Aschau – Im Gemeinderat überreichte Erna Meindl im Rahmen der Bürgerfragestunde einen Brief an Bürgermeister Alois Salzeder, den sie zuvor verlesen hatte. „Schon wieder die Erna Meindl – dieses Mal aber schriftlich!“, begann sie ihre Zeilen. Sie sehe des Vorhaben, ein interkommunales Freibad mit Waldkraiburg zu bauen, sehr kritisch.
Weil: Die Gemeinde Aschau bindet sich finanziell nicht nur bei der Investition, sondern auch bei der Deckung des jährlichen Defizits in unbekannter Höhe. Die Steuergelder der Gemeinde sollten zuerst einmal in der eigenen Gemeinde eingesetzt werden.
„Waldkraiburg hat ein schönes Freibad, das für alle Aschauer leicht erreichbar ist.“Erna Meindl
Meindl denke zum Beispiel an Rathaus, Straßen, Gehwege, die Sanierung des Pichlmeier-Anwesens für ein Lokal. Außerdem sei der Flächenbedarf für ein Freibad an der Gemeindegrenze zu Waldkraiburg enorm, viele Hektar Wald müssen gerodet werden, so ihre Einschätzung. Sie wies auf den Klimawandel und Flächenfraß hin. „Waldkraiburg hat ein schönes Freibad, das für alle Aschauer leicht erreichbar ist“. Das neue Freibad wäre für die meisten Waldkraiburger nur mit dem Auto erreichbar. „Kann man als Aschauer Bürgermeister diesen zusätzlichen CO2-Ausstoß einfach ignorieren? In das alte Bad können viele Badegäste zu Fuß gehen“, so Erna Meindl, die der Meinung ist, dass es leichter sei, mit einem Gemeinderatsbeschluss dieses Vorhaben zu stoppen als über ein Bürgerbegehren mit Bürgerentscheid.
Mit dem Brief übergab sie auch 200 Unterschriften, die sie gesammelt habe und die sich ebenfalls gegen den Freibadneubau mit Waldkraiburg richten. Nun soll es ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid geben – wenn es nach den Gegnern des interkommunalen Bades geht. Sie haben die Unterschriftenlisten vorbereitet und ausgelegt. Als Ansprechpartner treten Martin Höpfinger, Thomas Winterer und etwa Gabi Reiter auf. Den Initiatoren geht es um die Fragezeichen bei der Finanzierung des gemeinsamen Großprojektes, denn zentrale Punkte seien unklar, nur grobe Kostenschätzungen lägen vor. In diversen Sitzungen war von 10,5 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede (Anm. d. Red.) Der geplante Standort an der Gemeindegrenze sei für beide Gemeinden zu dezentral und sie verweisen auf die Bürgerbefragung 2016, in der sich viele Aschauer für ein eigenes Naturbad ausgesprochen haben, das in alleiniger Verantwortung der Gemeinde erstellt und betrieben wird. Eine erneute Bürgerbefragung sei in der letzten Gemeinderatssitzung im August abgelehnt worden.
„Viele falsche Infos geistern herum. Bevor die Leute ihre Unterschriften für einen Bürgerentscheid hergeben, sollten sie sich die Fakten bei dieser Versammlung anhören.“Alois Salzeder
Gemeinsam mit den Freibadneubau-Gegnern will Erna Meindl Unterschriften sammeln, wie sie auf Nachfrage der Zeitung erklärt. „Ich freue mich, dass das nun von den Jungen ausgeht, sonst wird oft nur geschimpft und keiner tut was.“
Bürgermeister Alois Salzeder bekräftigte auf Nachfrage der Zeitung seine Aussage, die er bereits in der August-Sitzung zu dieser Sache getätigt hatte. „Der Gemeinderat ist gewählt, um Entscheidungen zu treffen und hat alle Fakten am Tisch, wenn er entscheidet“, so Salzeder. Er kündigt an, dass es zeitnah eine gemeinsame Info-Veranstaltung mit Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch geben wird. „Viele falsche Infos geistern herum. Bevor die Leute ihre Unterschrift für einen Bürgerentscheid hergeben, sollten sie sich die Fakten bei dieser Versammlung anhören – und danach entscheiden.“
Er halte an der interkommunalen Vision und der gemeinsamen Entwicklung mit Waldkraiburg fest. „Wir bauen etwas für die Zukunft, für die nächsten 50 Jahre, wo alle Bürger der Umlandgemeinden ihre Freizeit mit Kindern und Enkelkindern genießen können – und das für nur 13 Prozent der Kosten und Folgekosten.“
Er könne sich auch gut vorstellen, dass Thermalbecken gemacht werden, die schon im April und auch noch im Oktober geöffnet sind. „Dann muss man nimmer nach Bad Endorf fahren.“