Zwei Monate war die Telefonleitung bei Josef Schisler und seiner Frau Maria tot. Die Vodafon-Kunden wurden nicht informiert, dass es sich um ein komplexes bautechnisches Problem handelte. Sie fühlen sich im Stich gelassen und nicht für voll genommen. Beide sind auf den Anschluss angewiesen, um mit ihren Ärzten engmaschig Kontakt halten zu können.
Zwei Monate eine tote Leitung
Waldkraiburg – Seit 14. August konnten die Schislers in der Paul-Becker-Straße nicht mehr telefonieren, zwei Tage später meldeten sie die Störung bei Vodafone, ihrem Anbieter. Zwei Monate später ging immer noch nichts.
Schuld war eine „komplexe zeitaufwendige Einzelstörung“, wie Volker Petendorf, Sprecher von Vodafone auf Nachfrage der Zeitung erklärte. Es handle sich um einen schwierigen Fall bautechnischer Natur.
Der Sachverhalt wurde inzwischen ans VIP-Beschwerdemanagement im Hause übergeben, damit die Familie Schisler nicht mehr in der Warteschleife hängen musste.
Mit dem Handy des Sohnes hat das Ehepaar „unwahrscheinlich viele Male“ – die Tage und die Uhrzeiten haben sie dokumentiert – versucht, bei Vodafone zu erfahren, warum ihr Telefon nicht geht. Unzählige Male hingen sie in der Warteschleife oder wurden vertröstet. Zweimal kamen Techniker, wie sie berichten, die den Boden aufgruben, weitere Male wurden Techniker angekündigt, von denen die Schislers keinen zu Gesicht bekamen.
Erneute Anrufversuche endeten wieder in der Warteschleife mit der Bandansage „in zehn Minuten sind wir für Sie da“ – was jedoch nicht eintraf.
So machte sich Josef Schisler nach fast zwei Monaten des Ärgerns auf den Weg in die Vodafone-Filiale in der Berliner-Straße – wo man ihm freundlich zuhörte und ergebnislos versuchte, für ihn Informationen zu beschaffen. Verzweifelt, frustriert und völlig entnervt suchte der 78-Jährige Hilfe bei den Waldkraiburger Nachrichten. „Ich bin da jahrelang Kunde, darf sowas sein, dass man die Leute so in der Luft hängen lässt?“, fragt er und fügt hinzu „so kann man mit Menschen nicht umgehen“.
Er spricht die Politikverdrossenheit vieler Menschen an – „da schimpfen die Leute immer, dabei funktioniert es in der Privatwirtschaft nicht“, so Schisler, der starke gesundheitliche Probleme hat und immer wieder ins Krankenhaus muss – mitunter ein Grund, warum er weder die Kraft noch die Nerven hat, den Anbieter zu wechseln und Papierkram auf sich zu nehmen.
In der Hoffnung, dass Vodafone endlich auf ihn zukomme, ließ er die Lastschriften für die monatliche Grundgebühr zurückgehen.
Inzwischen stand fest, dass eine ganz neue Leitung verlegt werden und das Haus der Schislers wie ein Neubau frisch angeschlossen werden muss, so Vodafone-Sprecher Petendorf zur Zeitung.
„Techniker waren mehrmals vor Ort, haben aufgegraben, durchgemessen eine defekte Kupplung ausgetauscht, um die Werte des durchkommenden Signals zu verbessern – doch das Signal kam nicht im Haus der Kunden an“, erklärt der Pressesprecher.
Eine neue Leitung musste her. Das Knifflige: Der bauliche Zugang musste über andere Häuser erfolgen. Daher gab es schon drei mehrstündige Begehungen mit Messungen, ob ein Anschluss über die Hausnummern 18, 20 oder 25, 23, 32, 19 oder 44 möglich ist. Ist er nicht. Eine vierte Begehung mit Analyse bei den Hausnummern 36, 32, 28, 22a folgte am Donnerstag.
„Warum hat uns das nie jemand gesagt?“, fragen die Betroffenen verständnislos. „Das müssen wir uns ankreiden: Die Kommunikation ist nicht gut gelaufen. Wir bitten um Entschuldigung“, antwortet Petendorf. „Leute von uns waren mehrfach vor Ort, die hätten den Schislers die Schritte erklären müssen“, fügt er hinzu.
Dass die Kunden die nicht erbrachten Leistungen – die Telefongebühren – nicht bezahlen müssen, verstehe sich von selbst. Die Kundenbetreuung werde den beiden Waldkraiburgern eine Kompensation anbieten – für die Unannehmlichkeiten.
Pünktlich zum Wochenende konnte Petendorf mitteilen, dass die Störung mittels Tiefbautrupp beseitigt werden konnte. Ein neuer Kabelverzweiger musste eingebaut werden. Das Telefon der Schislers funktioniert endlich wieder.