Jubiläum an der Sternwarte Oberreith

„Himmegugga“ mit ganz großem Rohr

von Redaktion

Vor genau zehn Jahren kam das große Teleskop der Sternwarte im Wildpark Oberreith an seinen Bestimmungsort. Seither konnten hunderte von Besuchern aller Altersklassen durch das Teleskop Blicke auf Nebel, Galaxien und Sternhaufen werfen. Aus Anlass dieses Jubiläums hat der Verein Astronomie im Chiemgau, der die Sternwarte betreibt, den Astrophysiker Josef M. Gaßner für Freitag, 7. September, zu einem spannenden Vortrag in die Gaststätte des Wildparks eingeladen.

Unterreit – Der Eröffnung der Sternwarte vorangegangen war eine langjährige Suche des Astronomievereins, der in diesem Jahr auch sein 20-jähriges Gründungsjubiläum feiert. Hatten sich ursprünglich nur eine handvoll Astronomiebegeisterter um den Himmelsfotografen Eckhard Slawik entschlossen, aus Anlass der totalen Sonnenfinsternis 1999 einen Verein zu gründen, nahm die Mitgliederzahl in den ersten Jahren bereits deutlich zu. Derzeit hat der Verein etwa 60 Mitglieder aus mehreren Landkreisen.

Von Anfang an hatte man die Errichtung und den Betrieb einer Volkssternwarte als Vereinszweck in die Vereinssatzung mit aufgenommen und sich alsbald auf die Suche nach geeigneten Standorten gemacht. Dabei stand der Wunsch im Vordergrund, der zunehmenden Lichtverschmutzung in Siedlungsgebieten zu entfliehen und die Sternwarte möglichst weit fernab störender Lichtquellen zu errichten. Favorisiert wurde dabei die Ratzinger Höhe, doch konnte hier das Vorhaben mangels Baurechts und ausreichender Erschließung nicht realisiert werden.

Das Blatt wendete sich mit der Errichtung des Wildparks in Oberreith, dessen Betreiber die Errichtung einer Sternwarte im Wildpark als zusätzlicher Attraktion aufgeschlossen gegenüberstanden. Wegbereiter war Sebastian Seidl, der im Nachbarort selbst eine private Sternwarte betreibt und als überzeugter Solarstromerzeuger und -nutzer die Idee einer drehbaren Halle mit einem Dach aus Solarpaneelen als Sternwartengebäude einbrachte, die schließlich auch die Skeptiker überzeugte.

Nachdem die ursprünglich erhoffte Förderung als Leader-Projekt nicht zustande kam und das Projekt gescheitert schien, war es wiederum „der Wast“, wie er allseits genannt wird, der mit einigen Gleichgesinnten eine Gesellschaft gründete, die mit einem größeren als ursprünglich geplanten Gebäude die Finanzierung des Sternwartengebäudes übernahm. Da die Sternwarte in den Bebauungsplan zur Erweiterung des Wildparks mit aufgenommen wurde, konnte das Baurecht hierfür geschaffen werden.

Aufgabe des Astronomievereins blieb es, die Sternwarte mit einem leistungsfähigen Teleskop auszustatten. Unter anderem hatte man sich auch für das alte Teleskop des Wendelstein-Observatoriums interessiert, die Bewerbung hierfür jedoch wegen des erheblichen Sanierungsbedarfs dieses Gerätes unterlassen.

Gut traf es sich, dass der im österreichischen Schärding ansässige Amateurforscher Richard Gierlinger sein 60-Zentimeter Teleskop, mit dem er bereits mehr als 60 Kleinplaneten entdeckt hatte, gegen ein größeres Gerät ersetzen wollte und das vorhandene Gerät Astronomie im Chiemgau zum Kauf anbot. Der damalige Vorsitzende Oskar Pircher erinnert sich noch lebhaft an die denkwürdige Mitgliederversammlung, bei der es zur Kaufentscheidung für das Teleskop kam. Zunächst sah es so aus, dass das vorhandene Vereinsvermögen und die Spendenmittel nicht für den Kauf des Teleskops ausreichen würden. Dann setzte Felicitas Hullmann, eines der wenigen weiblichen Vereinsmitglieder, einen Zettel im Umlauf mit der Aufforderung, jeder Anwesende möge einen Spendenbetrag darauf setzen, wobei sie mit einem ansehnlichen Betrag die Messlatte selbst setzte.

Die danach noch fehlenden 6000 Euro konnten mit privaten Mitgliederdarlehen aufgebracht werden, die zwischenzeitlich wieder getilgt sind. Mittlerweile ist man im Verein sehr froh, dass alles ohne öffentliche Fördergelder finanziert werden konnte, da man dadurch frei von Auflagen ist, so Thomas Hilger, der derzeit den Vorsitz im Verein führt. Auch die größeren Maße des Gebäudes haben sich in der Praxis als vorteilhaft erwiesen.

Seit der Ankunft des Teleskops am 6. September 2008 haben Mitglieder des Vereins ehrenamtlich zahlreiche Beobachtungsabende gestaltet, neben den öffentlichen Beobachtungen auch Sonderführungen für Schulklassen, Ferienprogramme, Geburtstagsrunden und andere geschlossene Gruppen. Dem Einsatz dieser freiwilligen Helfer ist es zu verdanken, dass die Sternwarte in der Region heute gut bekannt ist und gerne besucht wird. Tagsüber laufen zu den Öffnungszeiten des Wildparks interessante kindgerechte Filme rund um Sterne, Weltraum und Raumfahrt. Mit der Errichtung der Sternwarte wurde auch der Sitz des Vereins von Breitbrunn in die Gemeinde Unterreit verlegt.

„Was hat das Univer- sum mit mir zu tun?“

Um dem zehnten Jubiläum der Eröffnung der Sternwarte, als auch dem zwanzigjähringen Bestehen des Vereins einen würdigen Rahmen zu geben, hat der Verein Astronomie im Chiemgau den Astrophysiker Josef M. Gaßner zu einem Vortrag mit dem Titel „Was hat das Universum mit mir zu tun“ in die Gaststätte des Wildparks eingeladen. Gaßner ist bekannt aus Funk und Fernsehen und hat zusammen mit Harald Lesch das Buch „Urknall, Weltall und das Leben“ herausgegeben. Beginn ist am kommenden Freitag um 18.45 Uhr. Wegen der begrenzten Platzzahl wird um Voranmeldung gebeten unter vorstand@astronomie-im-chiemgau.de. Bei gutem Wetter ist im Anschluss an den Vortrag ein Beobachtungsabend an der Sternwarte geplant. re/op

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