Waldkraiburg – Serife Akpolat ist 28 und führt ihren eigenen Friseursalon in der Karlsbader Straße. Derzeit absolviert sie berufsbegleitend die Meisterschule in Mühldorf. Nun stehen ihr zwei Monate Blockunterricht bevor. „Noch mehr Buchhaltung und dann der Ausbilderschein“, kommt auf sie zu. Die Zeit wird anstrengend, denn ihr Laden muss weiterlaufen, während sie die Schulbank drückt. In dieser Zeit kümmert sich Ayse Kain um den Salon – sie ist Serifes Tante und bei ihr angestellt.
Muslima kommen in der Regel nur zum Augenbrauenzupfen
Die Familie steht hinter der jungen Unternehmerin Serife, die in Deutschland geboren ist. „Als ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich die volle Unterstützung meiner Familie“, freut sich die junge Frau. Auf Nachfrage erklärt sie, bei den Akpolats sei man modern. Eine Deutsch-Türkin, die ihren eigenen Laden führt – ganz normal also.
Neben deutschen Kunden kommen auch türkische Frauen zu ihr, Muslima.
Wie ein Friseurbesuch mit Kopftuch abläuft? „Frauen, die Kopftuch tragen, lassen sich bei mir mit dem Faden die Augenbrauen zupfen, da behalten sie das Kopftuch auf“, so die 28-Jährige. Dass diese sich in ihrem Salon die Haare machen lassen, sei eher die Ausnahme. „Viele türkische Frauen fliegen einmal im Jahr in die Türkei und gehen dort zum Schneiden – es gibt eigene Friseure für Männer und Frauen“, erklärt sie. Da sie oft sehr lange Haare haben, die sie zu einem Dutt oder Zopf flechten, um darüber das Tuch zu tragen, reiche der Friseurbesuch einmal im Jahr wohl aus. „Die meisten haben megatolle Haare – die zeigen sie nur nicht in der Öffentlichkeit, nur daheim“, so Serife Akpolat.
„Ich mag das Umstylen, den Vorher-
Nachher-Effekt“
Serife Akpolat
In den zwei Jahren, in denen sie ihren Salon führt, seien einmal vier syrische Frauen gekommen, die Schnitt und Farbe wollten, jedoch ohne „fremde Zuschauer“. Serife bediente sie nach Ladenschluss und sperrte ab. Dass man auch durch das Schaufenster hätte spähen können, habe die Kundinnen nicht gestört. „Wenn jemand ständig Kopftuch trägt und es dann in der Öffentlichkeit abnimmt, fühlt er sich nackt“, weiß Ayse Kain durch Erzählungen. In ihrer Familie trägt keine Kopftuch.
Die beiden Frauen lieben ihren Job. „Ich mag das Umstylen, den Vorher-Nachher-Effekt“, sagt Serife auf Nachfrage. Schon als Kind habe sie ihre Puppenköpfe frisiert. „Und deine Barbie-Puppen verunstaltet“, schmunzelt ihre Tante Ayse. Heutzutage sei es schwer, gutes Personal zu finden – oder gar Lehrlinge. „Zu meiner Zeit gab es kaum Lehrstellen. Friseur zu werden war ein Trend. Heute wollen die Mädchen etwas anderes: sich weiterbilden, studieren und einfach mehr Geld machen“, sagt die Chefin. Mit dem Friseurberuf könne man eben nicht reich werden. „Ich habe meiner Tochter sogar abgeraten, diesen Beruf zu erlernen“, ergänzt Ayse.
Die Leute färben daheim – wenn es daneben geht, kommen sie zu ihr
Sie sieht Konkurrenz durch die vielen Billigketten, „es gibt zu viele“. Da widerspricht ihre Nichte, denn ihr Geschäft läuft, „wir haben gut zu tun“. Jedoch benennt sie die Drogerieketten als Problem – oder das Internet. Dort seien die Kolorationen natürlich günstiger zu haben. „Die Leute kommen zu uns, lassen sich beraten – und bestellen dann die Farben und Pflegeprodukte im Internet, weil es da billiger ist“, stellt Serife Akpolat fest. Gefärbt wird dann daheim. „Wenn es danebengeht, kommen sie und wir sollen es wieder ausbessern.“