Gemeinderat Siegfried Oswald sorgte für einen Paukenschlag: Er erklärte überraschend in der öffentlichen Sitzung seinen Rücktritt aus dem Aschauer Gremium – aus persönlichen, gesundheitlichen und politischen Gründen. Die nächste auf der CSU- Liste will nicht nachrücken.
Gemeinderat Oswald nimmt seinen Hut
Aschau – Diese Überraschung ist Siegfried Oswald gelungen: Der 68-Jährige verlas am Ende der öffentlichen Gemeinderatssitzung seine Rücktrittserklärung und verließ den Saal noch vor dem öffentlichen Teil. Zuvor bat er um Entbindung von seinen Aufgaben nach Artikel 48, Absatz 1, Satz 2 der Gemeinde- und Landkreiswahlordnung.
Er habe sich den Schritt reiflich überlegt und sich mit seinen Ärzten abgestimmt, die ihm dringend geraten haben, kürzerzutreten. Nach Rücksprache mit seiner Familie und seiner Fraktion habe er diesen Entschluss gefasst.
Kritik an
Alois Salzeder
Er sprach auch seine Unzufriedenheit und die Ärgernisse an, die mit seiner Tätigkeit als Gemeinderat einhergingen. Etwa die „mangelnde Bereitschaft seitens der Verwaltung und des Bürgermeisters, Beschlüsse des Gemeinderates zeit- und fristgerecht umzusetzen. Es musste hier immer wieder nachgehakt werden“, so Oswald. „Sehr oft lösten diese Fragen Staunen oder Kopfschütteln aus.“ Auch die oft endlos dauernden Debatten haben ihn genervt, wie er sagt. Meistens sei am Ende rausgekommen, was bereits am Anfang feststand und sich am sinnvollsten darstellte. Er hätte sich eine bessere Vorbereitung der Sitzungen gewünscht.
Auf Nachfrage der Zeitung erklärte er, seine Kritik beziehe sich hauptsächlich auf Bürgermeister Alois Salzeder. Die hoch geschaukelte Situation um das Bürgerbegehren gegen das interkommunale Freibad-Projekt habe bei ihm das „Fassl zum Überlaufen gebracht“, speziell das emotionale und unsachliche Verhalten des Gemeindeoberhaupts. Das Anliegen dieser Bürgerinitiative sei ein demokratischer Vorgang, da müsse man nicht hin- und herreden, so Oswald. In diesem Zusammenhang kritisiert er, dass für dieses Schwimmbad-Projekt 20000 Quadratmeter Wald abgeholzt werden, die Fläche wird versiegelt. „Muss das sein?“ Er erinnerte an das bayernweite Volksbegehren gegen Flächenfraß (das das Verfassungsgericht aus formalen Gründen im Juli gestoppt hat; der Kampf geht jedoch weiter, Anm. d. Red.). Er frage sich, wo hier der Aufschrei des örtlichen Bund Naturschutz bleibe.
Weyrich als zweiter Nachrücker sagt Ja
Als er seinen Hut nahm und seinen Rücktritt erklärte, zitierte Oswald die französische Sozialministerin Martine Aubry, als sie dem Kabinett Hollandes den Rücken kehrte: „Manchmal bleibt man, um Widerstand zu leisten, manchmal bedeutet Widerstand aber auch, dass man geht.“ Er habe sich nun für Letzteres entschieden.
Er dankte seiner Fraktion für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und das gute Klima. In den Dank bezog er auch die Mitarbeiter der Verwaltung und die anderen Gremiumsmitglieder ein. Dem Bürgermeister gab er eine indianische Weisheit mit auf den Weg: „Von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis uns die Seelen wieder eingeholt haben.“
Seine Nachfolgerin auf der CSU-Liste ist Gabi Reiter. Auf Nachfrage der Zeitung erklärte sie, dass sie im Moment nicht zur Verfügung stehe – das könne sich bis zur nächsten Kommunalwahl allerdings ändern.
„Ich habe sehr viele Projekte, die ich nicht vernachlässigen möchte, wie den Kindergartenförderverein, die Trachtler und das Theater. Und Geld verdienen muss ich auch“, sagt die selbstständige Friseurmeisterin augenzwinkernd. Aus der CSU sei sie ausgetreten und wäre als „Freie“ auf der Liste nachgerückt.
Der Nächste ist somit Christian Weyrich, Familienvater und Polizist. Der 39-Jährige ist CSU-Mitglied und bestätigte den Waldkraiburger Nachrichten, dass er das Amt gerne annehmen möchte.