Die Nachtliachtl-Musi untermalte die Auftaktveranstaltung gemeinsam mit dem Fischer Drei-Gesang.Fotos bac/re
Kraiburg ist eine der Perlen des Landkreises, sagte Prof. Dr. Waltraud Schreiber, als sie die Geschichtstage unter dem Motto „Energie schläft nie“ hier eröffnete.
Pioniere der Elektrifizierung
Kraiburg – „Energie schläft nie“ – lautet das Thema der Geschichtstage im Landkreis Mühldorf, die vom 14. bis 28. Oktober mit 50 verschiedenen Veranstaltungen an 25 Orten stattfinden.
Kraiburg ist ein geschichtsträchtiger Ort, wo der Wandel von Energie spürbar ist. So fand die Auftakt-Veranstaltung hier im großen Saal vom Bischof-Bernhard-Haus statt.
Als „eine der Perlen im Landkreis“ bezeichnete auch die Projektleiterin Prof. Dr. Waltraud Schreiber den Markt Kraiburg und begrüßte die Ehrengäste und interessierten Besucher.
Landrat Georg Huber als Schirmherr dankte allen, die diese Geschichtstage möglich gemacht und unterstützt sowie manche Tore geöffnet haben, um dabei aktive Geschichtsarbeit darstellen zu können. „Auch wir selbst müssen was tun für unser Klima!“, so Huber.
Dieses Thema griff auch Abgeordneter Günther Knoblauch mit „Visionen und Anregungen für die Zukunft“ auf und dankte ebenso für das „geschichtliche Engagement“, wie auch Bürgermeister Dr. Herbert Heiml, der stolz auf Kraiburg ist.
Zum Punkt „Energie aus dem Wasser – Inn-Schifffahrt“ referierte Reinhard Gruber, der den Heimatfluss als „Freiheits-Kämpfer durch drei Staaten“ (Schweiz, Tirol, Bayern) darstellte. Schon zur Römerzeit hat es hier den Transport auf dem „norisch-rätischen Grenzfluss“ gegeben, wo überwiegend Wein, Weizen und Geschirr verschifft wurde. Als Pionier der Innschiffsmeister galt Friedrich Kramer, der Vater von Bischof Bernhard. Auch in der „Riedl-Dynastie“ gab es noch Transport auf dem Inn, bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Dampfschiffe kamen. In der Nachkriegszeit dienten hier noch die „Inn-Plätten“ als Fähre und nun ist das letzte Relikt die „Mühldorfer Fähre“ auf dem Inn.
Dass der Gütertransport vom Wasser auf Schienen verlegt wurde, machte Franz Genzinger deutlich und hob den „Bahnhof Kraiburg“ als Denkmal heraus.
Dass die Mühlen in Kraiburg mit dem Wasser aus dem „Maxloner- und dem Wanglbach“ betrieben wurden, erzählte Genzinger ebenso und ging auf die „Hammerschmiede“ und die „Schusterschleif“ ein, dargestellt mit aktuellen Bild-Impressionen.
Als einen der Pioniere der Elektrifizierung nannte Prof. Dr. Waltraud Schreiber den Kraiburger Johann Oberbacher, der Ende des 19. Jahrhunderts als gelernter Müller ein Wasserkraftwerk am Maximiliansbach baute, mit dem zunächst Gleichstrom erzeugt wurde, der Teile der Nachbarschaft mit Strom versorgte. 1898 „erstrahlte“ hier die erste Beleuchtung. Bauern, die es sich leisten konnten, bezogen einige Watt Strom, um eine Glühbirne – später auch einen Elektromotor – zu betreiben. Oberbachers Schwiegersohn Raimund Diener baute die Stromversorgung für Kraiburg weiter aus, in nächster Generation dann Ludwig Diener.
„Damals hatten die Leute noch Angst vor der Elektrizität – eine Revolution hatte begonnen“, so Schreiber.
Ausführungen über den „Innkanal“ und die „Monaco Pipeline“ gab Reinhard Gruber und Bürgermeister Heiml stellte den Markt Kraiburg für Einheimische, Nachbarn und Touristen heraus und „dass Energie eingesetzt werden soll, wo es was bringt“.
Auf das Gelöbnis des Schiffsmeisters Riedl und seiner Nachfahren ging Marie-Luise Sondermaier ein, untermalt vom „Riedl-Lied“ und dem Kyrie aus der „Riedl-Messe“, eindrucksvoll gesungen vom „Fischer Drei-Gsang“. Mit Gesängen der Fischer-Brüder und den Klängen der „Nachtliachtl-Musi“ wurde die Auftakt-Veranstaltung untermalt.