von Redaktion

Ein Gedenkstein, der verbindet: Die Stele für den 1941 von den Nazis ermordeten polnischen Zwangsarbeiter Stefan Duda bringt heute die Menschen zusammen. Polnische Künstler veranstalten in Gallenbach einen Konzertabend. Sie wollen, dass möglichst viele Landsleute erfahren, dass Deutsche dem jungen Zwangsarbeiter diese Wertschätzung entgegenbringen.

Konzertabend für Fremde und Freunde

Taufkirchen – Junge Polen wurden von den Nazis gejagt, getrieben, zwangsrekrutiert, verschleppt und als billige Arbeitskräfte in Deutschland eingesetzt. Diese Wunde bei den Nachbarn im Osten sitzt heute noch tief.

Das Ziel: Vorurteile zwischen Deutschen und Polen abbauen

Umso wichtiger sei es, dass Polen erfahren, wie Deutsche heute Zwangsarbeitern gedenken, sagen die Künstler Andreas Bialas und Agnieszka Larisch mit Blick auf den Gedenkstein von Stefan Duda in Gallenbach. An seine Ermordung vor 77 Jahren erinnert eine Stele, die die Wirtsleute Claudia und Hilarius Maier-Häußler dort aufgestellt haben, wo der Galgen stand. Eine Herzensentscheidung für die beiden.

Der junge Duda verliebte sich in eine bayerische Bauerntochter – und wurde dafür in einem Schauprozess gehenkt (wir berichteten). „Rassenschande“ und Freundschaft zwischen den Völkern war lebensgefährlich – so die Botschaft.

„Dieses Grauen soll nicht im Vordergrund stehen“, erklärt Hilarius Maier-Häußler, sondern das Zusammenkommen von Menschen. Das will auch Andreas Bialas vom Kunstverein Inn-Salzach. Der Pole möchte das Gemeinsame herausstellen, das Verbindende des Gedenkanlasses und organisiert mit der polnischen Sopranistin Agnieszka Larisch einen Konzertabend „als Zeichen der Wertschätzung für Stefan Duda und für belebte Menschlichkeit“.

Das „Trio Amare“ aus der Berufsfachschule für Musik in Altötting tritt am kommenden Donnerstag, 11. Oktober, ab 19.30 Uhr im Wirtshaus in Gallenbach auf. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten. Einlass ist ab 18 Uhr, es gibt warme Küche.

„Wir wollen Vorurteile zwischen Deutschen und Polen abbauen“, so Larisch, die um die Berührungsängste auf beiden Seiten weiß. „Es ist so wichtig, dass Polen erfahren, dass es Deutsche waren, die dieses Gedenken für einen polnischen Zwangsarbeiter initiiert haben“, sagt die junge Frau. Ihre Landsleute brauchen das, denn viele verbinden mit den Deutschen Nachbarn nur schlimmste Erinnerungen. Dabei haben beide Seiten Schreckliches und Tragisches durch den Krieg mitgemacht und Väter und Brüder verloren.

„Die Gedenkstätte von Hilarius und Claudia ist für uns Polen ein Geschenk“, findet Bialas. „Das ist etwas für mehrere Generationen“, pflichtet Larisch bei.

Sie wird polnische Volkslieder vortragen, ihre Kollegin Saki Yoshida, die zum Musiker-Trio gehört, japanische Stücke, in denen es um Liebe und Sehnsucht nach Heimat geht. Begleiten wird sie Niklas Jira auf seiner Gitarre. Zudem kann man Werken von Beethoven, Obradors, Strozzi, Pomaranski, Frescobaldi, Rodrigo, Sor und etwa Yamaha lauschen.

Die Liebe ist der Schlüssel. „Stefan Duda und die Einheimische Anna lernten sich in Liebe kennen. Das ist es, was vom Gedenkstein bleiben soll. Das Holz in der Stele ist vergänglich, wird verwittern und herausfallen. Es symbolisiert den Tod des jungen Mannes. Dahinter hat die Steinmetzmeisterin Franziska Kreipl-Poller in den Stein das Wort ,Liebe‘ eingemeißelt“, so der Wirt, der sich wünscht, dass noch viele Begegnungsabende wie dieser folgen werden. Und dass aus Fremden Freunde werden.

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