Waldkraiburg – Das Abstandsgutachten hat der TÜV Nord für die Firmen Nigu Chemie und Addivant erstellt, die als Störfallbetriebe eingestuft sind (wir berichteten ausführlich). Dieses Gutachten legt einen Korridor im Bereich zwischen Teplitzer Straße und Kraiburger Straße fest. Im Norden sind Randbereiche der Feuerwehr und das angrenzende Gewerbegebiet, im Osten die benachbarte Industrie, im Westen Betriebe an der Beuthener Straße und im Süden ein Bereich der Ratiborer Straße, die Bahnlinie, der alte Bahnhof samt dem westlichen Bahnsteig, die Freiflächen im Schulzentrum (keine Unterrichtsgebäude!) und die Grünanlagen südlich der Kraiburger Straße bis zur Abzweigung Bahnhofsstraße.
In diesem Gebiet sind schutzbedürftige Nutzungen (zum Beispiel Kinderbetreuungs- oder Senioreneinrichtungen) auszuschließen. Kleinere Maßnahmen wie Dachgeschossausbau, begrenzte Büro- oder Gewerbenutzungen können im Einzelfall und nach Abwägung zugelassen werden. Bei gutachterlichem Nachweis der Verträglichkeit sind gewisse Erweiterungen in diesem Korridor möglich. Als ein Beispiel nennt Carsten Schwunck, Leiter der Bauabteilung im Rathaus, die Stadt Trostberg, die erreicht habe, dass eine Realschule in einem solchen Korridor erweitert werden konnte.
Schwunck ließ allerdings im Ferienausschuss des Stadtrates keinen Zweifel daran, dass das Entwicklungskonzept, das die Stadtbau GmbH für das Grundstück vom alten Bahnhof in Richtung neuer Bahnhaltepunkt erarbeitet hatte, in dieser Form in keinem Fall umgesetzt werden kann. Die Heilpädagogische Tagesstätte (siehe nebenstehende Meldung) ist ebenso definitiv ausgeschlossen wie eine ursprünglich geplante Nutzung durch die Caritas für ein weiteres Gebäude.
„Wir hoffen, dass wir das Gebäude des alten Bahnhofs aus dem Korridor rauskriegen, aber nicht mehr.“
Carsten Schwunck, Leiter der Bauabteilung
Schwunck: „Wir hoffen, dass wir das Gebäude des alten Bahnhofs aus dem Korridor rauskriegen, aber nicht mehr.“ Es sei möglich, die eine oder andere Linie durch organisatorische und technische Maßnahmen noch zurückzudrängen, meinte er. Während bei der Nigu Chemie Kompensationsmaßnahmen durch betriebsinterne Verbesserungen bereits ausgeschöpft scheinen, ist das bei Addivant noch nicht endgültig geklärt. Offen ist demnach, ob eine Konkretisierung des Gutachtens, dahingehend, dass die Abstände nach einzelnen Gebäudeteilen getrennt betrachtet werden, eine Verringerung der Abstände ermöglicht.
CSU-Fraktionssprecher Anton Sterr sprach an, dass das Gutachten noch im Entwurfsstadium sei. Dazu der Bauabteilungsleiter: „Die Aussagen des Gutachtens haben Bestand.“ Es gehe allenfalls um Konkretisierungen. Wie Sterr so beklagte Zweiter Bürgermeister Richard Fischer, dass die Stadt nicht schon früher auf Auswirkungen der Seveso III-Richtlinie hingewiesen wurde. „Wir hätten uns einige Diskussionen ersparen können“, so Fischer im Blick auf die Kontroversen um das Entwicklungskonzept der Stadtbau, das nun Makulatur ist.