Waldkraiburg – Jeden Mittwoch und Samstag sind sie die Ersten vor Ort, überwachen den Aufbau, weisen die Plätze zu. Christa und Wilhelm Wellisch sind die Akteure im Hintergrund des Waldkraiburger Wochenmarktes. Sie sind die Ansprechpartner vor Ort, seit die Deutsche Marktgilde den Markt vor zehn Jahren unter ihre Fittiche genommen hat.
Seitdem Eva-Maria Kamrad von der Deutschen Marktgilde in Geretsried als regionale Ansprechpartnerin verantwortlich ist, laufe es sehr geordnet ab, so Christa Wellisch. Früher wurden die Standgebühren jeden Tag bar bezahlt. Mittlerweile gibt es monatliche Festpreise, die abgebucht werden. Auch der Charakter des Marktes hat sich verändert, denn auch der größte Wochenmarkt in der Umgebung muss den allgegenwärtigen Besucherrückgang auf den Märkten, kompensieren. Eva-Maria Kamrad beschreibt den klassischen Kunden als schon „etwas älter“.
Alois Buchner von der gleichnamigen Gärtnerei bestätigt rückläufige Besucherzahlen: „Es hat sich gewaltig verändert. Früher standen die Leute Schulter an Schulter.“ Er betreibt seinen Stand schon rund 30 Jahre. Die Leute kennen ihn und wer ihn noch nicht kennt, der lerne ihn kennen, sagt er selbst. Buchner ist immer da. Ob Samstag oder Mittwoch ist ihm egal. Sein Eindruck: Am Samstag sei der Spaßfaktor bei den Kunden höher, am Mittwoch stehe der Einkauf selbst im Vordergrund. Die Kunden kaufen dann gezielter ein.
Aus Sicht von Kamrad besteht die Attraktivität des Markts in Waldkraiburg im vielfältigen Mittwochsangebot. Zusätzlich zu den Lebensmitteln werden Textil-, Leder- und Haushaltswaren angeboten. Das ist im Umkreis zwar besonders, kommt aber nicht bei allen Kunden gut an (siehe Umfrage). Kamrad betont, man versuche, ausgewogen zu sein, verweist bei der Einteilung der Stände allerdings auf die Stadt. Der Textilmarkt am Mittwoch besteht schon seit über 30 Jahren. Die Stadt sieht laut Norbert Meindl, der im Rathaus für den Wochenmarkt zuständig ist, keine Notwendigkeit, etwas daran zu ändern. Die Nachfrage sei da.
Margit Schwabl von der Hofbäckerei Breiteneicher arbeitet gerne auf dem Markt. „Die Leute sind freundlich, der Markt ist schön groß, man ist an der frischen Luft.“ Das sind die Vorzüge, die den Einkauf auf dem Sartrouville-Platz zu einem Erlebnis machen, einem sozialen Treffpunkt.
Musik könnte helfen, diesen Erlebnischarakter zu erhöhen. Künstler sind bei den alteingesessenen Standleuten allerdings nicht gerne gesehen, weiß Kamrad. Sie sind zu laut, man versteht die Kunden nicht mehr.
Straßenkünstler Gisle Viken Sunde, ein Norweger, ist trotzdem da. Er sei ein „Nomade“, sagt er selbst von sich. In einem Wohnwagen reist er durch Europa. Auf Märkten verdient sich der gelernte Krankenpfleger mit seiner Musik das Reisegeld.
Er mag die kleineren Märkte, abseits der ganz großen Städte. Und er kann davon leben. In Waldkraiburg hat er in eineinhalb Stunden 60 Euro verdient. Sunde ist zufrieden. Bevor er für den Winter nach Italien aufbricht, will er noch auf weiteren Märkten in der Umgebung spielen. Die Märkte hat er über das Internet gefunden.
Das Internet spielt auch eine große Rolle bei der Gewinnung junger Marktbesucher. Eva-Maria Kamrad sieht das als Hauptaufgabe für die Zukunft. Für Jugendliche gibt es bisher gezielt Werbung bei Facebook. Sonstige Pläne gibt es aber noch nicht. Generell versucht die Marktgilde aber, junge Familien anzusprechen, die Kleinsten schon auf den Markt zu bringen. Bereits im Kindergarten kommen sie mit dem Thema gesunde Ernährung in Berührung. Gruppen werden zu Führungen über den Markt eingeladen. Die Standleute verschenken dann Essensproben und die Kinder dürfen Bilder zum Ausmalen mitnehmen.
Auch das zehnjährige Jubiläum der Gilde wurde heuer groß gefeiert mit verschiedenen Aktionen, zum Beispiel einer Versteigerung. Der kurzfristige Erfolg der Aktionen sei laut Kamrad schwer messbar, doch das Ziel ist es, dadurch nachhaltig neue Kunden zu gewinnen.