Die beiden Mittelschulen möchten an den Standorten festhalten. Im Hinblick auf die räumliche Situation wäre es „das Optimum für unsere Schulen, wenn es so weiterginge wie bisher“, sagt Birgit Huber-Heinrich. Die Rektorin der Diesel-Mittelschule setzt allerdings hinzu: „Wir tragen die Entscheidung des Stadtrates mit.“ Die Voraussetzung sei, dass eine optimale Schulqualität erhalten bleibe. Wichtig sei, dass die Schulen bei allen Planungsschritten miteinbezogen werden.hg
Dieselschule: Tragen Entscheidung mit
Fünf Optionen wurden in einer Machbarkeitsstudie zur Schulentwicklung untersucht. Jetzt hat sich der Stadtrat dafür entschieden, folgende Variante planerisch weiterzuverfolgen: Die Förderschule wird vom Standort in der Dieselstraße ins Gebäude der Liszt-Mittelschule verlegt, die Mittelschule wandert im Gegenzug in die Stadtmitte neben die Diesel-Mittelschule.
Richtungsweisende Entscheidung
Waldkraiburg – Mit 21:7 Stimmen hat sich der Stadtrat nach kontroverser Diskussion für diesen Weg entschieden. Mit diesem Stadtratsbeschluss ist der Ball an den Kreistag weitergespielt, der das Thema in seiner Oktober-Sitzung behandelt.
Die Stadt könnte sich durch den Schultausch viel Geld sparen, aber auch einige andere Probleme reduzieren, etwa die Verkehrsbelastung im Schulviertel Süd entschärfen und organisatorische Verbesserungen für die beteiligten Schulen erreichen (siehe Info-Kasten zur „Variante C“).
Großer Zeitdruck
Das geht aus der Präsentation der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie hervor, die Götz Keßler, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH, erläuterte. Die Studie haben Stadt und Landkreis gemeinsam in Auftrag gegeben. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass der Landkreis das Förderzentrum deutlich erweitern muss und sowohl an der Förderschule wie an der Lizst-Mittelschule erhebliche Modernisierungsmaßnahmen anstehen. Viele Aspekte waren dabei einzubeziehen, der Raum- und Turnhallenbedarf der Schulen ebenso wie künftige Erweiterungsmöglichkeiten, die Verkehrssituation an den beiden Schulstandorten, mögliche Synergien und vieles mehr.
Pötzsch: Schulen waren einbezogen
Die vorbereitenden Untersuchungen standen unter erheblichem Zeitdruck, wie Keßler und Bürgermeister Robert Pötzsch deutlich machten. Das Landratsamt möchte die Förderschule so schnell wie möglich auf den neuen Standard bringen, so Keßler. Der Zeitdruck werde noch dadurch verstärkt, dass die Außenstelle der Förderschule in Starkheim rasch aufgelöst und nach Waldkraiburg verlegt werden soll. Sogar von einer Interimslösung in Räumen der Diesel-Mittelschule war die Rede (siehe Artikel in der Randspalte). Beide äußerten Verständnis für die Mittelschulen, die den Status Quo erhalten wollen.
Vor rund Hundert Zuhörern aus den Schulen wies der Bürgermeister allerdings die Kritik zurück, die Schulen würden vor vollendete Tatsachen gestellt. „Die Schulen waren von Tag eins an mit im Boot“, erinnerte Pötzsch an ein Treffen im Mai, nachdem die Machbarkeitstudie auf den Weg gebracht wurde. Und der Bürgermeister verteidigte, dass die Schulleiter erst einen Tag vor der Sitzung des Stadtrates über die Inhalte der Studie informiert wurden. „Eher war die Information nicht möglich.“ Pötzsch reagierte damit darauf, dass mehrere Stadträte die Verwaltung aufgefordert hatten, die Schulen und die Elternbeiräte an den weiteren Prozessen intensiv zu beteiligen.
Pötzsch betonte, dass die Machbarkeitsstudie der erste Schritt war. Jetzt müsse die Richtung bestimmt werden, wie es weitergehen soll. Im nächsten Schritt gehe es dann um die konkrete Planung, Fragen des Verkehrs und der Pädagogik und Schulqualität. Da werden die Schulen mit einbezogen. „Da müssen wir alle pädagogischen Notwendigkeiten einbringen“, ergänzte Götz Keßler. „Wir brauchen keine Schule bauen, die hinterher nicht funktioniert.“
Die Einwände der Liszt-Mittelschule gegen den vom Stadtrat favorisierten Schultausch brachte der kommissarische Schulleiter Alexander Ruß vor. Er äußerte zwar Verständnis für die Überlegungen der Stadt, fragte aber zugleich kritisch an, ob kurzfristige Einsparungen das Wagnis rechtfertigen, 600 Mittelschüler oder mehr an einem Standort zusammenzuführen. Derzeit habe die Stadt Waldkraiburg zwei gesunde Mittelschulen. „Die beiden Mittelschul-Standorte haben sich über 40 Jahre bewährt.“ Das große Platzangebot an der Liszt-Schule sei unvergleichlich in der Waldkraiburger Schullandschaft. Das Konfliktpotenzial sei an kleinen Schulen geringer als an großen Standorten.
