Tag der Begegnung im Garser Pfarrheim

„Für uns unvorstellbare Zustände“

von Redaktion

Christian Springer bringt normalerweise sein Publikum zum Lachen. Als Kabarettist. In Gars blieben auch nicht alle Augen immer trocken. Lachtränen waren es aber nicht: Springer erzählte von seinen Erlebnissen in Syrien und im Libanon als Gründer und Motor der „Orienthelfer“.

Gars – Der Münchner Kabarettist und Autor Christian Springer traf im Garser Pfarrheim auf viele interessierte Zuhörer und schildert in rund eineinhalb Stunden eindrucksvoll seine Motivation zur Gründung der „Orienthelfer e.V.“ und das Erlebte auf seinen Reisen in den Orient.

Den Erlös des Adventszaubers 2016 spendete man seinerzeit an den Orienthelfer e.V. und steht seither nicht nur mit dem Verein, sondern auch mit dessen Gründer, Christian Springer, regelmäßig in Kontakt, der zum Tag der Begegnung 2018 persönlich über seine Motivation und sein Anliegen berichten wollte. So stimmte Maria Schwarzenbeck (KDFB Gars) die zahlreichen Gäste auf den bevorstehenden Vortrag ein und übergab dann das Wort an Christian Springer.

Bereits im Kindesalter wurde, durch die Lektüre des Buches „Durch die Wüste“ von Karl May, sein Interesse am Orient geweckt, welches ihn die ganzen Jahre begleitete und aus den heute leider gegebenen Anlässen zur Gründung des Vereins und zu Besuchen in Syrien und im Libanon führte, erzählte Springer.

Zurück in Deutschland berühren ihn die jüngsten Vorfälle gegen Migranten und die vielerorts aufgeheizte Stimmung gegen diese ganz besonders, „ein Grund mehr sich noch stärker zu engagieren und durch Information auf deren verzweifelte Lage hinzuweisen“.

Libyen, ein Land gerade mal so groß wie Niederbayern, mit rund vier Millionen Einwohnern, gewährt rund 1,5 Millionen Flüchtlingen aus Syrien Zuflucht: Eine Zuflucht die teuer erkauft werden muss und bei mangelnden Geldreserven nicht selten von Frauen und Mädchen gegenüber den Grundeigentümern zu tilgen ist, wie Springer berichtet. Katastrophale und für uns unvorstellbare Zustände seien es, die diese Menschen dazu bewegen, unter höchster Gefahr für Leib und Leben den beschwerlichen Weg nach Europa auf sich zu nehmen, ein Weg, auf dem nicht wenige den Tod finden.

Mit seinem Verein, der bereits mehrfach für sein Werk ausgezeichnet wurde, versucht der Künstler – der von vielen prominenten Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel Monika Gruber, unterstützt wird – immer wieder, vor Ort das Leid der Betroffenen zu lindern, ihnen durch Spenden ermöglichte Hilfsgüter zukommen zu lassen. Stofftiere zum Beispiel finden dort eine ganz neue Bedeutung, sie werden für die neuen „Besitzer“ schnell zu regelrechten Vertrauten, spenden ihnen Trost und Zuversicht.

Feldküchen, Sankas und Löschfahrzeuge

Feldküchen, um eine Grundversorgung zu sichern, selbst dringend benötigte Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge konnte der Verein den Betroffenen bereits zur Verfügung stellen, aber auch das Thema Hilfe zur Selbsthilfe steht im Mittelpunkt der Bemühungen. Mit einer Handwerksschule vermittelt man Wissen und Möglichkeiten, die ansonsten zahlreich verwehrt bleiben. Das Pflanzen von Saatgut in der libanesischen Bekaa-Ebene nahe der Grenze zu Syrien lindert nicht nur aktuell den Hunger, es gibt die Mittel an die Hand, zukünftig ein Stück weit selber für die Verpflegung Sorge zu tragen und gibt den Menschen darüber hinaus ein Stück Selbstwertgefühl zurück.

Die in Europa verübten Anschläge verurteilt auch der Künstler auf das Schärfste, erkennt aber auch, dass diese pauschal dem Islam zugeschrieben werden: „Extremisten, die solche Taten verüben, haben keine Religion, sie bedienen sich dieser nur!“ sagt Springer deutlich. Und der Kabarettist zieht einen interessanten Vergleich: „Auch die katholische Kirche blickt nicht nur auf eine glänzende Vergangenheit zurück, trotzdem käme keiner auf die Idee, die Katholiken pauschal als Extremisten, ja als Terroristen, zu bezeichnen.“

Traumatisierte Kinder, Frauen, Mütter und auch Männer trifft man nicht nur in der von ihm bereisten Region an, sondern im ganzen vorderen Orient. Geflüchtete Menschen die nun allesamt Unterstützung und Solidarität benötigten um „hoffentlich bald“ zu einem normalen, geregelten Leben in ihre Heimat zurückkehren zu können, die verlassen zu müssen bereits tiefe Wunden gerissen hat.

Der KDFB Gars lud bereits im Vorfeld zu Kaffee und Kuchen ein, den daraus resultierenden Spendenerlös überreichte man erneut zur Unterstützung des Orienthelfer e.V. und wird wohl auch in Zukunft mit diversen Aktionen versuchen die Arbeit des Vereins zu unterstützen.

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