Waldkraiburg und die Welt – Nach der Zerschlagung des Prager Frühlings, der Reformbewegung in der Tschechoslowakei, flüchten mehrere tausend Menschen nach Österreich und in die Bundesrepublik. Die Industriegemeinschaft Waldkraiburg will diesen Menschen Arbeitsstellen anbieten. Das berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren.
Vor allem in Wien sind viele Flüchtlinge gestrandet. Deshalb schreibt die Industriegemeinschaft an die dortigen Flüchtlingsbetreuungsstelle und erklärt sich bereit, Techniker, gelernte wie ungelernte Arbeiter sowie auch Frauen in den Waldkraiburger Betrieben zu beschäftigen.
Bis 1970 soll der zwölf Hektar große Stadtpark fertig sein. Die Stadt will bis zu 300000 Mark in das Projekt stecken. Erschlossen wird der Park durch vier Kilometer lange Spazierwege.
„Die herrlichen Zeiten für die kleinen und auch großen Ganoven sind vorbei.“
Die am 1. September eingerichtete, Tag und Nacht besetzte eigene Polizeistation in Waldkraiburg zeigt bereits Wirkung. „Die herrlichen Zeiten für die kleinen und auch großen Ganoven sind vorbei“, schreibt die Zeitung und berichtet vom Fall eines griechischen Gastarbeiters, der sein Moped an einem Abend gegen 20.45 Uhr als gestohlen meldet. Früher war die Polizeidienststelle zu dieser Zeit nicht besetzt, neuerdings gibt der Stationsleiter Alarm. Und tatsächlich kommt noch während der Aufnahme des Anzeige-Protokolls eine Streife samt Moped und Dieb in die Station.
Die Realschule startet mit 17 Klassen, zwei mehr als im Vorjahr, in das neue Schuljahr.
341 Erstklässler in den drei Volksschulen
In den drei Volksschulen der Stadt werden nicht weniger als 341 Erstklässler aufgenommen.
Waldkraiburg ist Sitz des neuen Bundesverbandes des Patenschaftshilfswerks für Indien. In einer ersten Hilfslieferung werden am Bahnhof Antibiotika und Vitaminpräparate auf den Weg gebracht.
Konen-Anzüge aus Waldkraiburg in ganz Europa gefragt
In ganz Europa sind Konen-Anzüge aus Waldkraiburg gefragt. 2000 Hosen, 800 Westen und 200 Sakkos werden jeden Tag gefertigt.
3000 Teilnehmer erwarten die bayerische SPD und die österreichische SPÖ bei ihrem traditionellen Freundschaftstreffen, das im Jahr 1968 in Waldkraiburg stattfindet.
Im benachbarten Kraiburg wird das Heimatmuseum wegen Baufälligkeit abgerissen. Das Museum befand sich schon seit den 1930er-Jahren in einem der ältesten Gebäude des Marktes aus dem Jahr 1621.
Zum ersten Mal im Rahmen eines Katholikentages feiern beide Konfessionen einen gemeinsamen Gebetsgottesdienst. Für kontroverse Diskussionen auf dem großen Katholikentreffen in Essen sorgte die Enzyklika von Papst Paul VI., „Humanae Vitae“, die den Katholiken die künstliche Empfängnisverhütung verbietet.hg