Aschau – Pater Bernhard Stiegler hat eine klare Position. Der Leiter des Pfarrverbands Aschau sprach sich vor etwa Hundert Zuhörern im Pfarrheim erneut dafür aus, für das wegen Schimmelbefalls leer stehende Pfarrhaus keinen pastoralen Bedarf mehr anzumelden. Pfarr- und Pfarrerbüro sind in das Pfarrheim umgezogen. Was ursprünglich als Notfallmaßnahme aus gesundheitlichen Gründen erfolgte, soll Dauerzustand werden.
Pater Stiegler: Verkauf ist „alternativlos“
Sobald die Pfarrei erklärt, dass sie die Räume im Pfarrhaus nicht mehr für pastorale Zwecke braucht, fiele das Gebäude samt Grundstück an die Pfarrpfründestiftung zurück, die es veräußern würde. „Mir ist das keine Freude, so etwas einzuleiten. Ich weiß, damit mache ich mir hier keine Freunde“, so der Ordensgeistliche, der den Verkauf als „alternativlos“ ansieht. Stiegler argumentiert damit, dass die Kirche, auch im Pfarrverband Aschau, in Zukunft nicht mehr alle Baulasten erhalten könne. Er zitierte aus einem Brief von der Stelle für Pastoralraumanalyse im Ordinariat. Dessen Tenor: Aschau verfüge im Vergleich zu anderen Gemeinden über eine günstige Raumsituation. Die Kirchenstiftung solle deshalb erklären, dass sie das Pfarrhaus nicht braucht. Die Kirchenstiftung, die Mieter des Pfarrhauses ist, würde weder Mittel vom Ordinariat noch eine Genehmigung für eine Sanierung bekommen, so das Signal aus München.
Die Notfallmaßnahme habe sich bewährt, so Stiegler, der ebenso wie Pfarrsekretärin Kuni Eibl mit der neuen Situation zufrieden ist. Sie fühle sich im Pfarrheim viel besser ins Leben der Pfarrei integriert, die Räume seien heller, so Eibl. Auch für das überschaubare Archiv sei Platz, in Stahlschränken, die im Keller im Gang aufgestellt werden.
Kirchenpfleger Matthias Salzeder steht hinter der Notfallmaßnahme, tut sich aber sehr schwer, das Pfarrhaus aufzugeben. Bei einem gemeinsamen Gespräch von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat habe sich die mehrheitliche Meinung herauskristallisiert, dass die pastoralen Räume ausreichen, berichtete er. Auch wenn es derzeit keine aktive Jugendgruppe gibt, mag sich Salzeder aber nicht damit abfinden, das der Jugendraum durch die Büronutzung für immer wegfällt. Und was, wenn in einigen Jahren eine Wohnung für einen pastoralen Mitarbeiter gebraucht werde oder ein Austragspfarrer nach Aschau komme?
Derzeit fehle es nicht nur an Priestern, sondern auch an hauptamtlichen Laienmitarbeitern. So Pater Stiegler. Das seien keine stichhaltigen Argumente gegenüber dem Ordinariat.
Kirchenpfleger ärgert sich über Ordinariat
Nach einem Gespräch mit Weihbischof Bernard Haßlberger hat Salzeder die Möglichkeit einer pastoralen Nutzung durch die Pfarrei aber noch nicht aufgegeben. Allerdings weiß auch er: Das muss wirtschaftlich machbar sein. Und eine Chance gebe es wohl nur, wenn sich die Pfarrei einig ist. Ärgerlich findet der Kirchenpfleger, dass von München auf das Baubudget verwiesen werde, andererseits aber 240 Millionen Euro für den Domberg in Freising zur Verfügung stehen.
Und Salzeder ärgert sich auch darüber, dass bis heute kein Gespräch mit den Vertretern des Ordinariats möglich war, weil die Terminvorschläge der Hauptamtlichen am Vormittag und frühen Nachmittag für Ehrenamtliche nicht machbar sind.