In einer Stadt mit derartig großer Fluktuation und starkem Zuzug sei die zukünftige Entwicklung der Schülerzahlen nicht vorhersehbar. Die Kapazitäten am neuen Standort könnten aus Sicht von Ruß schnell erschöpft sein. Ebenso wenig sei der Bedarf an Ganztagesplätzen vorhersehbar.
Stadtrat Steindl
kritisiert Landrat
Der Erziehungs- und Bildungsauftrag müsse an erster Stelle stehen, sagte Lydia Partsch, die selbst eine Grundschule leitet und gegen die Zusammenlegung der beiden Mittelschul-Standorte stimmte. Skepsis äußerte auch Harald Jungbauer. Die Schulen könnten ihre pädagogischen Konzepte an den bisherigen Standorten am besten umsetzen. Er befürchtet auch am Standort in der Stadtmitte Verkehrsprobleme wegen der vielen zusätzlichen Radler. Georg Ledig glaubt, dass auch in der Mitte ein Verkehrschaos entstehen könnte. Er ist dagegen, das „Super-Areal“ in Waldkraiburg-Süd an den Landkreis abzugeben.
Die Befürworter sehen allerdings die Variante C als „zukunftsorientierte Lösung“ (Anton Sterr) und „guten Kompromiss“ (Susanne Engelmann), gerade auch im Hinblick auf spätere Erweiterungsmöglichkeiten.
Engelmann lenkte den Blick auf die Belange der Förderschule. Auch dem Förderzentrum solle zu seinem Recht verholfen werden. Immer seien ihm andere Schulen baulich vorgezogen worden. Der Schultausch sei die „einzige Möglichkeit, das Problem der Förderschule zu lösen“, bekräftigte Franz Belkot. Und Michael Steindl wies die Verantwortung für die aktuelle Misere dem Landkreis zu.
Der Landrat habe vor einigen Jahren „verschlafen“, ein tragfähiges Konzept für die Förderschule auf den Weg zu bringen. Waldkraiburg versuche jetzt eine Lösung und den „besten Kompromiss für alle Beteiligten zu finden“. Es sei nicht in Ordnung, jetzt der Stadtverwaltung den „schwarzen Peter“ zuzuschieben.
Das sagt Schulamtsdirektor Wax
Mehrfach wurde in der Stadtratssitzung Schulamtsdirektor Hans Wax zitiert. Dieser bestätigte gestern auf Anfrage, dass er den Überlegungen der Kommunalpolitiker offen gegenüber stehe. „Wir kennen die schwierige Lage. Da muss man viele Dinge denken können.“ Das sei Recht des Sachaufwandsträgers, das Schulamt habe in dieser Frage nicht zu entscheiden. Wax betont gleichzeitig, dass mit einem Umzug der Liszt-Schule an den Standort Dieselstraße die Schulqualität selbstverständlich erhalten bleiben müsse, die Räume, auch die Sportstätten, die es für den Unterricht braucht. „Das fordern wir vom Sachaufwandsträger. Da seien viele Fragen schon geklärt, einige Untersuchungen noch nötig.
Die Option, die beiden Mittelschulen mit jeweils über 300 Schülern zu einer Schule zusammenzulegen, lehnt er ab. Die Schulform der Mittelschule zeichne eine Kleinräumigkeit und Vertrautheit aus. „Wir haben Schüler, die diese Kleinräumigkeit brauchen.“ Sie würde in einer so großen Schule verloren gehen. Wax, der selbst mehrere Jahre die Diesel-Mittelschule mit damals 600 Schülern leitete, spricht sich aus dieser Erfahrung heraus für zwei Schulen mit zwei Profilen aus, die Synergieeffekte nutzen und im Mittelschulverbund eng kooperieren.
Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei immer gut und vertrauensvoll gewesen, erinnert Wax an die Renovierung und Erweiterung der Schule. Durch Transparenz und die Einbeziehung der Elternbeiräte werde man sicher auch jetzt zu einer sachlichen Diskussion kommen.hg
Förderschule: Froh über die Haltung des Stadtrates
„Wir sehen den Beschluss des Stadtrates sehr positiv, weil wir mit einem Umzug an die Liszt-Straße aus der beengten Situation hier in der Dieselstraße rauskommen.“ Alexander Perschl, Zweiter Konrektor des Förderzentrums, verspricht sich von dem Standortwechsel organisatorische und logistische Verbesserungen und Erleichterungen für seine Schule. Erstmals sei eine räumliche Veränderung für das Förderzentrum nicht mit einer Verschlechterung verbunden. „Viele wissen nicht, dass die Planungen weit über die Zusammenlegung mit der Außenstelle Starkheim hinausgehen.“ Eigentlich sei schon heuer der Aufbau eines Ganztagesbetriebs vorgesehen. „Dies wäre an unserem Standort in der Stadtmitte nur sehr schwer möglich und würde noch mehr Enge bringen.“ Ausdrücklich begrüßt der Konrektor die Haltung des Stadtrates, „der nicht nur auf die Schüler der Schulen schaut, für die die Stadt Sachaufwandsträger ist“. Für die Förderschule sei das ein wichtiges Signal. „Wir gehören dazu.“ Das habe Bürgermeister Pötzsch bei Besuchen im Förderzentrum immer wieder deutlich gemacht. Dabei helfe die Stadt ein Problem zu lösen, das der Landkreis in den vergangenen Jahren habe wachsen lassen. Erst als der Anstoß von außen kam, als die Staatsregierung angekündigt habe, dass an allen Schulen Ganztagesbetrieb eingeführt wird, sei Bewegung in die Sache gekommen.hg
Stadtrat für „Variante C“: Standorttausch zwischen Liszt-Mittelschule und Förderzentrum
Unter den fünf Varianten, die das Architekturbüro geprüft hat, favorisiert der Stadtrat den Schultausch zwischen Förderzentrum und Liszt-Mittelschule. Die Eckpunkte dieser „Variante C“:
• Beide Mittelschulen, die dann in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, blieben eigenständig.
• Die Förderschule würde in das Gebäude der Liszt-Schule umziehen, das der Landkreis modernisieren und umbauen müsste. Die vorhandene Raumfläche entspricht nahezu dem Bedarf der Förderschule.
• Der Kinderhort in der Liszt-Schule müsste ausgelagert und dafür ein Neubau errichtet werden.
• Die Förderschule müsste um gut 350 Quadratmeter erweitert und in eine Mittelschule umgebaut werden.
• Während dieser Baumaßnahme müssten für etwa 20 Monate lang Schulcontainer aufgestellt werden.
• Für das Schulzentrum an der Dieselstraße wird ein zentraler Busbahnhof an der Adlergebirgsstraße gebaut.
• Der Zeitplan, sofern es zur Realisierung kommt: Die Planungen starten im Sommer 2019, Baubeginn für Liszt-Schule wäre August 2021, Einzug der Förderschule in das sanierte Gebäude an der Liszt-Straße im September 2023; danach Baumaßnahme an Dieselstraße bis September 2024; dann könnte der Mittelschulbetrieb am neuen Standort beginnen.
Wesentliche Vorteile dieser Variante laut Stadtbau-Geschäftsführer Keßler: • Die klare räumliche Trennung der Schulstandorte nach Sachaufwandsträger (Landkreis: Förderzentrum, Realschule, Gymnasium im Süden; Stadt: die beiden Mittelschulen und eine Grundschule an der Dieselstraße).
• Die in den Morgenstunden chaotische Verkehrssituation im Süden könnte dadurch entschärft werden, denn: Zum Förderzentrum fließt deutlich weniger Bring- und Holverkehr der Eltern als zur Mittelschule; die Situation am Standort Dieselstraße wird durch die zentrale Bushaltestelle entspannt.
• An den beiden Standorten sind bedarfsgerechte Turnhallen- und Außensportflächen vorhanden.
• Kosten: Diese Variante ist für die Stadt sehr kostengünstig. Erweiterung, Umbau, Sanierung, Erschließung belaufen sich nach vorläufigen Annahmen auf nahezu sechs Millionen Euro. Für eine Modernisierung der Liszt-Mittelschule müsste die Stadt deutlich mehr ausgeben, zwischen elf und 12,5 Millionen setzt ein Gutachten den Aufwand für die Instandhaltung an.
Der Aufwand für den Landkreis beträgt etwa 16 Millionen Euro für diese Variante. Die Alternative wäre laut Keßler noch teurer. Denn die geplante Erweiterung des Förderzentrums könnte der Kreis nicht am bestehenden Standort realisieren. Dafür wäre ein Neubau auf einem anderen Grundstück nötig, die Kosten wären in jedem Fall höher als die Übernahme und Modernisierung der Liszt-Schule.
Für den Grundstücks- und Gebäudetausch müsste laut einem Gutachten der Landkreis an die Stadt etwa zwei Millionen Euro ausgleichen. Ersatzweise könnte das künftige Grundstück des Kreises an der Liszt-Straße von der Stadt als Erbpachtgrundstück an den Landkreis vergeben werden.
• Ein Nachteil dieser Variante C: Der Schulbetrieb muss während der Baumaßnahmen in Container ausgelagert werden, es kommt zu erheblichen Lärmbelästigungen. Allerdings wäre auch eine Sanierung der Liszt-Mittelschule durch die Stadt mit diesen Einschränkungen verbunden. hg