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