Waldkraiburg – Amira (Kathrin Müller) und Matteo (Giorgio Buraggi) stehen auf der Bühne. Sie verkörpern zwei Jugendliche. Zu leiser Musik stehen sie still und nachdenklich. „Manchmal ist es, wie im Paradies, manchmal türmen die Probleme sich auf“, sprechen sie abwechselnd und beginnen, ausdrucksvoll und wie im Sturm zu tanzen.
Im Verlauf des Stückes „Am Rande des Regenbogens“, zeigen sie Situationen, die den Jugendlichen der siebten und achten Klassen der Mittelschule Dieselstraße bekannt vorkommen könnten. Amira muss sich mit ihren Eltern auseinandersetzen, um ihren eigenen Weg gehen zu können. Matteo fühlt sich von all den Anforderungen, die auf ihn einstürmen, überfordert. Er will es allen recht machen und findet keine Zeit für sich.
Amira streitet sich in letzter Zeit nur noch mit ihrer besten Freundin, Matteo findet keine Freunde. Jeder für sich, aber auch gemeinsam finden sie Wege, mit den vielen Anforderungen und Belastungen des Alltags umzugehen.
Mit dem Stück werden Möglichkeiten zur Depressionsprävention und Resilienzförderung aufgezeigt. (siehe auch Interview.) Resilienz bedeutet psychische Widerstandsfähigkeit, Krisen aushalten zu können.
Es führt den Zuschauer auf Wege zu sich selbst. „Loslassen“, „Grenzen setzen“, „Wertschätzen der eigenen Persönlichkeit“, sind die Mittel dazu. „Am Rande des Regenbogens“ bringt als bewegendes Theaterstück den Jugendlichen die Grundbausteine der seelischen Widerstandskraft nahe. In humorvollen und einfühlsamen Szenen akzeptiert Amira, dass sie ihre beste Freundin loslassen muss, schafft Matteo sich Platz und Zeit zum Malen. Das Theater Eukitea bietet begleitend zum Stück auch Workshops für Schüler, Lehrer und Eltern an. Es wird gezeigt, wie man die Förderung der Resilienz in den Unterrichtsalltag integrieren kann.
Wenn Jugendliche an einer Depression leiden
Alexandra Riess ist Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule Dieselstraße und macht sich stark für Depressionsprävention und Resilienzförderung.
Frau Riess, warum haben Sie das Stück von Eukitea an die Schule geholt?
Weil es bei mir in der Beratung um ganz viele Themen wie zum Beispiel „sich selbst akzeptieren“, geht. Die Jugendlichen können oft nicht verstehen, warum sie so reagieren, warum dreht sich das Gedankenkarussell, warum zerrt jeder an ihnen. Es ist wie im Stück, es gibt gute Tage und schlechte, an denen sie belastet sind. Da habe ich mir gedacht, das könnte etwas sein, das für die Schule passt.
Es geht in dem Stück auch um Depressionsprävention. Wie können Schüler anderen Schülern helfen?
Ich glaube dadurch, dass sie lernen, mit sich selbst achtsamer zu werden, wie wir es in den begleitenden Workshops tun, bekommen sie auch ein Gefühl dafür, wie es den Mitmenschen geht. Wenn ich merke, dass es einem anderen schlecht geht, kann ich darauf eingehen und weitergeben, was ich gelernt habe. Oder wenn ich als Schüler merke, ich kann nicht wirklich helfen, kann ich mich an die Jugendsozialarbeit oder den Vertrauenslehrer wenden.
Was können Eltern tun, wie können sie helfen?
Sie können den Jugendlichen da abholen, wo er steht und ihm zeigen, dass er Verständnis bekommt und nicht zu viel Druck aufbauen. Sie können ein Angebot machen, den Jugendlichen darauf ansprechen, aber auch Grenzen akzeptieren. Auch hier kann man sich an die Jugendsozialarbeit wenden.
Was bedeutet Resilienzförderung?
Das ist die seelische Widerstandsfähigkeit. Kinder und Jugendliche lernen, mit Dingen, die das seelische Gleichgewicht stören, umzugehen. Im Stück wird das durch das Herausfahren aus der Situation mit einem Aufzug symbolisiert. Dadurch, dass man sich Zeit für sich nimmt, zum Beispiel auch mal ohne Handy ist. Wir wollen den Jugendlichen da Handwerkszeug mitgeben.