von Redaktion

„Mein Enkel kommt ans Gymnasium, jetzt ist es Zeit, aufzuhören“, sagt Margit Roller, die dort 27 Jahre lang ununterbrochen ehrenamtlich tätig war – ob als Mitglied oder Vorsitzende von Elternbeirat oder vom Förderverein.

Waldkraiburg – Margit Roller war schon im Kopernikus-Kindergarten in den 80er- Jahren und an der Goethe-Grundschule bis in die 90er- Jahre im Elternbeirat sowie im Gesamt-Elternbeirat an den Waldkraiburger Grund- und Hauptschulen, bevor sie sich in diesem Bereich auch am Mühldorfer sowie am Waldkraiburger Gymnasium engagierte und auch seit 1998 im Förderverein tätig wurde. Nun wurde sie nach 27 Jahren des ehrenamtlichen Engagements am Gymnasium verabschiedet.

Frau Roller, das ist eine beachtliche Konstante. Wie kamen Sie zu diesem Engagement?

Der Grundstein war 1977 in meiner Zeit als Schülersprecherin gelegt worden. Ich musste vom Gymnasium Mainburg nach Landshut an die Oberstufe wechseln. Wie früher in Waldkraiburg hatten wir in Mainburg noch kein Vollgymnasium. Als ich 16 war, verabschiedete ich auf der Bühne unseren Schulleiter, der in Ruhestand ging. Ich zitterte vor Aufregung. Das Reden liebe ich nicht.

Im Stadtrat sind Sie doch für Ihre pointierten Wortbeiträge bekannt.

Mich spontan in einer Diskussion einzubringen, das liegt mir mehr. Aber auch im Stadtrat mag ich keine Reden vortragen müssen.

Wie sah Ihr Engagement als Schülerin damals aus?

Zum Abschied des Direktors sammelte ich von allen ein Fünfzigerl am Pausenhof ein für ein kleines Geschenk. Ich erinnere mich auch, dass ich gemeinsam mit der Kunstlehrerin Kunstwerke der anderen Schüler zusammenstellte für eine Ausstellung im Foyer. Schule war für mich nie ein Ort, wo nur gelernt wird, sondern auch ein Ort des sozialen Miteinanders.

Zwei Jahre waren Sie gleichzeitig Elternbeiratsvorsitzende am Mühldorfer und am Waldkraiburger Gymnasium. Wie kam das?

Meine Töchter waren auf beiden Schulen, das war in der Übergangsphase, als Waldkraiburger Schüler zur Oberstufe noch nach Mühldorf mussten, bevor wir selbst Vollgymnasium wurden. Bis dahin gab es ein Konkurrenzdenken an beiden Einrichtungen, jedoch ging es um die Sache. Das Mühldorfer Gymnasium sollte nicht geschwächt werden und Waldkraiburg war groß genug, allein bestehen zu können.

War es dennoch eine schwierige Situation?

Nein. Ich war ein Bindeglied zwischen beiden Schulen und vertrat die Gemeinschaftsmeinung der jeweiligen Elternbeiräte zu den Schulleitern. Auch der Förderverein, dem ich seit 1998 angehörte, begleitete die „Entflechtungsphase bis zur Selbstständigkeit“, erarbeitete Kompromisse und regelte etwa die Vermögensaufteilung.

Elternbeiräte haben ja oft den Ruf, nur fürs Kuchenbacken und Kaffeeausschenken zuständig zu sein.

Das gehört auch dazu, aber nicht vordergründig. Der Elternbeirat ist wie die Schulleitung, die Schülermitverwaltung und das Lehrerkollegium ein Rädchen der Schulfamilie. Jeder Teil bringt seine Sichtweise ein und einen anderen Blickwinkel. Als Waldkraiburg selbstständig wurde, startete auch der Bildungspakt Bayern und die Kooperationen mit der Wirtschaft begannen. Dadurch konnten finanzielle Mittel generiert werden. Es war spannend, das mitzuerleben. Ebenso die Vernetzung mit anderen Gymnasien in Oberbayern über die Vereinigung der Elternbeiräte. Man schaute über den Tellerrand hinaus.

Aber der Bewirtungspart gehört auch dazu?

Natürlich unterstützt der Elternbeirat die Schulveranstaltungen, das Gesellige ist wichtig. Wie eben Sportfeste, Schulfeste oder gar die Abiturfeiern.

Und der Förderverein macht‘s möglich, dass eine Klasse ins Theater fahren kann oder ein Raum besser ausgestattet wird?

Ja, zum Beispiel. Gefördert wird, was dem Wissen und der Kultur dient. Entstanden ist der Verein, als es durch den Landkreis noch nicht so viele Zuschussmöglichkeiten gab, etwa, wenn Eltern sich die Klassenfahrt nicht leisten konnten. Diese Einzelanträge an uns sind inzwischen zurückgegangen. Wir springen da ein, wo der Landkreis nicht zuständig ist, etwa bei Buskosten für eine Exkursion oder der Anschaffung von zusätzlichen Lernmitteln oder Instrumenten. Als wir mal sehr viel Geld hatten, haben wir für 20000 Euro einen zweiten Computerraum angeschafft. Bis dahin mussten sich immer zwei Kinder einen PC teilen – das ist nicht sehr förderlich für den Lerneffekt. Über den Etat des Landkreises können wir uns aber nicht beschweren.

Die Förderung muss einen Mehrwert für die Schüler haben.

Ja, es geht um zusätzliche Angebote im Unterricht. Das ist gut für die Lehrer, wenn sie damit planen können. Und vielen Kindern wird so die Teilhabe ermöglicht. Unsere Tätigkeit ist komplett ehrenamtlich, das heißt, jeder Cent bleibt für die Schüler.

Warum hören Sie jetzt auf?

Mein Enkel kommt ans Gymnasium, da wird es Zeit (lacht). Ich habe die konstruktive Arbeit im Team des Elternbeirats und des Fördervereins sehr geschätzt, es war schön, Bestandteil eines großen Ganzen zu sein. Die gegenseitige Wertschätzung – auch mit den Schulleitern – war toll.

Was ist Ihr Wunsch für das Gymnasium Waldkraiburg?

Dass es eine Bildungsstätte bleibt, die den Kindern nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch eine soziale und verantwortungsvolle Einstellung zur Gesellschaft. Die Schule kann beitragen, dass Gesellschaft funktioniert, im Großen, wie im Kleinen, damit man für das Leben gerüstet ist. Lehrer sind keine Ersatzeltern, aber sie sollen sich für das Miteinander einsetzen. Dass aus unseren Kindern nicht nur „Fachidioten“ werden, sondern wertvolle Menschen.

Übern Tellerrand schauen

Lehrer sind keine Ersatzeltern,

aber sie sollen sich für das soziale Miteinander einsetzen. Dass aus unseren Kindern nicht nur Fachidioten werden, sondern wertvolle Menschen.“

Margit Roller

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