von Redaktion

„Jacko“ ist der beliebteste Bewohner im Haus „St. Mechthild“. Seinem Herrchen Rudolf Kosiellek, der an einem Hirntumor erkrankt und Palliativpatient ist, hat er den Umzug ins Seniorenzentrum sehr erleichtert. Denn der Jack Russell Terrier durfte mit einziehen.

Waldkraiburg – Rudolf Kosiellek wollte keine Chemo, auch seine Familie lehnte diese Therapieform ab, als die Diagnose „Hirntumor“ kam. Denn es bestand die Aussicht, dass der Krebs durch Medikamente zurückgeht – und so kam es auch. Allein daheim wohnen konnte der 81-Jährige dennoch nicht mehr und entschied mit seiner Tochter Bianca, dass er in ein Seniorenzentrum übersiedelt.

Versorgung des Tiers muss stets
gewährleistet sein

„Aber doch nicht ohne meinen Hund ,Jacko‘“, sagte der Waldkraiburger. Der Jack Russell Terrier ist acht Jahre alt und der erste Hund, den sich der Rentner als Welpe zulegte. Er ist sein wichtigster Ansprechpartner und hält ihn fit, dreimal am Tag Gassi gehen bei Wind und Wetter gehören dazu.

Dass Kosiellek „Jacko“ ins Seniorenzentrum „St. Mechthild“ mitnehmen konnte, gab für ihn den Ausschlag, denn die Entscheidung, die eigenen vier Wände, die Selbstständigkeit aufzugeben, fiel ihm schwer. Und seine Vorstellung von einem Altenheim, wo alte Leute einfach nur trostlos verwahrt werden, machte es nicht besser. Dass es dann doch so schön ist, „man sich gut erholen kann, nett umsorgt wird und das Essen so gut ist, dass man zunimmt“, wie Kosiellek nach fünf Monaten resümiert, führt dazu, dass der Mann von einem „neuen schönen Leben“ spricht.

„Keiner zieht ein und schreit anfangs Juchu, wenn er in eine Einrichtung muss“, sagt der Leiter von St. Mechthild, Benjamin Wolf. Der Anfang sei immer hart, man gebe mit diesem Schritt viel auf. Daher sei es wichtig, dass die Bewohner persönlich Dinge mitbringen können in ihr Zimmer, sich ein bisschen Heimat bewahren können. „Oder ihr Haustier“, so Wolf weiter. Derzeit ist „Jacko“ der einzige vierbeinige Bewohner.

Voraussetzung sei eine Abstimmung mit der Hausleitung. „Kampfhund, Deutsche Dogge oder schwarzer Panther – das geht nicht“, sagt Wolf lachend. Die Tiergröße sollte also verträglich sein. Dazu muss der Impfnachweis erbracht sein und eine Regelung mit der Familie getroffen werden, wer sich kümmert, wenn der Bewohner krank ist, oder selbst verstirbt.

Andere Bewohner freuen sich, wenn sie „Jacko“ sehen

Kosiellek und seine Tochter, die ein paar Straßen weiter wohnt, drehen die Gassi-Runden. Im Haus St. Mechthild gibt es „No-Go-Areas“ für „Jacko“. In Küche und Speisesaal hat er keinen Zutritt. Dafür kann er in die umzäunten Grünanlagen und läuft nicht Gefahr, unter ein Auto zu geraten, wenn er in den Garten darf.

„Der Hund muss sozialisiert sein. Das heißt, wenn er Tag und Nacht kläfft oder anderen Angst macht, suchen wir erstmal nach einer Lösung. Wir machen aber von Vorneherein klar, wenn‘s nicht funktioniert, kann das Tier nicht bleiben“ so Wolf. Im Haus sei unter den Angestellten ein Pate für „Jacko“ benannt, wenn‘s „brennt“.

Der aufgeweckte Jack Russell erfreut auch die anderen Bewohner. Über zu wenig Streicheleinheiten kann sich das drollige Kerlchen nicht beschweren. In Herrchens Zimmer hat er ein Plüsch-Bett und stets gut gefüllte Näpfe. Betritt jemand das Zimmer, bellt er kurz – ist ja schließlich sein Revier. „Das ist aber voll in Ordnung“, so Wolf, es störe niemanden. Der Hund hat sich eingelebt, anfangs war ihm die fremde Umgebung nicht geheuer, in den ersten Wochen war er etwas schreckhaft. Jetzt fühlt er sich pudelwohl – auch, weil‘s dem Herrchen hier gut geht.

Kosiellek ist ein Einzelgänger. Das Bewusstsein, dass Hilfe in der Nähe ist, wenn er sie braucht, tut ihm gut. „Auch wenn wir Angebote wie Singen, Bingo, Gymnastik oder Ausflüge haben – er ist nicht der Typ für Zwangsbespaßung“, lacht Wolf.

Kosiellek ist Palliativpatient. Eine eigene Palliativstation gibt es im Haus nicht, jedoch werde das Angebot gemeinsam mit der SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung), mit dem Anna-Hospizverein und durch spezialisierte Fortbildungen des Pflegepersonals ausgebaut.

„Ein Leben im Seniorenheim geht in der Regel in einen palliativischen Abschluss über“, erklärt Wolf. Daher sei es wichtig, dass sich der Pflegebereich hier entsprechend aufstelle und die nötige politische Unterstützung bekomme, ergänzt Stefanie List, Sprecherin von Vitalis Senioren-Zentren, Betreiber des Hauses.

Nicht ohne meinen „Jacko“

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