Wo Waldkraiburger Pflegekräfte der Schuh drückt

von Redaktion

Martina Richter und Anja Bäck (von links), Adalbert Stifter Seniorenwohnen.Fotos fis

Pia Karsch, AWO Seniorenzentrum.

Waldkraiburg – Einen vollen Tag haben sich Vertreter der SPD dem Bereich Pflege in drei Waldkraiburger Heimen, St. Mechthild, Arbeiterwohlfahrt und Adalbert Stifter Wohnen, gewidmet und sich mit den Problemen, aber auch mit den zahlreichen Vorzügen beschäftigt, mit denen sowohl Insassen wie auch Pflegepersonal tagtäglich umzugehen haben. Ihr Fazit fiel überwiegend positiv aus, obwohl noch sehr vieles verbesserungsfähig ist.

Dies wurde in einer abendlichen Gesprächsrunde deutlich. „Der Stellenwert der Pflege muss in der Öffentlichkeit besser dargestellt werden“, betonte MdL Günther Knoblauch. Dem pflichtet Direkt-Kandidat Kilian Maier bei, der ergänzte, dass man Menschlichkeit in den Heimen besonders dort spüre, wo nicht die Renditeerträge an erster Stelle stehen. Bezirkstagskandidat Ludwig Spirkl konnte aus seiner beruflichen Erfahrung beipflichten, wies jedoch darauf hin, dass ein exaktes Perso- nalbemessungssystem dringend notwendig sei. In der weiteren Diskussion kam die großteils negative Darstellung des Pflegebereichs in den Medien zur Sprache, in der vielfach nur von Einzelfällen ausgegangen werde. Daneben machte man an Beispielen deutlich, wie sehr durch das Wohnen in Seniorenheimen der Vereinsamung entgegengewirkt werden kann und dass dabei eine Mischform aus Alt und Jung in einer Art Quartier-Wohnen wünschenswert wäre.fis

Zu wenig Anerkennung

„Wir haben eine dreijährige medizinisch-pflegerische Ausbildung mit Examen zu absolvieren, die ständig durch notwendige Weiterbildung ergänzt werden muss, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Für die Acht-Uhr-Zeit finden sich wenig Teilzeitkräfte, denn leider gibt es in Waldkraiburg keinen Kindergarten, der schon um sechs Uhr öffnet. Flexibler ist man da in Mühldorf. Unsere Anerkennung fängt eigentlich schon bei der Bezahlung an, obwohl die bei der AWO recht gut ist. Aber jeder Schichtarbeiter bei BMW zum Beispiel verdient wesentlich mehr als wir. Bei Krankheit von einer oder zwei Kolleginnen gerät vieles aus dem Ruder. Wie soll da Nachwuchs in Sicht sein? Man will sich ja auch nicht unter Wert verkaufen! Wenn man in diesem Beruf nicht mit Herzblut dabei ist, braucht man erst gar nicht anzufangen.“ fis

Leider kein Kindergarten für die Früh-Schicht

„Wenn wir nur nach dem Grundsatz arbeiten würden, ,satt und sauber‘ sollen unsere Heimbewohner sein, wären wir völlig fehl am Platz. Einfühlungsvermögen muss da sein, eine große Portion Menschlichkeit.

Denn vor allem ist es das Personaldefizit, das uns Pflegekräften zu schaffen macht, besonders wenn Kollegen aus irgendeinem Grund ersetzt werden müssen und zudem der Schreib- und Dokumentationskram überhand nimmt. Der Lohn ist zwar nicht so schlecht in unserem Haus, doch eine Familie davon zu ernähren, ist unmöglich, da müssen schon beide Partner verdienen.

Fast als schmerzlich empfinden wir es, dass unser Beruf nach wie vor zu wenig Anerkennung bekommt und das, obwohl wir auch ständig an unserer Weiterbildung arbeiten, Schichtdienst verrichten und Arbeit leisten, die zwar viel mit Krankheit und Tod zu tun hat, anstrengenden körperlichen Einsatz erfordert, aber auch angenehmen Lebensraum für die Bewohner bietet.“fis

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