Caritas-Schuldnerberatung

30 Jahre für die Menschen

von Redaktion

„Erfolg ist in der Sozialen Arbeit sehr schwer messbar“, so Konrad Schleißheimer bei einer Veranstaltung anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Caritas-Schuldnerberatung. Schleißheimer arbeitet seit 1990 als Schuldnerberater in Waldkraiburg.

Waldkraiburg – Konrad Schleißheimer betonte, dass eine Minderheit der Menschen, die seinen Rat suchen, ihre Schulden auf die leichte Schulter nehmen. Die meisten schämen sich, fühlen sich schuldig. Und die Gründe, die sie in diese Situation gebracht haben, haben sich über die Zeit geändert. Heute sind es Handyverträge, das Kaufen „auf Pump“.

Derzeit 338 Haushalte im Landkreis in der Schuldnerberatung

Als die Schuldnerberatung ihre Arbeit vor 30 Jahren in Waldkraiburg aufnahm, waren es Menschen, die aus Osteuropa nach Deutschland kamen. Solche, die kaufen wollten, teils übers Ohr gehauen wurden. Später hätten sich wohlhabende Menschen aus der Region mit dem Kauf von Schrottimmobilien in Ostdeutschland verschuldet. Aktuell erkennt Schleißheimer ein Paradox: „Trotz extrem starker Konjunktur, steigt die Zahl der Menschen, die Beratung brauchen.“ Derzeit seien 338 Haushalte im Landkreis in Beratung.

Unabhängige Beratung

Bei einer Podiumsdiskussion im Bischof-Neumann-Haus waren sich die Teilnehmer einig, wie wichtig die Arbeit der Schuldnerberatung sei. Auf die provokante Frage von Caritas-Kreisgeschäftsführer Richard Stefke, der die Runde moderierte, ob es sich bei dem Jubiläum um eine Erfolgsgeschichte oder ein Armutszeugnis handelt, antwortete Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch: „Eine Erfolgsgeschichte, weil sie so vielen Menschen helfen konnte.“ Seiner Auffassung nach müsse das Ziel sein, dass die Schuldnerberatung noch mehr Menschen mit ihrer Hilfe erreiche.

Landrat Georg Huber betonte, wie wichtig es sei, dass die Schuldnerberatung der Caritas unabhängig sei. Nicht der Staat oder eine Kommunalbehörde wie das Landratsamt sollten diese Aufgabe übernehmen, wenngleich sie finanziell dabei unterstützten. Für die Zukunft sei es aus seiner Sicht nötig, die Schuldner- und die Insolvenzberatung zusammenzulegen.

Eben diese Unabhängigkeit der Schuldnerberatung durch die Caritas lobte auch Reinhard Frauscher, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der VR Meine Raiffeisenbank. Aus Sicht der Kreditinstitute sei das Marketing-Verhalten anderer Unternehmen Ausschlag dafür, dass heute mehr auf Kredit gekauft werde als früher. Als Beispiel nannte er, dass Autos teilweise über Kredite direkt bei Autohäusern erworben werden.

Der Caritasdirektor der Erzdiözese München und Freising, Georg Falterbaum, sagte während der Podiumsdiskussion, dass Armut aus seiner Sicht nur durch die gesamte Gesellschaft zu lösen sei. „Bildung ist die beste Prävention.“ Bereits in seinem Grußwort hatte Falterbaum das Selbstverständnis der Caritas in ihrer Arbeit skizziert. „Armutsarbeit ist eine – vielleicht sogar die Kernaufgabe – der Caritas“, erklärte er.

Armutsrisiko Miete

„Das Ideal einer armutsfreien Gesellschaft ist wohl nie zu realisieren. Es aufzugeben, kommt aber nicht in Frage.“ Es gehe der Caritas nicht darum, Almosen zu verteilen, sondern durch ihre Armutsarbeit ein Menschenrecht zu gewähren. Selbst in Oberbayern werde das Risiko, in Armut abzurutschen, immer größer. Dazu trage insbesondere bei, dass die Mieten immer weiter steigen.

Die Caritas wendet sich auch mit ihrer Kampagne des Jahres 2018 „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ dem Thema zu. Zentral fordert sie, das sagte auch Falterbaum in seinem Grußwort, den Bau von mehr Sozialwohnungen. Außerdem kündigte Georg Falterbaum an, dass bald ehrenamtliche Helfer im Namen der Caritas für Hilfsbedürftige sammeln werden. 60 Prozent der Spenden würden an die örtlichen Caritas-Zentren gehen, der Rest an die Pfarreien.

Artikel 11 von 11