Waldkraiburg – Das Tanzland-Projekt geht diese Woche mit attraktiven Kursangeboten in seine letzte Runde. Abschluss wird die Tanzvorführung „Junge Choreografen“ am Freitag, 26. Oktober, 20 Uhr in der Blackbox des Haus der Kultur sein.
Die mit 2,35 Millionen Euro geförderte Initiative „Tanzland“ hat nicht nur das Ziel, in Zusammenarbeit mit professionellen Stadt- oder Staatstheatern in kleineren Städten neue Tanzensembles entstehen zu lassen. Vielmehr soll der Tanz in gewisser Weise auf den Unterrichtsplan von Schulen gebracht werden, sich neuen Raum erobern, bisher noch unerfahrene aber interessierte Menschen sensibilisieren.
So finden in dieser Woche auch Kurse für Schüler und Lehrer am Gymnasium statt. Tanz ist Ballett, ist Tango, ist Walzer, ist Breakdance, ist Afro- oder Jazz-Dance – ist zu Bewegung gewordene Musik, die gesund ist, Menschen vereint und vor allem Spaß macht.
Das Niveau in den Kursen ist hoch
Bei einem Besuch zweier der laufenden „Tanzland“-Kurse wurde deutlich, was da entstanden war und immer noch am Wachsen ist. Erstmals gibt es in dieser Runde auch Breakdance und Akrobatik im Angebot.
Die beiden Tänzer Damian Gmür und Leon Damm aus Pforzheim entfachten binnen kürzester Zeit die Bewegungs- und Tanzlust der Teilnehmer, welche erwartungsgemäß aus vorwiegend jugendlichen, männlichen Nachwuchstänzern bestand. Ein kurzes Warm-Up löste innere wie äußere Verkrampfungen. Schnell hörte man Kichern, dann lautes Lachen und schon war die junge Tanzschar, optimal erwärmt, aufs Lernen eingestellt.
Zu Musik wurden nun alle Gelenke mobilisiert: Solche, die man kennt, aber auch solche, mit denen die Schüler bei dieser Gelegenheit erstmalig Bekanntschaft machten.
Schritt für Schritt lernen die Tanzschüler die erste Lektion, den Grundschritt des Breakdance, den Six-Step. Koordination, im richtigen Augenblick das Gewicht verlagern, aber auch eine gute Beweglichkeit sind vonnöten. Nichts für Bewegungslegastheniker, zumal die Chose gleich im gesteigerten Tempo so manch eine „Bein- und Armverknotung“ auslösen kann. Die Jungen schlugen sich wacker, hatten sichtlich größtes Vergnügen. Am Ende stand zur Vorbereitung auf den folgenden Kurstag noch eine Vorübung zum Handstand auf dem „Tanzplan“ und eigentlich war, wie alle fanden, die Zeit viel zu schnell vergangen.
Zu späterer Stunde versammelten sich die fortgeschrittenen Tänzerinnen aus den „Contemporary“-Kursen im „freiraum36“. Die Tänzerinnen Eleonora Pennacchini und Selene Martello hatten offenbar wenig Arbeit, denn, was da zu sehen war, das sah fast schon profihaft aus.
In englischer Sprache erklärten die gebürtigen Italienerinnen Bewegungsfolgen, Haltungen, Stellungen und Schrittfolgen aus dem zeitgenössischen Tanz. Nach kurzem Vortanzen und wichtigen Erläuterungen zu einzelnen „Choreos“, ging es gleich mit lauter Musik zur Sache, wobei alles verblüffend leicht aussah, was als Indiz für das bereits sehr hohe Leistungsniveau zu werten ist.
Besonders prägnant kam in diesem Workshop die Wirkung der Musik, sowohl auf den Tänzer, als auch auf den Zuschauer zur Geltung: Die Bewegungen im Rhythmus zur Musik, zum Takt, hatten Ausdruck und erzeugten Emotion. Mitgerissen von der Musik schienen die Bewegungsfolgen aus dem Inneren der jungen Tänzerinnen herauszufließen: Der begehrte Flow, der mitreißt und infiziert, der sich in Waldkraiburg mit „Tanzland“ ausgebreitet hat und hoffentlich als „Overflow“ weiteren Tanzraum suchen und finden wird.