Waldkraiburg – Eva Köhr ist enttäuscht, weil „eine solche ernsthafte Veranstaltung“ wie die Demo gegen die AfD am späten Dienstagnachmittag als Wahlpropaganda für SPD-Landtagskandidat Kilian Maier und die Grünen verstanden wurde, wie sie sagt. Ihr das Wort zu verbieten, bezeichnet sie als untragbar und undemokratisches Verhalten. Denn nachdem Maier für die SPD, Richard Fischer auch für die Gewerkschaften, Lisa Sieber von der ödp, Dennis Uzon von „Die Linke“, Judith Bogner von den Grünen, Hartmuth Lang von „Mühldorf ist bunt“ am Mikrofon vor der AfD warnten, wollte Eva Köhr von der CSU auch etwas sagen.
„Nein, die CSU sagt nichts“, entgegnete Kilian Maier und verwehrte ihr das Wort – ohne Begründung. Köhr, die sich seit vielen Jahren mit ihrem Arbeitskreis KZ-Gedenkstätten im Mühldorfer Hart für die Gedenkorte, die seit Ende April offiziell zu besichtigen sind, einsetzt, wollte nach eigenen Angaben keine Wahlpropaganda machen. „Ich wollte auf unsere Gedenkstätten und die NS-Zeit im Landkreis hinweisen – daher kann ich so ein Verhalten nicht nachvollziehen“, so die CSU-Stadträtin, die in Absprache mit CSU-Bezirksrätin Claudia Hausberger die Anti-AfD-Demo besuchte.
Maier werfe der AfD antidemokratisches Verhalten vor, sollte aber vor seiner eigenen Türe kehren, so Köhr. Sie erwarte von einem Jungpolitiker, der auch für den Landkreis Mühldorf kandidiere, dass er sich mit der Geschichte vor Ort auseinandersetzt und weiß, wie aktuell die NS-Gedenkorte sind – nach einem langem Ringen um Fördermittel – statt nur „Nazis raus“ zu schreien. Sie verließ die Demo.
Auf Nachfrage der Zeitung erklärt Kilian Maier, Köhr habe nicht deutlich gemacht, worum es ihr ging. Zudem sei es ein linksliberales Bündnis gewesen, das zur Demo aufrief (Örtliche Verbände der Jusos, SPD, Grüne Jugend, DGB Jugend, Die Grünen, DGB, Links Solid, EVG, ödp, die Linke, Piraten, Aufstehen gegen Rassismus, Mühldorf ist bunt, Bazis gegen Nazis, Die Partei, Seliger-Gemeinde). Die CSU sei nicht Teil des Bündnisses, auch wenn er sich freue, wenn CSUler oder JUler kommen, um gegen die AfD zu demonstrieren. „Die CSU ist rechtskonservativ und oft in ihrer Politik Wegbereiter für die AfD, was man auf Bundes- und Landesebene sieht“. Natürlich sehe das auf kommunaler Ebene anders aus, da müsse man differenzieren. Jedoch verstehe er sich selbst als linksliberal und hätte seine Bündnispartner etwa „Bazis gegen Nazis“ oder „Die Linke“ verprellt, hätte er die CSU mit dazu geholt. „Und die sind mir näher als die CSU. Das ist einfach eine Frage der Haltung für mich“, erklärt der 24-jährige Maier. Das Bündnis habe sich vorher abgestimmt, wer sprechen darf, nämlich Vertreter der Aufrufenden.
„Hätte Frau Köhr – losgelöst von der CSU gesagt, sie will die NS-Geschichte und -Gedenkorte ansprechen, hätte ich ihr das Mikro gegeben. Sie sagte aber, ,die CSU darf jetzt aber auch noch was sagen‘“, berichtet Maier.
Köhr findet, so geht man nicht mit Menschen um. „Er war ja nicht Alleinveranstalter, sondern auch „Mühldorf ist bunt“, dessen Arbeit ich mich nach wie vor verbunden fühle.“ Maier erklärt, er stehe ihr für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, um ihr seinen Standpunkt zu erklären.