Manchmal bringt der Zweite Bürgermeister seine Stadtratskollegen zum Rätseln. Neulich zum Beispiel, als Richard Fischer im Haupt- und Finanzausschuss unvermittelt die Frage in die Runde warf: „Wie sieht‘s denn aus mit dem Mammutprojekt?“
Klar, dass da jedem Waldkraiburger Kommunalpolitiker sofort die Gegenfrage in den Kopf schießt: Ja, welches von dem guten Dutzend Mammutprojekte, die wir grade an der Backe haben, meint er denn, verdammt noch mal? Rathaus-Zukunft? Freibad-Lösung? Kita-Neubau? Gewerbegebiets-Entwicklung? Bauland-Ausweisung? Pürten-Umfahrung? Schulsanierung? Geothermie-Ausbau? Haushalts-Konsolidierung? Hochschul-Technologie-Standort-Entwicklung?…
Dabei hatte sich der Zweite Bürgermeister eigentlich nur mal beiläufig nach dem Ebinger Urelefanten erkundigen wollen, wie sich herausstellte. Genauer: nach dem Sachstand beim geplanten sanften Tourismuspfad zu dem Urzeitviech, das in den 1970er-Jahren am Innufer entdeckt worden war. Gewissermaßen also ein Mini-Mammut im Vergleich zu den großen Kalibern, mit denen sich die Stadt im Waldkraiburger Mammutheum gewöhnlich herumzuschlagen hat.
Themen wie, sagen wir, die Wiesnbilanz zum Beispiel. Da laufen gewöhnlich ja auch die boarischen Urviecher zur großen Form auf. Nur leider trieb es heuer viel zu wenige davon in die Alpenland-Festhalle, die eigentlich Mittelpunkt des Volksfestes sein soll. Und weil auch andere Besucher spärlicher kamen, wurde bei der Manöverkritik Klartext geredet.
Anregungen für Verbesserungen gab es früher immer wieder, doch so deutlich wie heuer wurden die Schwachstellen in der Festhalle, beim Service, in der Zeltgestaltung und im Preis-Leistungs-Verhältnis, öffentlich noch nie angesprochen. Endlich! Auch wenn die Stadträte bei ihrer Kritikfreudigkeit nicht ganz vergessen sollten, dass die Verlegung des Festes kein Festwirt beschließen kann, sondern die Stadt entschieden hat. Hinterher hat sich rausgestellt, dass diese Entscheidung der Besucherzahl bestimmt nicht gut bekommen ist.
Das ändert nichts daran, dass sich etwas ändern muss, wenn das Volksfest wieder besseren Zeiten entgegengehen will. Vermutlich wird man nicht dran vorbei kommen, das Konzept als Ganzes zu überprüfen. Und da wird ein Thema sein, das 4000-Mann-Mammutzelt, das an der Nachfrage vorbei geht, zu schrumpfen und eine kleinteiligere Wiesn-Gastronomie-Struktur anzustreben. Es ist ja kein Zufall, dass Stadl, Weißbierkarussell und Weinlaube bei den Besuchern so wie der Manöverkritik im Ausschuss deutlich besser wegkamen, ebenso der Vergnügungspark, den Wiesnorganisator Norbert Meindl auf die Beine gestellt hatte.
Nicht wie ein Mammut, sondern – gefühlt – eher wie ein Tyrannosaurus-Rex kommt manchen Zeitgenossen die Sicherheitslage in der Stadt vor, besonders im Zusammenhang mit der Erstaufnahmedependance. Die Zahl der Straftaten, deren Opfer vor allem Bewohner in dieser Einrichtung selbst sind, hat in diesem Jahr zugenommen. Zahl und Ausmaß der Polizeieinsätze auch. Dennoch liegen Welten zwischen den objektiv belastbaren Zahlen aus der Straftatenstatistik, die dafür sprechen, dass es sich in der Stadt unverändert sicher leben lässt, und dem subjektiven Sicherheitsempfinden mancher Bürger.
Wie ein Treppenwitz ist dabei, dass die starke Präsenz, die die Polizei seit den Ausschreitungen im Juni zeigt, zeigen muss, um präventiv deeskalierend zu wirken und sich selbst wirksam zu schützen, nicht zwingend zur Beruhigung in der Stadt und im Umfeld der Einrichtung führt. Denn auch wenn gar nichts passiert oder passiert ist, werfen 20 Beamte vor der Erstaufnahme sofort die besorgte Frage auf: Was ist denn da wieder los?
Es ist müßig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob die vorübergehende Verstärkung für die Polizeiinspektion und die vorgezogene Ausstattung mit Body-Cams dem Wahlkampf geschuldet ist. Wichtig ist, dass es diese Unterstützung gibt. Darauf kommt es jedenfalls aus Sicht der betroffenen Beamten an, die seit Langem am Anschlag sind, nicht nur, aber eben auch in Waldkraiburg. Und die Überstunden vor sich her schieben, die auf keine Elefantenhaut mehr passen.
Klar ist ohnehin, kleiner werden die Probleme erst, wenn die zusätzlichen Polizeibeamten, die jetzt in der Ausbildung sind, die Lücken stopfen, die durch Entscheidungen der Vergangenheit entstanden sind.
In Aschau – wir schweifen auch in dieser Woche in die Nachbarschaft ab – ist die Entscheidung über die Zukunft des Pfarrhauses gefallen. Erwartungsgemäß wird es künftig nicht mehr pastoral genutzt, sondern verkauft. Das schmeckt nicht allen Gemeindemitgliedern, ist aber nach Lage der Dinge nahe liegend: Die Kirche wird nicht an allen überkommenen Selbstverständlichkeiten festhalten können, ob es nun Gebäude, Einrichtungen, pastorale Dienstleistungen sind.
Pater Bernhard Stiegler, Pfarrverbandsleiter in Aschau und Waldkraiburg, wird nicht müde, die Katholiken auf den Übergang von der versorgten zur sorgenden Gemeinde vorzubereiten. Ehrenamtliche Laien werden mehr Aufgaben übernehmen müssen. Allerdings werden sie dann über kurz oder lang auch unweigerlich mehr Mitsprache einfordern. Die Kirche, ihre Hierarchie, wird sich verändern müssen. Diesen Prozess zu moderieren ohne schwere Brüche, ohne den Rückzug weiterer, der letzten Engagierten, ist eine Mam- mutaufgabe.Hans Grundner