Ob’s das längste Picknick der Stadtgeschichte wird? Das ist eher unwahrscheinlich. Der Teilnehmerrekord von 2015 – im Hochgefühl der Premiere – wird kaum zu überbieten sein, obwohl das Wetter diesmal vermutlich besser wird als damals. Doch eine lange Tafel unter freiem Himmel wird sicher wieder aufgebaut beim „Ruckmazamm“ morgen, Sonntag in der Berliner Straße. 40 Tische waren gestern Mittag schon reserviert.
Kommen darf jeder, der mag, ob Jung oder Alt, ob Waldkraiburger oder Andersgläubiger, ob alteingesessen oder neuzugezogen. Für „Draufgeher“, die sich spontan entschließen, ist noch reichlich Platz an der Tafel. Zum Essen, Trinken und Ratschen. An Gesprächsstoff fehlt es nicht in und um Waldkraiburg.
Ruckmazamm! Vor 25 Jahren hat es dieses Picknick zwar noch nicht gegeben, doch nach dieser Devise gehandelt haben 15 Vereine und die Stadt schon damals. Und gemeinsam ein Projekt umgesetzt, das an diesem Wochenende silbernes Jubiläum feiert. Gäbe es das selbst verwaltete Haus der Vereine heute nicht, man müsste es erfinden. Was dieses Haus wert ist, können am besten jene Vereine ermessen, die noch immer nicht wissen, wie es nach dem Auszug aus dem „Freiraum 36“ in gut zwei Jahren für sie weiter geht.
Ruckmazamm – nein so weit ist es noch nicht an den Waldkraiburger Schulen. Die Schülerzahl ist gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken. Die Realschule, die einst bayernweit Rekordmarken setzte, „schrumpft“ langsam wieder auf Normalmaß. Die Zahlen bei den Erstklässlern legen zu. Aber auch das ist relativ. 195 sind es heuer. Vor 50 Jahren waren es an den drei Waldkraiburger Volksschulen 341 (!) Abc-Schützen.
Ein Horrorszenario hat die Regierung von Oberbayern in einer Stellungnahme zu einer kleinen Erweiterung des Gewerbegebiets in Kraiburg entwickelt. Die Erweiterungsfläche wird irrtümlich in das Überschwemmungsgebiet verlegt, gewissermaßen tiefer gelegt, um 13 Meter. Mei Liaba, da würde auch der Hochwasserdamm, der endlich vorankommt, nix mehr helfen. So eng könnte man gar nicht zusammenrücken. Dieses Ereignis wäre kein Hundertjähriges, das wäre die Sintflut.
Was der aktuelle Vorstoß der Aschauer Bürgerinitiative gegen einen Freibad-Neubau mit Waldkraiburg für dieses Vorhaben bedeutet, ob das interkommunale Projekt damit absäuft, noch ehe Land in Sicht ist, ist noch nicht raus. Es ist zweifellos ein schwerer Schlag für die Befürworter, weil es eine neue Verzögerung bringt und die Chancen auf eine Bundesförderung gefährdet, womöglich endgültig zunichte macht.
Natürlich ist das gute Recht der Gegner eines Freibads, alle demokratischen Mittel auszuschöpfen. Dazu gehört ein Bürgerentscheid, auch in Aschau. Und selbstverständlich lassen sich Argumente für eine Alternative zum Freibad ins Feld führen. Es ist auch gar nicht falsch, das Geld zusammenzuhalten.
Aber eigenartig ist es schon, dass nun das Naturbad gegen das Freibad in Stellung gebracht wird. Dabei ist kein Sturm der Begeisterung durch das Dorf unterm Tödtenberg geweht, als sich Aschaus Bürgermeister Salzeder vor einigen Jahren für ein solches Naturbad stark machte. Oder haben wir etwas verpasst?
Das Projekt verschwand nicht zuletzt deshalb in der Schublade, weil es Widerstände und Einwände gab. Die Leader-Mittel, die damals noch in Aussicht standen, will jetzt der Markt Kraiburg für sein Naturbad abschöpfen. Aus diesem Topf wird es wohl kein Geld für eine ähnliche Badegelegenheit neun Kilometer weiter geben.
Ärgerlich wird die Aschauer Initiative gegen das Freibad dort, wo sie in allzu forscher „Mia san Mia“-Manier daher kommt. Wo Ängste vor der Eingemeindung geschürt und gegen die interkommunale Zusammenarbeit ins Feld geführt werden. Wo an Stammtischen schon das Stichjahr 2026 für eine neue Gebietsreform genannt wird. Was für ein Unsinn.
Wirklich nicht mehr nachvollziehbar ist es, dass Waldkraiburger Freibadgegner jubeln, wenn in Aschau Stimmung gegen ihre Stadt gemacht wird. Das gibt‘s freilich nicht nur dort. Ressentiments gegen die „reichen“ Nachbarn, denen man mit dem Bad keinen Meter entgegenkommen will, schon gar nicht bis zur gemeinsamen Gemeindegrenze, werden ebenso in Waldkraiburg gepflegt.
Das hat alles nichts mehr mit dem Waldbad oder Freibad zu tun. Das ist längst von diversen politischen Interessen und Strategien auf beiden Seiten der Gemeindegrenzen überlagert.
Und das macht es so schwierig, die Sache etwas nüchterner anzugehen. Sich klarzumachen, dass es kaum Alternativen zu einer verstärkten interkommunalen Zusammenarbeit auf Augenhöhe gibt. Zum Zusammenrücken! Ganz unabhängig von diesem Badprojekt. Behörden und öffentliche Organisationen haben das der Stadt in ihren Stellungnahmen zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept, das zur Zeit im Rathaus präsentiert wird, regelrecht eingeschärft.
Irgendwann werden die staatlichen Stellen viel konsequenter als heute im Förderwesen vom Gießkannenprinzip abrücken und Kooperation belohnen, belohnen müssen. Weil finanzielle und natürliche Ressourcen endlich sind. Mag sein, dass Aschau zu den Gemeinden gehört, die es am längsten aushalten, sich selbst genug zu sein. Übrigens auch deshalb, weil seine Bürger seit Jahrzehnten wie selbstverständlich davon profitieren, was Waldkraiburg in Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen steckt. Doch wenn dem großen Nachbarn die Puste ausgeht, wird auch für die Aschauer Bürger nichts besser.Hans Grundner