Sorgten für Gesprächsstoff (von links): Günter Zellner, Kilian Maier, Johann Schwaiger, Judith Bogner, Markus Saller, Peter Corticelli und Richard Fischer.Fotos hos
Dass beim „World Café“ nicht nur Besucher, sondern auch Unterstützer der Kandidaten dabei waren, hatte sein Gutes. Echte Diskussionen unter Anhängern verschiedener Parteien zu sehen, das „zeigt, dass die Parteien nicht austauschbar sind, sondern es durchaus große Unterschiede gibt“, sagte Günter Zellner, Regionsgeschäftsführer des veranstaltenden DGB.
Im „World Café“ angeregt diskutiert
Waldkraiburg – Der Gewerkschaftsbund hatte in die Schenkerhalle zum „World Café zur Landtagswahl“ mit Vertretern der Parteien eingeladen.
An großen Tischen hatten sich Judith Bogner (Bündnis 90/Die Grünen), Peter Corticelli (FDP), Johann Schwaiger (CSU), Kilian Maier (SPD) und Markus Saller (Freie Wähler) in der Schenkerhalle eingerichtet – mit Wahlflyern, Programmen und Plakaten begrüßten sie die Besucher.
Nach dem Grußwort von Zweitem Bürgermeister und DGB-Kreisvorsitzendem Richard Fischer wurden die Regeln erläutert. Die Kandidaten und ein Diskussionsleiter blieben an ihrem Tisch sitzen. Zu den drei Hauptthemen, die der DGB als besonders wichtig empfand, durfte drauflosdiskutiert werden: Bezahlbarer Wohnraum, gute Arbeit und bessere Infrastruktur waren vorgegeben. Vier Runden mit je einer Viertelstunde gab es, eine Ratsche läutete den Tischwechsel ein. Ein bisschen wie beim Speed--Dating. Nachdem die Kandidaten sich kurz vorgestellt hatten, wurde gestartet. Die Diskussionen waren sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Eine Besucherin sprach Judith Bogner auf die beinahe unmögliche Wohnungssuche vor allem für Alleinerziehende an. Als diese sie fragte, woran diese Misere ihrer Meinung nach liege, wollten Diskussionsteilnehmer, die anderen Parteien angehörten, aber lieber die Meinung der Kandidatin dazu hören und so kam es an manchen Tischen eher zu einem Austausch von Parteikontrahenten als zwischen Besuchern und Kandidaten.
Aber auch daraus ergaben sich interessante Gespräche, zum Beispiel bei FDP-Kandidat Corticelli, der hitzig mit einem SPD-Mitglied über die Sinnhaftigkeit von Studiengebühren diskutierte, für deren Einführung er eintritt.
In Sachen Infrastruktur merkte man, dass ein großer Aufreger der Besucher beim langsamen Internet lag, das aber weniger ein Problem mangelnden politischen Willens als ein Problem der Anbieterfirmen sei, wie am Tisch der Freien Wähler erläutert wurde.
Auch die Kosten für den ÖPNV (von einem pendelnden Studenten eindrucksvoll dargestellt) und krank machende Arbeitsbedingungen sprachen die Besucher an.
Am Ende stellten die Diskussionsleiter (nicht die Kandidaten) die Ergebnisse der Gespräche vor. Ein interessantes Format abseits der klassischen Podiumsdiskussion: „Auf der Bühne hat jeder Kandidat vier bis sechs Minuten und es gibt zwischen zwei und vier Personen aus dem Publikum, die Fragen stellen. Ich glaube, hier sind Sie alle etwas mehr zum Reden gekommen“, stellte Günter Zellner zum Abschluss erfreut fest.