Waldkraiburg – Der Startschuss ist gefallen: Ab nächster Woche gehen ehrenamtliche Helfer erstmals in das Altenheim St. Mechthild. Mit dieser Einrichtung beginnt das Projekt. Sabine Kapsegger ist zufällig als ehrenamtliche Helferin zum Projektteam gestoßen. Annette Neumann, Sozialpädagogin und Mitarbeiterin der KASA-Stelle der evangelischen Diakonie (KASA = Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit), hat sie auf der Straße angesprochen. Susanne Kuhn hat sich selbst gemeldet. Die beiden werden die Bewohner des Altenheims besuchen und gemeinsam mit ihnen Bücher über ein Tablet auswählen. Wie viele das Angebot annehmen, ist noch unklar.
Das Tablet hat einen Internetzugang und greift auf den Online-Katalog der Bücherei zu. Einmal im Monat kommen die Ehrenamtlichen für die Auswahl. In der darauffolgenden Woche werden neue Bücher geliefert, die alten abgeholt. Für die Personen, die sich Bücher ausleihen, fällt dabei eine einmalige Zahlung für einen Bücherausweis an, für die Nutzung zusätzlich eine ermäßigte Jahresgebühr.
Mit der Diakonie hat die Stadtbücherei einen starken Partner an seiner Seite. Bianca Mertin, die Leiterin der Bücherei, ist froh, „dass die Diakonie den Kontakt herstellt.“ Auch das Altenheim war sofort begeistert. „Die Menschen freuen sich über die Ansprache“, sagt Annette Neumann. Wenn jemand von außerhalb kommt, sei das etwas Besonderes.
Das Tablet und den dazugehörige Internetvertrag hat der Lions Club bezahlt. „Das ist ein gutes Projekt für ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind“, so Joachim Hellwig vom Lions Club. Das Geld stammt von der Adventskalenderaktion, wie Manfred Fromberger, Vorsitzender des Vereins, erklärt. Weitere Kosten fallen derzeit nicht an. Büchereileiterin Mertin gibt dem Projekt eine Anlaufphase von zwei bis drei Monaten. Danach erst will man es ausweiten, weitere Altenheime ansprechen. Nach drei Jahren soll über eine Fortsetzung entschieden werden.
Das Haus des Buches will auch Privatpersonen ansprechen, die nicht in einem Seniorenwohnheim leben. Die Beteiligten sind sich bewusst, dass genau darin die Schwierigkeit besteht. „Einsame trauen sich nicht raus“, weiß Kapsegger. Man wisse also nicht, wer einen Bedarf für den Lieferservice hat. Neumann setzt auf Mundpropaganda, die das Angebot bekannter machen soll. Zusätzlich möchte sie mit der AOK und Hausärzten zusammenarbeiten, um auf hilfsbedürftige Menschen aufmerksam zu werden. Die AOK-Pflegeberater gehen in die Familien mit Pflegefällen, sie wissen, wo der Bedarf für den Lieferservice ist. Das gilt ebenso für Ärzte, die ihre Patienten auf das Angebot aufmerksam machen können. Mit beiden hat Neumann schon erfolgreich bei anderen Projekten zusammengearbeitet.