„Einfach fantastisch“, fanden die Schüler Beatrice Bolog, Adelina Kelmendi, Felix Legler und Andreas Hille (von links) die Preisverleihung im Ehrensaal des Deutschen Museums. Stolz auf ihre Schüler sind natürlich Schulleiter Helmut Wittmann und Lehrerin Claudia Hille.
Von rund 3200 Teilnehmern bayernweit wurden drei Schüler des Waldkraiburger Gymnasiums für ihre besonders kreativen und starken Leistungen beim Experimentieren mit einem Superpreis geehrt.
Mit Remmidemmi zum Superpreis
Waldkraiburg/Mühldorf/München – Wie kommt man auf die Idee, die Geschwindigkeit eines Schalls mit einer Schubkarre, einem Hammer, zwei Handys und einem Ausflug an die Autobahn zu messen? Wohl nur, wenn man es so genau wissen will wie Beatrice Bolog, Adelina Kelmendi und Felix Legler.
Die drei elfjährigen Schüler haben am Landeswettbewerb „Experimente antworten“ teilgenommen, der sich an experimentierfreudige Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis zehn richtet. In drei Runden, die über das vergangene Schuljahr verteilt waren, mussten sie Antworten auf naturwissenschaftliche Phänomene finden und neben Experimenten auch Rechercheaufträge und Abwandlungsversuche durchführen.
„Direkt neben der Autobahn gibt es einen Feldweg, anhand der Pfosten kann man eine 200-Meter-Strecke exakt bestimmen. Ich habe an einem Ende mit einem Hammer auf eine umgedrehte Schubkarre gehauen, Beatrice und Adelina haben am anderen Ende jeweils die Zeit gestoppt, die zwischen dem Aufprall des Hammers und dem Hören des Schepperns verstrichen ist. Wir haben das zigmal wiederholt, um einen Mittelwert zu bekommen“, erklärt Felix. Das Ganze haben sie dokumentiert mit Fotos, einer Zeichnung, mehreren Tabellen und einer Versuchsbeschreibung. Und das war nur eine Teilaufgabe von vielen.
Von den 3200 Einsendungen bayerischer Gymnasiasten gab es einen Pool an Schülern, die ebenso wie die drei Waldkraiburger mit der besten Bewertung ausgezeichnet wurden. Aber: „Die Jury schaute sich am Ende diese Gruppe noch einmal an und wählte 55 Schüler für den Superpreis aus“, erzählt Lehrerin Claudia Hille nicht ohne Stolz.
Sie unterrichtet am Waldkraiburger Gymnasium Chemie und Biologie und betreute rund 15 Schüler, die am Wettbewerb teilnahmen. „Manche Experimente konnte man nur in der Schule durchführen, weil die Kinder bestimmte Apparaturen und Stoffe brauchten. Aber die meiste Arbeit fand bei den Schülern zu Hause statt.“
Sie mussten zum Beispiel herausfinden, mit welchem Mischungsverhältnis aus Zucker, Flüssigseife, Tapetenkleister und Glycerin man die besten Riesenseifenblasen hinbekommt. „Das hat Spaß gemacht, aber es war auch ein großer Aufwand, hinterher den Küchentisch wieder sauber zu machen“, erzählt Adelina Kelmendi. Auch die Eltern tragen einen hohen Anteil am Gelingen bei: „Nicht, weil sie Aufgaben für die Kinder übernehmen, sondern weil sie unter anderem ihre Küche zur Verfügung stellen oder die Kinder samt Schubkarre zur Autobahn fahren“, so Claudia Hille.
Adelina, Beatrice und Felix haben rund 90 Stunden in den Wettbewerb gesteckt. Gerade die letzte Runde hatte es in sich, weil die Schüler auf wenig Vorwissen zurückgreifen konnten. Sie bastelten aus Gummiringen und einem Schuhkarton eine Gitarre, brachten die Gummibänder nach bestimmten Vorgaben zum Schwingen und zeichneten Schwingungskurven auf. Manches Protokoll hatte am Ende über 15 Seiten.
„Experimentieren macht Spaß. Aber es verlangt auch Ausdauer, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz. Und schließlich läuft nebenbei die Schule ja auch noch weiter“, so die Lehrerin. Stolz ist Claudia Hille aber auf alle 15 Schüler, die teilgenommen haben, denn allein die drei Runden durchzuhalten, sei schon eine beachtliche Leistung – unabhängig vom Ergebnis.
Auch ihr Sohn ließ sich vom Experimentieren anstecken, machte mit und wurde ebenfalls mit einem Superpreis ausgezeichnet. Andreas Hille, der mittlerweile die siebte Klasse am Ruperti-Gymnasium in Mühldorf besucht, nahm anders als die Waldkraiburger Schüler als Einzelperson teil – auch das ist möglich.
Für ihre Mühen bekam jeder von ihnen am Freitag im Ehrensaal des Deutschen Museums bei Häppchen und vor imposanter Kulisse von der Staatssekretärin ein gelbes Paket mit einer kompletten Laborgrundausstattung überreicht.
Es ist das erste Mal, dass ein Schülerteam aus Waldkraiburg mit diesem Preis geehrt wurde. Aber vielleicht ist es nicht das letzte Mal: Schon jetzt gibt es über 25 Anmeldungen für die kommende Runde.