Eine lebenswerte Stadt

von Redaktion

Waldkraiburger Wochenschau

Waldkraiburg ist eine lebenswerte Stadt – daran ändert auch das Ergebnis der Landtagswahlen nichts. Da katapultierten 19,2 Prozent der Bürger die AfD hoch, so dass die Stadt überregional als „AfD-Hochburg“ genannt wurde. Fast jeder Fünfte hat sein Kreuz bei den Rechtspopulisten gemacht und damit zum Ausdruck gebracht, was er von Weltoffenheit, Multi-Kulti und generell allem, was anders ist, hält – nämlich nicht viel. Und das in einer Vertriebenenstadt, in der jeder irgendwann mal angekommen ist. Aber es gibt auch noch die 80 Prozent, die diese Art von Politik ablehnen.

Um ein Zeichen gegen den Stempel, eine fremdenfeindliche Stadt zu sein, zu setzen, hat sich beispielsweise der Tanzsportclub Weiß-Blau zu Wort gemeldet. Hier findet Integration durch Tanz statt und zwar schon bei den ganz Kleinen. Flüchtlingsmädchen aus Nigeria, die in der Anker-Erstaufnahmeeinrichtung leben, haben mit Waldkraiburger Kindern hier Freude an der Bewegung, an Musik und knüpfen Freundschaften. Die Nigerianerinnen erleben so einen Ausgleich zum tristen Alltag in der großen Flüchtlingsunterkunft.

Auch die Inklusion hat in Waldkraiburg einen hohen Stellenwert. So fand im Landkreis hier der erste Inklusionscup statt, wo Menschen mit und ohne Behinderung miteinander Fußball spielen, fernab von Leistungsdruck und Punktespielen. Inklusion ist ja auch ein Thema, mit dem die AfD auf Kriegsfuß steht. Man muss sich nur die Aussagen verschiedener Parteifunktionäre ansehen, die behinderte Kinder als „kranke Kinder“ bezeichnen oder sogar das Thema Inzest ins Spiel bringen. Einfach mal „AfD und Inklusion“ googeln, dann ist man bedient. Inklusion ist nicht verhandelbar, Punkt!

Waldkraiburg braucht Menschen, die offen und warmherzig sind, die sich für die Stadt und ihre Bürger einsetzen – und zwar egal, welche Hautfarbe, welchen Glauben, oder welchen Grad der Behinderung sie haben, oder woher sie kommen. Wer heute noch gesund ist, sollte bedenken, dass er morgen durch einen Unfall, eine Krankheit, einen Zeckenbiss oder etwa durch einen Schlaganfall selbst gehandicapt sein kann.

Die Stadt hat so viele schöne Seiten, die bunt sind und nicht braun. Im wahrsten Sinne blüht das Ortsbild auf, nach der städtischen Blumenzwiebelaktion, an der sich Kommunalpolitiker, Schulen und etwa Vereine begeistert beteiligt haben.

Hier gibt es eine lebendige Künstlerszene, unter anderem vertreten vom Kunstverein Inn-Salzach. Oder das furiose Tanzland-Projekt des Stadttheaters Pforzheim gemeinsam mit der Stadt Waldkraiburg, das diese Woche leider zu Ende geht. Eine sehr gut sortierte Stadtbücherei, die viel für die Lesebildung von Kindern tut und gewitzte engagierte Mitarbeiter hat, gehört auch zur Kulturlandschaft. Bald siedelt sich hoffentlich auch ein Forschungszentrum an, vielleicht sogar integriert in den alten Bahnhof. So würde der technische Bezug des historischen Gebäudes auch erhalten bleiben. Und: In Waldkraiburg fühlen sich sogar die Fledermäuse wohl. Hier gibt es in Bayern mit das größte Vorkommen der nachtaktiven Flattertiere. Weil die Stadtbau und die WSGW ein Herz für Abendsegler, Mopsfledermaus und Co. haben, haben sie sogar Winterquartiere an den Hochhäusern geschaffen. Wenn das nicht liebens- und lebenswert ist.Andrea Klemm

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