Der Kirchenpfleger, der wie andere Aschauer einen Verkauf an einen privaten Investor befürchtet, hätte gerne Sicherheit, wie es mit dem Pfarrhaus bei einem Verzicht der Pfarrei auf eine pastorale Nutzung weitergeht. Nach seinen Informationen werde das Gebäude auf Erbpachtbasis im Bieterverfahren an den Meistbietenden vergeben. Die erhoffte schriftliche Erklärung der Pfarrpfründestiftung, wie sie im Fall eines Verzichts der Kirchenstiftung vorgehe, blieb bisher aus. Solange nicht klar sei, was man unterschreibt und was mit dem Haus geschieht, sollte man nicht abstimmen, warnte Pfarrgemeinderat Ernst Doleschal.
Dazu Pater Stiegler: Die Stiftung könne sich nicht darauf festlegen, dass sie das Pfarrhaus an die Gemeinde veräußert. Das lasse das Stiftungsgesetz nicht zu. Das Anwesen dürfe nicht unter Verkehrswert vergeben werden. Der Pfarrer hält es für sehr realistisch, dass die Gemeinde zum Zug kommt. Der Schimmelbefall, die Notwendigkeit eine Feuchtigkeitssperre einzuziehen und die Heizung zu erneuern, schmälere den Wert. Stiegler sprach von Kosten in Höhe von 6000 bis 80000 Euro, die dadurch entstehen. Spekulanten, die großen Gewinn wollen, „machen einen großen Bogen drum rum“, glaubt der Pater.
Altbürgermeister gegen übereilte Entscheidung
Elisabeth Garner, die ehemalige Pfarrsekretärin, erinnerte daran, dass bei der Sanierung 1995 fachliche Fehler gemacht wurden, die zu Schimmelbefall geführt hätten. „Man kann das Ordinariat nicht aus der Verantwortung entlassen.“
Deutliche Kritik an der Position Stieglers übte Altbürgermeister Josef Huber. Er sieht die Kirche in der Pflicht. Der Schimmelbefall sei lange bekannt. Man habe das Haus vergammeln lassen und jetzt solle es verkauft werden. „Man hätte längst sanieren müssen.“ Er sprach sich dafür aus, sich für die Entscheidung Zeit zu lassen, die öffentlichen Diskussionen hätten erst mit dem Bericht in der Zeitung begonnen.
Für eine Entscheidung der Kirchenverwaltung ist keine Frist gesetzt. Die Zeit drängt allerdings im Hinblick auf den schlechten Zustand des Gebäudes. Ein großes Problem ist die Heizung, für die es keine Ersatzteile mehr gibt. Durch weitere Verzögerungen steigen Kosten für Unterhalt und Sanierung. Pater Stiegler: „Hinausschieben löst keine Probleme, sondern verschärft sie.“ Im November wird zudem eine neue Kirchenverwaltung gewählt, es wäre nicht sinnvoll, ein neues Gremium mit einer Entscheidung von solcher Tragweite zu belasten.
Der Pfarrer will in der Sitzung am kommenden Freitag (28. September) eine Entscheidung herbeiführen. In der Pfarrversammlung im Oktober soll dann darüber informiert werden.
Viele Ideen für künftige Nutzung
Die politische Gemeinde hat sich laut Bürgermeister Alois Salzeder noch nicht festgelegt. Es gibt keinen Beschluss, ob die Gemeinde das Haus erwerben will. Auch im Gemeinderat besteht nach seinen Worten aber weitgehend Konsens darüber, dass das Gebäude samt dem dazugehörigen Obstgarten erhalten werden sollte. Es brauche eine schnelle Lösung. Eine Sanierung sei machbar. Das Haus liegt im ISEK-Fördergebiet, das heißt bis zu 60 Prozent Förderung aus der Städtebauförderung ist möglich.
An Ideen für eine künftige Nutzung des Pfarrhauses fehlt es nicht. Pfarrer Stiegler rät zur Vermietung. Eine Großfamilie oder ein Tierarzt samt Praxis könnte dort einziehen. Hannelore Gottwald sähe am liebsten ein Aschauer Heimatmuseum in dem Gebäude. Christa Gams wünscht sich eine Seniorenresidenz mit Garten.