Patrozinium

Die erneuerte Uhr wird eingeweiht

von Redaktion

Viele Jahre hat sie nicht mehr funktioniert: die Sonnenuhr an der Kirche St. Maximilian. Jetzt hat sie Kirchenpfleger Robert Haider mit Unterstützung vieler Firmen und Fachleute wieder zum Strahlen gebracht.

Sepp Harrer zementiert die Polstab-Stützen ein.

Stefano Cafaggi übernahm die künstlerische Seite.

Am Donnerstag, 11. Oktober findet um 19 Uhr in St. Maximilian im Rahmen des Kirchenpatroziniums ein Gottesdienst statt. Die Messe geht mit einer kleinen Einweihungsfeier für die Sonnenwanduhr einher.huc

Alte Sonnenuhr in neuem Glanz

Kraiburg – „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur“, heißt ein bekannter Spruch, der im Leben allerdings nicht immer umzusetzen ist.

An der Südseite der Kirche St. Maximilian gilt dieser Satz, denn dort glänzt jetzt eine neue Wandsonnenuhr, die es darauf anlegt, lediglich die hellen Stunden eines Tages anzuzeigen.

Dass ein lautloser Zeitmesser nach vielen Jahren nun wieder die Leute erfreuen kann, die zu dem schmucken Gotteshaus wandern, ist Kirchenpfleger Robert Haider zu verdanken. Von der alten Sonnenuhr, die es wahrscheinlich schon in der Barockzeit gegeben hat, ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Haider vermutet, dass bei verschiedenen Restaurierungen die Sonnenuhr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Da waren offenbar Arbeiter am Werk, denen die Funktion dieser Art von Uhr ein Rätsel gewesen ist.“ Exakt kann es zwar nicht beschrieben werden, wann und warum die Uhr ihren Geist aufgab, doch der Kirchenpfleger nimmt unter anderem Folgendes an: „Aufgrund von Malerarbeiten und dem damit verbundenen Gerüstaufbau wurde wohl der Polstab herausgerissen und unfachmännisch wieder hineingesteckt“. Doch gerade der Polstab ist für die Zeitmessung einer Sonnenuhr ausschlaggebend.

Als Zeiger dient nämlich der linienförmige Schatten des Polstabes. Dieser ist parallel zur Erdachse ausgerichtet.

Die verblasste alte Sonnenuhr hat in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls nicht mehr funktioniert. Dieser Umstand bereitete dem Kirchenpfleger Kopfzerbrechen.

Vor zwei Jahren besuchte Robert Haider in Wasserburg einen Vortrag von Willy Bachmann, seines Zeichens Mathematiker und Experte für Sonnenuhren schlechthin.

Damit kam der Stein ins Rollen. Der Kirchenpfleger nahm Kontakt zu Bachmann auf, der später unentgeltlich die entsprechenden mathematischen Berechnungen übernahm, sodass die Sonnenuhr möglichst keine falschen Zeiten anzeigt.

Die Kirchenverwaltung stimmte der Erneuerung der Sonnenuhr zu und Haider holte die nötige denkmalschutzrechtliche Genehmigung ein.

Untersuchungen begannen und die Arbeiten konnten starten. Für den neuen Zeitmesser musste im Hinblick auf das Anbringen des Polstabes eine komplizierte Schablone erstellt werden.

Dieser Tätigkeit nahm sich für Gottes Lohn die Kraiburger Firma Holzbau Stenger an. Sepp Harrer vom Baugeschäft Brandl zementierte den Polstab in die Wand. Die Firma stellte ebenfalls keine Rechnung aus.

Für die künstlerische Seite des Zeitmessers wurde der renommierte Restaurator und Kunstmaler Stefano Cafaggi ins Boot geholt. Der gebürtige Italiener lebt in Regenstauf. „Ich male rechts und links zwei kuschelige Engel hin“, schmunzelt der bayerische Italiener, dem es gelungen ist, nach umfangreichen Arbeiten die neue Sonnenuhr zum Strahlen zu bringen.

Die Kosten für die Uhr mit nostalgischem Touch belaufen sich auf rund 5000 Euro. „Wir begleichen die Rechnung aus Mitteln der Kirchenstiftung St. Bartholomäus“, erklärt Robert Haider, der es allerdings nicht ausschließt, noch zu einer Sammelaktion aufzurufen.

Was die Sonnenuhr anzeigt

Die Ausrichtung des Polstabes (Zeigers) der Sonnenuhr sowie die „Stundenpfeile“ hat Diplom-Mathematiker und Chronologe Willy Bachmann aus Düsseldorf ganz offensichtlich richtig berechnet.

Mit einer Ablesetoleranz von unter drei Minuten kann sich die neue Wandsonnenuhr gut behaupten, wie Kirchenpfleger Robert Haider feststellt. Wer allerdings glaubt, an der Sonnenuhr ließe sich die augenblickliche Uhrzeit ablesen, liegt leider falsch.

Die Sonnenuhr zeigt die „Wahre Ortszeit (WOZ)“ – dabei steht um 12 Uhr mittags die Sonne am höchsten Punkt, im Meridian. Die WOZ gilt nur auf dem Längengrad, auf dem die Uhr liegt. Im Falle Maximilian ist das 12,42 Grad Ost, das heißt, man muss, um die augenblicklich geltende Sommerzeit zu errechnen, 1 Stunde 10 Minuten und 20 Sekunden dazuzählen.

Es gibt veröffentlichte Tabellen, die einem Datum zugeordnet sind, an denen man ablesen kann, ob man Minuten dazuzählen oder abziehen muss – das hat mit der elliptischen Bahn um die Sonne zu tun. Gegenwärtig sind 13 Minuten von dem errechneten Wert abzuziehen (am 3. November werden es beispielsweise 16 Minuten sein).

Artikel 1 von 11