von Redaktion

Tageszentrum der Diakonie begleitet Menschen auf Weg zur psychischen Gesundung

Tageszentrumsleiter Ludwig Doben (rechts) bei der Jubiläumsfeier mit (von links) MdL Dr. Martin Huber, Bezirksrätin Claudia Hausberger und Zweitem Bürgermeister Richard Fischer.Fotos re

„Ein Sprungbrett zurück ins Leben“

Waldkraiburg – Andreas Klinger hat es geschafft. Und damit sind nicht nur sein Diplom und der berufliche Erfolg gemeint. Heute lebt und arbeitet er als anerkannter Schauspieler in Berlin, doch das war nicht immer so. Lange Zeit quälten ihn starke Ängste, die sein Leben immer weiter einschränkten. „Ich hatte immense Schwierigkeiten und konnte kaum mehr die Wohnung verlassen“, erzählt er. Das Tageszentrum der Diakonie in Waldkraiburg half ihm zurück ins Leben. Seit 20 Jahren begleitet es Menschen auf dem Weg zur psychischen Gesundung.

Viel Lob zum

20-jährigen

Jubiläum

Es reichte schon, wenn ihn jemand nur angesehen habe. Sogleich habe er sich dann gedacht: „Lasst mich in Ruhe, ich habe keinen Bock auf euch!“ Durch eine zufällige Begegnung mit einer älteren Dame, der er eigentlich nur helfen wollte, wurde er auf das Tageszentrum aufmerksam. Nach dem angenehmen Erstkontakt besuchte er die Einrichtung bald regelmäßig und übernahm verschiedene Aufgaben wie den Telefondienst. Vor allem der damit einhergehende geregelte Tagesablauf war wichtig, so Klinger. „Um 9 Uhr war Arbeitsbeginn, wie im normalen Leben auch.“ Dennoch sei ihm schnell klar geworden, dass das Tageszentrum nur ein Sprungbrett sein kann. „Ein Sprungbrett zurück ins Leben.“

Wie gut Klinger dies gelungen ist, verdeutlichte der Leiter des Tageszentrums, Ludwig Doben. In der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen berichtete Doben, dass Klinger professionell in einer internationalen Theaterperformance die Hauptrolle spielt und aktuell an einer Produktion im Synchronstudio arbeitet. Dennoch sei er extra für die Jubiläumsfeier aus Berlin angereist.

Seit 1998 gibt es das Tageszentrum in Waldkraiburg als eine wichtige Anlaufstelle für psychisch kranke Menschen im Landkreis. Das Angebot wurde stetig erweitert und differenziert. Heute bietet das Tageszentrum seinen Klienten eine sinnvolle Beschäftigung, aktive Gestaltung der Tagesstruktur und gezielte Einzelförderung durch Ergotherapie.

„Eine Erfolgsgeschichte“, meinte Bezirksrätin Claudia Hausberger, die die Glückwünsche des Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer überbrachte. Sie beschrieb die Einrichtung als ein ambulantes, wohnortnahes und personenzentriertes Angebot an die Bürger des Landkreises, das den Menschen in den Mittelpunkt stelle.

Seine große Wertschätzung für alle von psychischer Krankheit Betroffenen und deren professionellen Helfer hob Landtagsabgeordneter Dr. Martin Huber hervor. Er kenne die Einrichtung persönlich, da er dort im Rahmen der Aktion Rollentausch einen Tag mitgearbeitet hat. Huber betonte die Brückenfunktion der diakonischen Arbeit in die Gesellschaft und Familie hinein. Wer diese Form der Hilfe braucht, schaffe es oftmals nicht, aus sich selbst heraus danach zu suchen.

Einer, der die Anfänge der ambulanten Psychiatrie im Landkreis von Beginn an mitgestaltete, ist Dr. Benedikt Steingruber. Er stellte die wichtige „Drehscheibenfunktion“ heraus, die das Tageszentrum in der Versorgungslandschaft des Landkreises innehat.

Neue Manufaktur eingeweiht

„Wer wie die Diakonie auf einen Zeitraum von 20 Jahren erfolgreicher Tätigkeit zurückblicken kann, hat vieles, wenn nicht sogar alles richtig gemacht“, lobte Zweiter Bürgermeister Richard Fischer. Durch das Tageszentrum erhielten Menschen mit psychischer Erkrankung eine wirkliche Chance auf Teilhabe in der Gesellschaft.

Pfarrer Simon Stritar segnete Besucher und Mitarbeiter des Tageszentrums, der neu geschaffenen Manufaktur des Zentrums, die mit der Jubiläumsfeier eingeweiht wurde und der Ergotherapie. Diakonie sei gelebte Nächstenliebe.

Dass Waldkraiburg zum evangelischen Dekanat Traunstein gehört und das Diakonische Werk Traunstein als Träger des Tageszentrums daher auch in der Stadt beheimatet ist, erläuterte deren Vorstand und Geschäftsführer, Andreas Karau. Stefan Rösler, Fachbereichsleiter Sozialpsychiatrie beim Diakonischen Werk, hob die Bedeutung der neu geschaffenen Manufaktur hervor. Der Begriff Manufaktur stehe für „die Erschaffung wertvoller Produkte mit Nachhaltigkeit“, diese werden hier im Tageszentrum hergestellt. Eine kleine Auswahl der Produkte präsentierte Teamleiter Manfred Lamers, darunter filigran bestickte Weihnachtskarten und duftende Bienenwachskerzen. Aber auch Auftragsarbeiten wie das Zusammenbauen von Kartonagen oder Klebearbeiten werden in der Manufaktur von Hand gefertigt.

Geschäftsbereichsleiter Doben verzichtete auf einen eigenen Rückblick und überließ Barbara Blankenburg das letzte Wort. Sie besuche das Tageszentrum schon seit über 14 Jahren nahezu täglich und habe dessen Geschichte miterlebt und mitgeschrieben. Die Anleitung durch das Personal und das gemeinsam zubereitete Mittagessen seien gut, betonte Blankenburg, die mit den Worten schloss: „So soll es weitergehen!“re

Artikel 8 von 11