Waldkraiburger Wochenschau

Etwas ganz Besonderes

von Redaktion

Neulich ist mir die Vorschau auf die Saison 1998/99 in die Hände gefallen: Meisterkonzerte, anspruchsvolle Theaterabende, ambitionierte Kunstausstellungen, weitere Hochkaräter. Jahrtausendwende – das war die Zeit, als diese Stadt fast wie ein Solitär aus der regionalen Kulturlandschaft ragte. Im Haus der Kultur saß keine kommunale Veranstaltungsagentur GmbH, sondern eine städtische Kulturabteilung. Das hat einen Unterschied gemacht. Waldkraiburg hatte keinen Veranstaltungskalender, Waldkraiburg hatte ein Kulturprogramm. Mit Anspruch, manchmal von herausragender Qualität. Nicht immer mit der verdienten Besucherresonanz.

Seitdem hat sich vieles geändert. Nicht alles ist schlechter geworden, oh nein, der Große Saal hat im Theaterbereich neue Möglichkeiten eröffnet, einige interessante Formate wurden über die Jahre entwickelt. Aber: In anderen Städten, selbst in kleinen Dörfern ist der Kulturstadt Konkurrenz im Veranstaltungsbereich erwachsen. Und bei Vereinsfesten ersetzt der Kabarettabend mittlerweile wie selbstverständlich den Heimatabend im Bierzelt. Parallel zu dieser Entwicklung ist in Waldkraiburg, und nicht nur hier, der einst so großzügige Kulturetat geschrumpft, langsam, aber stetig eingekürzt. Notgedrungen. Mit Folgen…

Kurzweilig war und ist ein Abend im Haus der Kultur immer noch, meist unterhaltsam, manchmal anregend. Doch Sparzwang schlug und schlägt sich nieder. Das spüren viele, denen die Kultur wichtig ist, ein Lebensmittel. Sie wurden seltener, jene Momente, da man den Saal verließ und wusste, man hatte einen großartigen Abend miterlebt. Etwas ganz Besonderes, über das man nächste Woche noch reden würde. Zum Glück gibt es auch das bisweilen noch: Das Tanzland-Requiem im Juli war ein Beispiel dafür.

Das ist die eine Seite. Die andere bestimmen harte Zahlen, und mit ihnen müssen sich Stadtverwalter und Kommunalpolitiker auseinandersetzen. Sie verweisen – ebenfalls mit gutem Recht – darauf, dass die Stadt noch immer eine Menge Geld aufwende. Und bietet sie nicht weiter viel Kultur, Veranstaltungen für jeden Geschmack? Fragen sie. Und reden doch von etwas anderem. Jene, die vergangenen Tagen nachtrauern, hören da Beliebigkeit, als gehe es darum, Säle zu bespielen. Einerlei, womit. Wenn nur die Zahlen stimmen.

Das ist das Spannungsfeld, in dem die Stadt und ihr Mitarbeiter Hansjörg Malonek, langjähriger Leiter des Veranstaltungsbereichs im Haus der Kultur, nicht mehr zusammenfanden. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich schon seit geraumer Zeit Diskussionen um die Ausrichtung des städtischen Kulturprogramms abspielen, und heute erst recht aufflammen. Und es ist die Konfliktzone, in der Kaufleute und Kulturleute irgendwie zusammenfinden müssen.

Viele Kommunen in der Größe Waldkraiburgs, mit ähnlichen Haushaltsproblemen führen diesen Diskurs erst gar nicht mehr. Es spricht für Waldkraiburg, dass überhaupt in dieser Form darüber geredet wird. Es spricht vor allem für den Stellenwert der Kultur, über die sich viele Bürger mit dieser Stadt identifizieren.

Das ist nicht mit dem Rechenstift zu erfassen. So selbstverständlich es ist, dass sich die Kultur an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt messen muss. So sicher ist es auch, dass Kulturpolitik nach Haushaltslage, die sich zuerst, allein an Zahlen orientiert, den Solitär, der Waldkraiburg einmal war, endgültig schleifen würde.

Freilich auch das Publikum, vor allem jene, die besonders hohe Erwartungen an die Kulturstadt formulieren, können nicht in einer Konsumentenhaltung verharren. Sie müssen ihren Beitrag leisten. Dadurch dass sie die Qualität honorieren, die Veranstaltungen besuchen, bereit sind, für die ein oder andere auch tiefer in die Tasche zu greifen.

Hans Grundner

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