Aschau – Die Aschauerin, mit einigen Röllchen auf den Rippen, lacht über das ganze Gesicht und erklärt: „Mein Ursprungsgedanke war es, Trainingseinheiten ausschließlich für korpulente Menschen anzubieten. In jedem Fitness-Studio oder bei Abnehm-Kursen war ich nämlich immer die dickste Teilnehmerin, was mich tierisch ärgerte“.
Älteste Teilnehmerin ist 89 Jahre alt
Doch Alexandra Schlesag machte die Rechnung ohne ihre Sportfans. Mittlerweile hüpfen und springen bei den Fitnessangeboten in luftiger Höhe nämlich neben dicken auch dünne und normalgewichtige Leute umher. Frohnatur Alexandra nimmt es locker: „Meine Sportstunden entwickelten längst eine Eigendynamik, was ganz wunderbar ist“. Schlesag taufte die Wiese vor der Scheuerer Alm auf den Namen „Alexandras Trainingsplatzl“. Wo zu anderer Zeit tatsächlich Kühe grasen, wird am Sonntag richtig Gas gegeben. Will heißen: Die Teilnehmer des Fitness-Programms schleppen Wassereimer, ziehen Autoreifen, schwingen schwere Seile durch die Gegend, kreisen im Hula-Hoop-Reifen und heben kleine Baumstämme hoch. Einmal saßen sogar einige Leute im Kirschbaum.
„Das war aber eine Ausnahme. Die reifen Kirschen verführten uns zu dieser kleinen Kletteraktion“, gibt die Aschauerin zu. Sie kann übrigens auf eine stattliche Anzahl von Scheinen verweisen, die sie zur medizinischen Fitnesstrainerin, zum Personal Trainer und zum Fitnesstrainer mit A- und B-Lizenz befähigen.
Für Sport konnte sich die 48-Jährige schon seit ihren Kindertagen begeistern. Sie stieg aber vorerst in andere Berufszweige ein, ehe das Angebot kam, das Trockentraining für die Schwimmkinder des VfL Waldkraiburg zu leiten. Von nun an ging es für Alexandra Schlesag in Sachen Trainer-Aktivität bergauf. Sie kündigte ihren Arbeitsplatz in der Stiftung Ecksberg und feilte an ungewöhnlichen Trainingsprogrammen, die großen Anklang finden.
„Alex ist super. Sie reißt uns richtig mit. Meine Freundin und ich sind seit letzten Oktober dabei. Jede von uns hat bereits über 20 Kilo verloren“, freut sich eine Teilnehmerin, während sie die Seile ohne Unterlass in verschiedene Richtungen bewegt.
Das „Trainingsplatzl“ auf der Scheuerer Alm ist genauso pfundig, also herzlich, wie die 48-Jährige selber. Sie möchte keine strenge Kursleiterin sein, vielmehr favorisiert sie den freundschaftlichen Umgang zwischen ihr und den Teilnehmern. Keiner muss ein Abo abschließen. Einfach vorbei kommen, eine Gebühr entrichten und schon kann es losgehen mit den unterschiedlichsten Übungen.
Arme und Beine hoch heißt es auch für Senioren. Dieses Programm nennt Alexandra liebevoll „Oma-Training“. Bis zu zehn Damen im Alter zwischen 68 und 89 Jahren sind dabei. Ein Opa gesellte sich bisher (leider) noch nicht dazu. Die Omis stehen aber nicht auf der grünen Wiese, die doch ab und zu kleine Unebenheiten aufweist. Damit niemand umknickt, wird die Seniorengruppe vorsichtshalber auf einer Terrasse trainiert. Alexandra lobt ihre Omis, die sogar bei schlechtem Wetter kommen würden, was bei den jungen Leuten nicht immer der Fall sei.
Rentnerin Katharina zeigt sich von der Musik total begeistert, die während der Übungen gespielt wird. „Da gerate ich mit meinen 85 Jahren auch noch mal in Schwung“, verrät sie verschmitzt.
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Alexandra Schlesag
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