Jettenbach – Viele Lehrer fragen Christoph Baierer, Geschäftsführer des Obermeierhofs, wann auf dem Hof Nachruhe sei. Er antwortet immer dasselbe: „Nachtruhe ist dann, wann Sie es sagen.“ Er weiß: „Die Kinder kommen hier eh nicht zum Schlafen her.“ Am Ende sitzen alle in einem Bett. 80 gab es davon bisher auf dem Obermeierhof. Seit 2018 noch 30 mehr.
Schon jetzt hat der Hof 15000 bis 16000 Übernachtungen im Jahr. Das entspricht laut Baierer zehn Prozent aller Übernachtungen im Landkreis. 2018 hat sich die Anlage um das „Haus Anni“ vergrößert. Es befindet sich direkt gegenüber und war früher im Besitz der Familie Franz, der auch der Obermeierhof gehörte. Das Haus wurde umgebaut und dient jetzt als Spiel-, Lern- und Lebensraum. Es bietet Platz für eine Schulklasse und eignet sich auch für ungestörte Jugendleiterausbildungen.
Theater- und Musikgruppen, Schulklassen und Vereine aller Art besuchen den Obermeierhof.
Seit 40 Jahren leitet ihn der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Baierer ist stolz, dass die Einrichtung all die Jahre ohne Förderung überlebt hat. Er hat sie in eine Schiene gelenkt, die ihn, wie er sagt, überdauern wird. Der Fokus liegt auf der Jugendverbandsarbeit und dem Schullandheim.
„Die Kinder stehen beim Schullandheimwerk im Vordergrund“. Das schätzt Baierer. Jedes Schullandheim hat seinen eigenen Schwerpunkt.
Was würde da in Jettenbach am Inn besser passen, als „Lebensraum Wasser“?
Baierer macht regelmäßig Inn-Wanderungen, vorbei am Jettenbacher Wehr und an den Wasserbüffeln. Er erklärt dabei die Bäume und ihre Blätter. Seit letzter Woche können Schüler mit der neuen Wasserschule auch noch der Zustand der Gewässer erforschen.
Wie misst man den pH-Wert eines Gewässers? Wie ermittelt man den Nitratgehalt? Kann man Wasser in den Bäumen rauschen hören? Ein Koffer gibt Antworten. Er ist voll mit Sieben, Stethoskopen, Aufbewahrungsbehältern, Info- und Arbeitsblättern. Christoph Baierer hat das Projekt der Regierung von Oberbayern, das der Aktion Grundwasserschutz entstammt, nach Jettenbach geholt.
Im Untergeschoss des „Haus Anni“ steht der Koffer bereit für Ausflüge an den Inn. Die Wasserschule kann in den Heimat- und Sachkundeunterricht eingebaut werden.
Den Kindern soll dabei der Lebensraum Wasser näher gebracht werden. „Wasser ist Lebensmittel. Wasser ist Leben“, sagt Baierer. Das will er den Kindern beibringen. Dabei geht er spielerisch vor. Komplexe Themen bricht er herunter, erklärt sie einfach. Jedes Kind soll sie verstehen und mit dabei sein. Baierer weiß, dass das im normalen Unterricht oft nicht der Fall sei. Auf dem Obermeierhof können die Kinder selbst forschen. „Was ein Kind sieht, das versteht es auch.“
Auch die Naturgesetze erklärt er ihnen, mithilfe einer Holzbahn, auf der er Bälle unterschiedlichen Gewichts rollen lässt. Sie wurde, wie die Feuerstelle vor dem Haus Anni, von Schülern einer sozialen Förderberufsschule aus München gebaut. Baierer sagt: „Man muss Nischen finden“ – auch für Publikum, das anderswo vielleicht ausgegrenzt wird.
Soziales Miteinander sei wichtig für die spätere Entwicklung. Baierer schenkt den Kindern und Jugendlichen sein Vertrauen, lässt sie ihren Aufenthalt gestalten, wie sie wollen. Für die oft selbst noch jungen Gruppenleiter gibt es im Hauptgebäude eigens eine Wohnung, die „Pfadiwohnung“. Dort können die Jugendlichen ganz alleine für sich sorgen, Verantwortung übernehmen. Nur am Ende muss alles wieder sauber sein. Baierer wird nicht enttäuscht. Die Jugendlichen geben ihm sein Vertrauen zurück. Das Konzept funktioniert.