„Wesser Hirsch“

Lob für „mutiges Konzept“

von Redaktion

Seit vielen Jahren wird nach einer städtebaulich überzeugenden Lösung für die ungenutzte Fläche auf dem ehemaligen Gelände des „Weißen Hirsch“ gesucht. Jetzt hat der private Eigentümer zusammen mit der Stadtbau GmbH ein Konzept für eine Wohnbebauung entwickelt, das der Stadtentwicklungsausschuss einstimmig befürwortete.

Waldkraiburg – Der Bereich, für den das Konzept erstellt wurde, umfasst nicht nur das Grundstück des Privateigentümers (Gelände „Weißer Hirsch“), sondern auch die Flächen, die der Stadtbau GmbH gehören („Teistlerhaus“ an der Franz-Liszt-Straße, Parkfläche für Schüler an Kraiburger Straße). Gemeinsam tragen die beiden Eigentümer das nun vorliegende Konzept, das eine abgestufte Wohnbebauung mit bis zu fünf Geschossen plus Dachgeschoss vorsieht. Etwa 130 Wohneinheiten sollen entstehen, so Ingrid Dreer.

Die Architektin machte deutlich, dass die große Herausforderung im Lärmschutz besteht. Staatsstraße und Bayernbrücke sind Lärmquellen, die eine komplett offene Bebauung ausschließen. Um die Wohnqualität zu schaffen, sieht das Konzept eine geschlossene Bebauung vor, die an zwei Seiten durchbrochen wird. So entsteht ein großer, ruhiger Innenhof.

Die verkehrliche Erschließung des neuen Quartiers soll über den Ritter-von-Gluck-Weg erfolgen, der parallel zur Dreifachturnhalle des Gymnasiums geführt wird und in einem Wendehammer endet.

Die Bebauung soll etwa 20 Meter von der Staatsstraße abgerückt sein. Auf dem Areal zwischen Straße und Bebauung sind oberirdische Parkflächen für etwa 60 Pkws vorgesehen, weitere Stellplätze in einer Tiefgarage.

Im Zuge dieser Maßnahme hat die Planerin auch einen Vorschlag für eine würdige Gestaltung eines Schulvorplatzes für das Gymnasium auf dem Grundstück erarbeitet, auf dem derzeit mehrere Wertstoffcontainer stehen.

Um die Erschließung in der gewünschten Form zu realisieren, ist ein Grundstückstausch mit dem Landkreis erforderlich. Der Landkreis wisse von dem Vorhaben, sagte Carsten Schwunck, Leiter der Stadtentwicklungsabteilung im Rathaus. „Wir sind bereits im Gespräch.“

„Jetzt haben wir end- lich auch eine Burg.“

UWG-Stadtrat Ulli Maier

Im Ausschuss wurde das Konzept positiv aufgenommen. „Sehr gelungen“ nannte UWG-Sprecher Frieder Vielsack den Entwurf. Die Gebäudekörper seien weit genug voneinander entfernt, eine „optimale Lösung“ für die diffizile Situation mit Brücke, Staatsstraße und Anbindung an Schule gefunden. Von einem „tollen und mutigen Vorschlag“ sprach Fraktionskollege Ulli Maier und scherzte: „Jetzt haben wir endlich auch eine Burg.“ Die Marschrichtung passt, findet Done Brunnhuber. „Wir sollten so weiter planen.“

Andreas Knoll (SPD) erinnerte an Pläne der Vergangenheit: „Alles ist besser als der Zustellstützpunkt.“ Er lobte die aufgelockerte, abgestufte Bebauung mit unterschiedlichen Dachformen und Zugängen zum Innenhof. „Wir wussten vor einigen Jahren noch nicht, was wir dort machen sollten“, so sein Fraktionskollege Gerd Ruchlinski. Jetzt sei eine kompakte Lösung mit hoher Qualität in Aussicht.

CSU-Fraktionssprecher Anton Sterr kommt die Bebauung zu massiv vor, sie sei zu wenig gegliedert. „Es schaut aus wie ein Kasernenhof.“ Dieser Eindruck sei auch der Tatsache geschuldet, dass sich die Planung in einem frühen Stadium befindet und die Darstellung noch nicht detailliert ist, wandten die Befürworter ein. Die Länge der Gebäude werde durch unterschiedliche Fassaden noch gebrochen, so Architektin Dreer. Auch Sterr glaubt, dass man eine stimmige Lösung finden werde. Sehr positiv sieht er insbesondere, dass man die beiden Eigentümer zusammengespannt hat.

Einstimmig hat der Ausschuss die Bebauungsplanänderung befürwortet, um mit diesem Nutzungskonzept in das weitere Verfahren zu gehen.

Verkehrsgutachten: Keine Mehrbelastung

Parallel zur Erstellung des Nutzungskonzepts wurde ein Verkehrsgutachten mit Videoaufzeichnung in Auftrag gegeben, um die genauen Verkehrsbewegungen im Viertel zu ermitteln. Wie Stadtbau-Geschäftsführer Götz Keßler im Ausschuss erklärte, führt die vorgeschlagene Bebauung natürlich zu keiner Entlastung, aber auch zu keinen nennenswerten Mehrbelastungen.

„Bis 7.33 Uhr ist gar nichts los. Da kann man auf der Straße campen. Von 7.35 bis 7.55 Uhr ist Halligallli. Dann fährt der letzte Bus aus dem Viertel“, beschrieb Keßler die Situation im Schulzentrum Süd. Der Verkehr, der durch die vorgesehene Wohnnutzung entsteht, sei in diesem Rahmen schlicht zu vernachlässigen. Die Mehrbelastung bewege sich im Bereich der schon jetzt vorhandenen Verkehrsschwankungen.

Aufgezeigt werde durch das Gutachten erneut, dass die neuralgischen Punkte, die Linksabbiegespur von der Mozartstraße auf die Kraiburger Straße und von der Franz-Liszt-Straße auf die Berliner Straße, Probleme bereiten. Diese Kreuzungen müsse man ausbauen.

Keßler bestätigt auf Einwand der CSU-Stadträte Eva Köhr und Anton Sterr, dass die Planung zu einer Reduzierung der Parkplätze führt, die derzeit durch das Gymnasium genutzt werden. Darüber werde man Gespräche mit dem Landkreis führen, der im Zuge der geplanten Baumaßnahme am Gymnasium laut Keßler den Bau eines Parkdecks in Erwägung zieht.

Eva Köhr befürchtet große Probleme aufgrund des ausufernden Hol- und Bringverkehrs am Gymnasium. Das Problem sieht zwar auch Keßler. Allerdings sei es nicht ein Problem der geplanten Bebauung, sondern des Gymnasiums. Durch die Bebauung werde die Situation weder besser noch schlechter. „Wir können dieses Problem nicht über die Bebauung lösen.“hg

Das Projekt in Zahlen

Baugrundstück: fast 12000 Quadratmeter

Wohnfläche: fast 9000 Quadratmeter

Wohneinheiten: etwa 130

Stellplatzbedarf: etwa 155, davon etwa 60 oberirdisch

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