One-Festival, 25 Jahre Haus der Vereine, Ruck ma zamm, Demo #wirsindmehr – dies waren in dieser Woche wichtige Themen in der Zeitung. Sie alle haben eines gemeinsam: es geht ums Zusammenhalten, ums Zusammenkommen und um Vielfalt. Ein Etikett, das dieser Stadt sehr gut zu Gesicht steht – auch wenn es eine Minderheit gibt, der das nicht passen mag.
Zum ersten Mal hat der Kreisjugendring zum „One-Festival“ auf dem Gelände der Schenkerhalle aufgerufen – und sich die jungen Partymacher „Skia Skia Skia“ ins Boot geholt. Neben dem Feiern ging es um die Botschaft, „die ganze Welt ist eine Familie“, ein Zeichen gegen Rassismus wurde gesetzt. Von jungen Leuten. Zeitgleich fand ein Häusl weiter das Jubiläum vom Haus der Vereine statt. Andere Typen, anderes Format, andere Zusammensetzung. Dennoch, das Haus der Vereine steht für ein Vierteljahrhundert Wir-Gefühl und gilt als Pilotprojekt. Hier kommen die Leute zusammen.
Wie beim „Ruck ma zamm“, das die UWG organisierte und in der Berliner Straße zum längsten Picknick der Stadt trommelte. Die Idee, dass hier alle miteinander essen und ratschen – egal aus welcher Gruppe oder Partei sie kommen, ist schön. Genau wie der Grundgedanke der Demo #wirsindmehr vor dem Haus der Kultur. Demokraten aller Strömungen kamen, um am Rande der AfD-Veranstaltung gegen Rassismus und für Vielfalt einzutreten. Ein Wermutstropfen: die Auseinandersetzung zwischen Eva Köhr (CSU) und SPD-Landtagskandidat Kilian Maier, der gemeinsam mit einem linksliberalen Bündnis zur Demo aufrief. Eine Mischung aus Missverständnis, Timing, Haltung, Forderungshaltung und der Art, wie die beiden Akteure auftraten, führte zu einem kleinen Eklat. Der junge SPDler ließ die erfahrene CSU-Frau nicht ans Mikro – um seine linken Bündnispartner nicht zu verprellen. Köhr stand jedoch an diesem Tag nicht einfach nur für die CSU da. Sie hielt das Schild „Demokratie schützen! Nazis keine Chance geben“ hoch und stand couragiert ganz vorne. Sie wollte in einem Redebeitrag, den sie spontan einforderte, auf die Bedeutung der KZ-Gedenkstätten im Mühldorfer Hart eingehen – was Kilian Maier nicht wusste. Eine kleine Absprache vorher hätte diesen Ärger verhindert.
Schließlich waren alle da, um gegen Faschismus, Rassismus und Ausgrenzung aufzustehen. Auch die CSU-Vertreterin. Passen CSUler und „Bazis gegen Nazis“ oder andere Linksgerichteten bei einer Demo nicht zusammen? Ja, es ist ein ungewöhnliches Bild, eine Eva Köhr neben punkigen Jugendlichen, die tätowiert sind und Transparente pinseln, auf denen popkulturartig steht „Flamingos statt Faschisten“ oder „Lieber a Mass statt Hass“, zu sehen (von dem geschmacklos-provokanten und kontraproduktiven Plakat „Hier könnte ein Nazi hängen“ der Satirepartei „Die Partei“ ganz zu schweigen – die hat nämlich ansonsten kluge, witzige Meta-Wahlwerbung in petto). Und doch ist es ein gutes Bild, Köhr in dem bunten Haufen zu sehen. In der CSU braucht es mehr Vertreter, die sich dazu gesellen und damit zeigen, dass sie als Vertreter der bürgerlichen Mitte für die Grundwerte der Gesellschaft eintreten. Der antifaschistische Widerstand ist keine rein linke Angelegenheit, wie Claus Debnar vom Kreisverband „Die Linke“ ganz richtig sagt. Kuriose Blüten treibt die Causa Köhr vs. Maier, wenn die Linken einer CSUlerin beispringen.
Absurde Vorwürfe werden indes von der Gegenseite, den Vertretern und Anhängern der „Alternative“, laut. Nämlich dass Kinder instrumentalisiert und zur Anti-AfD-Demo gekarrt worden seien. So ein Quatsch. Wer sich mit den Jugendlichen unterhielt, wusste sofort, dass er es mit aufgeweckten jungen Bürgern zu tun hat, die auch über den Tellerrand hinausblicken. Josefa (13) aus Töging, war eigenen Angaben zufolge dort, weil sie die rechtsextremen Vorgänge in Chemnitz „auf die Palme“ gebracht haben, auch dass AfD-Funktionäre dort gemeinsam mit Neonazis in einer Reihe gelaufen sind. In Sachen Asylpolitik sieht sie Europa in der Pflicht, das den Kontinent Afrika wirtschaftlich ruiniert habe. „Gebt den Flüchtlingen in Deutschland Bildung, damit sie daheim ihr Land wieder aufbauen können“, fordert sie. Sie sagt, sie habe Angst, dass Rechte in Deutschland bald mehr zu sagen haben könnten. Und Felix aus Mühldorf (12) ist gegen die AfD, weil die gegen Ausländer sind. „Außerdem habe ich Verständnis, wenn Menschen flüchten müssen, weil sie in ihrem Land kein Leben und keine Zukunft haben.“
Während draußen lautstark gezeigt wurde, was man von der Politik der AfD hält, sprach drinnen Bundessprecher Jörg Meuthen, ein Rechtskonservativer mit geschliffener Rhetorik. Politiker wie ihn muss man nicht mögen – aber als Demokrat in einer vielfältigen Gesellschaft muss man ihn aushalten. Sein Problem: Er grenzt sich nicht gegen Rechtsradikale in der eigenen Partei ab. Und das geht gar nicht. Die AfD-Skandalrede in Waldkraiburg hielt nicht Meuthen, sondern Islamhasser Nicolaus Fest im Juli. Islamhass hat in Waldkraiburg nichts verloren. Die Stadt vereint an die 100 Nationen, hat eine große türkische Gemeinschaft. Und die Türken gehören zur Gesellschaft. Islam ist nicht gleich Islamismus, das sollte sich jeder Kritiker merken und differenzieren. Sonst wird das Zusammenleben auf Dauer unerträglich.
Waldkraiburg ist eine lebenswerte Stadt, die bei all ihren Herausforderungen reift und sich entwickelt. Auch in städtebaulicher Hinsicht. „Mutig“, „toll“, „gelungener Entwurf“ – so viel Euphorie war selten im Stadtentwicklungsausschuss zu hören. Doch sie scheint angebracht, im Blick auf ein Nutzungskonzept, das für das Gelände des „Weißen Hirsch“ und benachbarte Flächen entwickelt wurde. Eine städtebaulich überzeugende, ansprechende und angemessene Planung an dieser exponierten Stelle am Eingang zur Stadt. Zum ganzen Glück fehlt jetzt nur, dass aus dem Entwurf tatsächlich Stein wird.Andrea Klemm