Waldkraiburg – Die Trauerfeier vor wenigen Tagen hat die große Wertschätzung, die viele Waldkraiburger für Hansjörg Malonek empfinden, noch einmal sehr deutlich gemacht. Er stand aufgrund seiner Vernetzung in der Musik- und Künstlerszene und seiner Kompetenz für viele als Garant für ein qualitativ hervorragendes Programm.
Bürgerin kritisiert Stadt: Mangelnde Wertschätzung für Kultur und Mitarbeiter
So sieht das zum Beispiel Christine Flügel. Seit den 1970er-Jahren nimmt die ehemalige Lehrerin regen Anteil am städtischen Kulturleben. In einem Brief an Bürgermeister Robert Pötzsch, der auch unserer Zeitung vorliegt, hebt sie die wichtige Rolle hervor, die der Leiter des Veranstaltungsbereichs aus ihrer Sicht spielte. Umso größer ist ihr Unverständnis, dass sich die Stadt nach 22 Jahren von ihrem Mitarbeiter trennen wollte, getrennt hat. Zum 31. August sollte das Arbeitsverhältnis beendet sein (wir berichteten). Zwei Wochen zuvor ist Malonek, der seit Ostern im Krankenstand war, verstorben.
In dem Schreiben, das Eva-Maria Frank mitunterzeichnet hat und das laut Flügel in Absprache mit weiteren Kulturinteressierten entstanden ist, wirft sie den Verantwortlichen in der Stadt mangelnde Wertschätzung für den Mitarbeiter vor, den sie als „Herzstück“ des Hauses der Kultur bezeichnet. Und sie äußert Zweifel daran, ob den Stadtpolitikern wirklich klar sei, welche Bedeutung die Kultur und das Haus der Kultur mit seinem Angebot als echte Attraktion für Waldkraiburg hat.
Ihr Eindruck: Hansjörg Malonek „sollte im Zuge des omnipräsenten Spargedankens aus dem Amt gedrängt werden“. Und Flügel fragt: „Warum fanden sich im Stadtrat, im Kulturamt, im Personalrat nicht genügend Personen, die die Trennung verhinderten?“
Auch er sei vom plötzlichen Tod des Mitarbeiters tief getroffen, sagt Bürgermeister Robert Pötzsch. Zur Kritik Flügels meint er: Das sei eine „sehr einseitige Sichtweise der letzten Monate“, nimmt aber nicht ausführlicher dazu Stellung. Zu personellen Entscheidungen könne und dürfe er keine Auskunft geben, so Pötzsch.
Wird alles dem Sparzwang untergeordnet?
Zur Ausrichtung des Kulturprogramms kann der Bürgermeister Stellung nehmen. Und auch dazu gibt es kritische Anmerkungen und Befürchtungen. Christian Kreppel, Bundesvorsitzender der Inthega (Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen), mahnte die Verantwortlichen der Stadt in einer Ansprache bei der Trauerfeier, es sei der falsche Weg die Kultur bis zur Beliebigkeit einzusparen. Kunst und Kultur sei eine wesentliche Lebensgrundlage für die Menschen und trage zur Sinngebung und Lebensbereicherung des Einzelnen bei.
Das spricht jenen aus dem Herzen, die im Haus der Kultur immer mehr als einen Veranstaltungsstandort gesehen haben, der bespielt werden muss. Sie fürchten, dass das Programm künftig beliebig austauschbar werden könnte, allein oder doch vor allem unter finanziellen Gesichtspunkten zusammengestellt wird.
Sie werten auch die Stellenausschreibung der Stadt für einen Nachfolger Maloneks vor diesem Hintergrund. Da wird etwa die „marktgerechte Beobachtung der Kulturszene“ als Aufgabe für den Veranstaltungskaufmann oder Kulturmanager formuliert und ein anderes Profil für den Organisator und Entwickler des Veranstaltungsprogramms als bisher.
Das aktuelle Aboprogramm, „angeblich attraktiv und vielseitig“, zeige schon die neue Richtung an, findet Christine Flügel. Sie macht eine „Dominanz der leichten Komödien und Operetten“ aus. Komödien seien ja „in Ordnung“, sagt sie. Das Waldkraiburger Programm habe sich aber immer durch seine Ausgewogenheit ausgezeichnet, dadurch dass es daneben mehrere anspruchsvolle Theaterstücke mit Tiefgang gab. Im Programm sei heuer zudem nur noch eine Oper. Schon im vergangenen Jahr war die Zahl der Abo-Veranstaltungen von 14 auf zwölf reduziert worden.
Ihm sei die Wertigkeit der Kultur in Waldkraiburg sehr wohl bewusst, sagt dagegen der Bürgermeister. Man habe sehr hohe Standards aufgebaut, so Pötzsch. Auch die Kultur müsse sich so wie alle anderen Bereiche aber fragen lassen: „Kann ich mir das leisten?“
Pötzsch: Budget für Veranstaltungsbereich wurden in dieser Saison nicht gekürzt
Sein Ziel als Bürgermeister sei es, „nicht mit der Brechstange vorzugehen“, sondern so viel wie möglich zu erhalten, aber gleichzeitig offen zu sein für Veränderungen. Er verteidigt die Programmauswahl. „Wir haben auch diesmal ein tolles Kulturprogramm“, sagt er im Blick auf das neue Abo. „Wir sollten das nicht schlechtreden.“
Im Blick auf die größere Zahl an Operetten und Komödien verweist er auf Erfahrungen der Vergangenheit: „Wir hoffen, damit den Publikumsgeschmack zu treffen.“ (Siehe auch blauen Infokasten zu den aktuellen Abozahlen.)
Es sei doch wohl legitim zu fragen, welche Veranstaltungen angenommen werden und welche nicht, so der Bürgermeister. Er betont, dass das Saisonbudget im Veranstaltungsbereich nicht gekürzt worden sei. Bislang gebe es nur kleinere Veränderungen, beim Puppen- und Kindertheater etwa und beim Studiokino, das nicht mehr wöchentlich, sondern im 14-Tage-Rhythmus von der Stadt angeboten wird. Das Figurentheaterfestival Anfang Januar fällt 2019 aus und findet künftig nur noch alle zwei Jahre statt. Laut Pötzsch ist nicht geplant, das städtische Theaterabo in der bekannten Form aufzugeben, „wenn es entsprechend angenommen wird“.