Waldkraiburg ist bunt – auch wenn die Stadt überregional nach den Landtagswahlen in den Medien als „AfD-Hochburg“ auffiel, weil die Rechtspopulisten hier 19,2 Prozent beim Gesamtergebnis einfuhren. Dieses fremdenfeindliche Bild von ihrer Heimatstadt sei falsch, finden Ehrenamtliche und Vereinsfunktionäre, die mit Flüchtlingen zu tun haben – etwa beim Tanzen.
Lustige bunte Rastazöpfe
Waldkraiburg – „Ich finde es cool, dass sie da sind“, sagt die achtjährige Anna im Sitzkreis beim kreativen Kindertanz im Tanzsportclub Weiß-Blau Waldkraiburg (TSC). Trainiert wird im Vereinehaus „freiraum36“, der sich gegenüber der Anker-Dependance in der Aussiger Straße befindet.
Zehn Kinder tummeln sich zur Tanzstunde von Nicole Lunitz, darunter die Flüchtlingsmädchen Irene, Loveth und Godness.
Die bunten
Rasta-Zöpfe finden die Kinder lustig
Alle drei Mädchen sind mittlerweile fester Bestandteil der Kindergruppe und für die anderen Teilnehmerinnen gehören sie dazu.
Die Nigerianerinnen leben mit ihren Eltern in ungewisser Zukunft in der Erstaufnahmeeinrichtung in Waldkraiburg und „die Tanzstunde ist ein Highlight für die Mädels“, sagt Astrid Diakourakis, die ehrenamtlich mit den Flüchtlingen töpfert, kocht und auch Zeit verbringt.
„Die Kinder sind froh, mal aus dem Camp rauszukommen“, so die Betreuerin.
Irene besucht die Graslitzer-Grundschule und geht in den Hort. Loveth und Godness besuchen schon die Franz-Liszt-Mittelschule, weil sie etwas älter sind.
„Back and turn“, ruft Tanzpädagogin Lunitz und gibt zweisprachige Kommandos, damit sowohl die Flüchtlingskinder als auch die deutschsprachigen Kinder synchron ihre Bewegungen machen können.
Loveth führt mit großer Begeisterung die Vorgaben der Trainerin aus und sagt: „Ich bin glücklich, hier zu tanzen!“
Derzeit wohnen rund 20 Kinder und einige Babys in der Erstaufnahme und warten mit ihren Familien auf den nächsten Bescheid. Dieser kann die Abschiebung bedeuten oder die Verlegung in eine andere Unterkunft, wie Regina Zinn vom TSC sagt.
Bewegungsangebote sind für die Kinder eine willkommene Abwechslung zum tristen Alltag in der Unterkunft, ergänzt Astrid Diakourakis.
Die Tanzpädagogin freut sich über die neuen Teilnehmerinnen in ihrer Gruppe: „Sie passen sich sehr gut an und machen toll mit.“
Berührungsängste zwischen den Kindern gibt es keine. Besonders die bunt umwickelten Rastazöpfchen zweier afrikanischer Mädchen finden die anderen Kinder lustig.
Wie lange Irene, Loveth und Godness noch beim TSC tanzen können, ist ungewiss, denn auch hier kann jederzeit der Abschiebe-Bescheid kommen. Aber der Tanz hilft bei der Alltagsbewältigung, gibt den Kleinen Struktur und unterbricht den grauen Ablauf in der großen Flüchtlingsunterkunft. re/kla